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Deutsche Bahn

06.11.2019

In Ulm halten wochenlang fast keine Fernzüge mehr

Die Gleise auf der Neubaustrecke werden schon verlegt.
Bild: Alexander Kaya

Plus Wegen Bauarbeiten für die neue ICE-Trasse nach Wendlingen fahren drei Wochen lang kaum noch Fernzüge durch den Hauptbahnhof. Das hat gravierende Folgen.

Die Münsterstadt wird abgekoppelt: Von Sonntag, 24. November, bis Sonntag, 15. Dezember, machen Fernzüge um Ulm einen großen Bogen. Züge aus Richtung Stuttgart oder München werden – mit einer Ausnahme – umgeleitet oder entfallen. Hintergrund sind der Anschluss der Gleise an die Neubaustrecke Ulm-Wendlingen sowie weitere damit verbundene Arbeiten.

"Wichtige Meilensteine haben wir hinter uns", sagte Stefan Kielbassa, der Projektleiter der Neubaustrecke, bei einer Baustellenbegehung. Die Trasse soll Ende 2022 in Betrieb genommen werden. Zwischen Ulm und Wendlingen läuft alles nach Plan. "Wir können uns im Moment nicht vorstellen, was noch schief gehen kann", so Kielbassa.

Zwei Gleise in Ulm sind künftig für den Fernverkehr reserviert

Doch bis die Landeshauptstadt Stuttgart von Ulm aus in 28 statt 54 Minuten zu erreichen ist, werden noch mindestens drei weitere Jahre vergehen. Im Gegensatz zu den Arbeiten rund um Ulm läuft es bei "Stuttgart 21", dem Umbau des Kopfbahnhofs in einen Durchgangsbahnhof, nicht ganz so reibungslos. Frühestens 2025 soll dieser Abschnitt fertig ein.

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Bereits seit Mitte 2012 laufen die Umbauarbeiten im Nordkopf des Ulmer Hauptbahnhofs zur Einbindung der Neubaustrecke nach Wendlingen in das bestehende Bahnnetz. Statt der großen Bagger und Betonmischer halten nun ab 2020 die Techniker Einzug in der im Rohbau fertigen Strecke: Der Albabstiegstunnel ist fertiggestellt und bereits mit Gleisen ausgestattet, die Brücken der Filstalbahn und der Brenzbahn sind in Betrieb, Schienen und Weichen wurden eingebaut. Ebenso ist das Kreuzungsbauwerk der Neubaustrecke mit der Filstalbahn im Rohbau fertig und die Weichen zum Anschluss der Gleise der Neubaustrecke sind montiert.

Zwei Gleise in Ulm sind künftig allein dem Fernverkehr zugeteilt, zwei weitere dem Regionalverkehr. Und da diese sich nicht kreuzen, rechnet die Bahn mit viel weniger Störungen und somit pünktlicheren und schnelleren Zügen. Auch das System der Abstellgleise wurde neu organisiert, sodass Störungspotenziale vermieden werden. Ein Modell, das aus Sicht von Ingenieur Kielbassa in Deutschland Schule machen sollte. Doch bevor es so weit ist und die Fahrgäste auf einer betonierten "festen Fahrbahn" mit 250 Sachen ruckelfrei gen Stuttgart brausen, müssen sich die Bahnfahrer in Geduld üben. Die meisten Fernzüge zwischen Stuttgart und München werden vom 24. November bis 15. Dezember um Ulm herumgeleitet oder entfallen ganz.

Kein ICE-Halt in Ulm von 24. November bis 15. Dezember

Der stündliche ICE-Takt zwischen den beiden Landeshauptstädten bleibe zwar erhalten, die Fahrtzeit verlängere sich aber um 30 bis 45 Minuten. Die Züge der ICE-Linien 11 (Berlin-München) sowie 42 (Dortmund-München) werden umgeleitet. Der Halt in Ulm entfällt. Weiter angeboten wird der IC 2097, der morgens von Ulm nach München und nachmittags als IC 2094 von München nach Ulm verkehrt. Zusätzlich fährt der IC 2530 von München nach Ulm. Das nächtliche Zugpaar ICE 618/619 hält in Ulm. Zusätzlich bestehen Verbindungen im Nahverkehr. Die Züge der IC-Linie 60 (Karlsruhe-München), der EC-Linie 62 (Frankfurt am Main-Klagenfurt/Graz) und der TGV-Linie 83 (Paris-München) entfallen zwischen Stuttgart und München. Das IC-Zugpaar Dortmund-Oberstdorf fährt nur bis Stuttgart. Fast alle anderen Fernverkehrsverbindungen zwischen Stuttgart und München entfallen – und mit ihnen die Halte in Ulm und Günzburg.

"Das ist der Preis des Bauens", sagte Kielbassa zu dem Jahrhundertprojekt. Der Preis ist freilich auch in Euro zu beziffern: Allein das Kreuzungsbauwerk und der 400 Meter lange Trogbau, der vom Ulmer Hauptbahnhof zum sechs Kilometer langen Albabstiegstunnel führt, kosteten zusammen rund 100 Millionen Euro. Freilich ein Klacks angesichts der prognostizierten Gesamtkosten der Neubaustrecke von 3,7 Milliarden Euro.

Die Neubaustrecke endet dann in etwa drei Jahren am alten, ziemlich maroden Ulmer Hauptbahnhof: Die Stadt führt zwar Gespräche mit der Bahn, doch wann das Gebäude, das pro Tag 40.000 Reisende betreten, generalsaniert wird, steht in den Sternen.

Lesen Sie dazu auch: Wo soll der ICE zwischen Augsburg und Ulm fahren?

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