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Holzschwang

17.11.2019

In St. Georg sind 500 Jahre Geschichte lebendig

In der St.-Georgs-Kirche in Holzschwang – und ihrem sehenswerten Turm – sind 500 Jahre Geschichte bis auf den heutigen Tag greifbar und lebendig.
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In der St.-Georgs-Kirche in Holzschwang – und ihrem sehenswerten Turm – sind 500 Jahre Geschichte bis auf den heutigen Tag greifbar und lebendig.
Bild: Alexander Kaya

Der Bau des Turms von St. Georgs in Holzschwang begann bereits im späten Mittelalter. Warum dort Grabdenkmäler von Familien aus Oberhausen zu sehen sind.

Einer trockenen Wetterlage bedarf es schon, am besten ist natürlich Föhn. Dann liegt dem Betrachter nicht nur das breite Tal von Leibi und Roth zu Füßen, nein – der Blick geht weiter bis zu den Alpen. Die Zugspitze dominiert als breiter Klotz, rechts daneben die gipfelreiche Landschaft der Tannheimer und Allgäuer Berge bis zum Widderstein ganz am äußersten Westrand. Das alles sieht man von einem der wohl schönsten Kirchtürme im Landkreis aus – der St.-Georgs-Kirche in Holzschwang. Exponiert auf einem Höhenrücken gelegen, grüßt der gotische Finger Gottes weit ins Land.

Eine spezielle Untersuchung der dort verwendeten Hölzer datierte die Entstehungszeit des Turmes in die 1450er Jahre und somit in das späte Mittelalter. Und dieses ist dem Inneren auf Schritt und Tritt anzusehen, zumal die umfassende Renovierung vor drei Jahren manch einer verborgenen Kostbarkeit neuen Glanz verlieh. So beispielsweise den Rundbögen in der mutmaßlich originalen Farbfassung der Entstehungszeit. Diese sind heute zwar vermauert, gestatten aber noch einen guten Einblick in die Frühzeit des Kirchenbaus. Über mehrere Holzstiegen geht der Weg aufwärts bis zur Glockenstube, von welcher die eingangs erwähnte Aussicht genossen werden kann. 1513 ist auf dem Metall als Jahreszahl zu erkennen.

Holzschwang wurde nach der Reformation protestantisch

Kurz vor der Reformation, als Holzschwang noch katholisch war, wurde die Apostel- oder Taufglocke gegossen. Ihre beiden jüngeren Schwestern daneben ersetzten das im vergangenen Krieg eingezogene Gusswerk. Im Übrigen befand sich das Geläute bis in diese frühen Nachkriegsjahre im Geschoss darunter, weiß Hausherr Pfarrer Thomas Pfundner zu erzählen. Damals wurden die Glocken noch mit der Hand bedient. Die wahrscheinlich dazu benötigten Seile sind heute säuberlich aufgerollt im Turm zu finden.

Neben Pfuhl, Steinheim, Reutti und Hausen gehörte auch Holzschwang zu jenen Orten rechts der Donau, die den protestantischen Glauben annahmen. Obwohl nicht zum Territorium der Reichstadt Ulm gehörend, führte jene im Jahr 1531 die Reformation auch hier ein. Mit Bonaventura Stelzer erhielt Holzschwang im selben Jahr den ersten evangelischen Geistlichen.

Wie Pfarrer Pfundner berichtet, lag der Ort in einem herrschaftlichen Spannungsfeld: Landeshoheitlich zur österreichischen Fuggerherrschaft Kirchberg-Weißenhorn gehörend, grundherrlich der Patrizierfamilie Roth zugeschlagen, gehörte Holzschwang allerdings pfarreilich zur nahen Reichsstadt. So konnten die Ulmer jedoch nicht ganz so schalten und walten, wie sie es ihrer Auffassung nach gerne praktiziert hätten.

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Anders sah es im benachbarten Reutti aus, wo die ulmischen Rechte gebündelter vorhanden waren. So verwundert es auch kaum, dass die Fugger im folgenden Jahrhundert mehrfach Rekatholisierungsversuche initiierten, welche jedoch mangels Unterstützung allesamt scheiterten.

Der massive Turm der St.-Georgs-Kirche gliedert sich in fünf Geschosse, gekrönt von einem achteckigen Spitzhelm, der seinen heutigen Zustand ebenfalls der grundlegenden Renovierung zu verdanken hat. Kleeblattfriese und ein für den Ulmer Raum typischer Lilienfries aus gebranntem Terrakotta zieren das Äußere des ansehnlichen Bauwerks. Davon, dass selbst das angebaute Kirchenschiff erhöht wurde, zeugt ein vermauertes Fenster im dritten Obergeschoss.

Kirche St. Georg in Holzschwang: Grabstätten von Familien aus Oberhausen

Apropos Schiff: Natürlich ist nicht nur der Turm als Solitär sehenswert; auch das in weiß gehaltene Langhaus mit seinen vornehm zurückhaltenden Stuckverzierungen an der Decke fordern einen Besuch ein. Ein weiteres interessantes Kapitel der religiösen Auseinandersetzungen während des sogenannten konfessionellen Zeitalters zeigt sich im Chor der Georgskirche: Einige Grabdenkmäler tragen den Namen der Familien Katzbeck und Diemantstein. Nun residierten diese Herrschaften jedoch nicht in Holzschwang, sondern im zehn Kilometer entfernten Oberhausen. Allerdings bekannten sich sowohl die Katzbecks als auch die Diemantsteins zum Protestantismus, was eine Beisetzung im Roggenburgisch-katholisch gebliebenen Bibertal nicht gestattete.

Da Holzschwang nun der am Nächsten gelegene evangelische Ort war, durften die Grabstätten hier errichtet werden. 500 Jahre Geschichte – in der Georgskirche ist sie bis auf den heutigen Tag greifbar und lebendig.

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