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29.07.2010

In der Gummi Welt von Gummi Welz

Erfolgsprodukte vor Augen: Dämmstoffe für EvoBusse untersuchen GWU-Geschäftsführer Tobias Lexhaller (links) und Neu-Ulms OB Gerold Noerenberg. Foto: anbr
Bild: anbr

Neu-Ulm Tischdecken und Gummistiefel gibt's nicht mehr bei Gummi Welz. Vor gut zwei Jahren wurde der Firmensitz von der Ulmer Magirusstraße ins Neu-Ulmer Industriegebiet verlegt. Der kleine Laden mit Dingen des täglichen (Gummi-) Bedarfs wurde geschlossen. "Es hat sich einfach nicht mehr gelohnt", sagt Tobias Lexhaller, einer der drei geschäftsführenden Gesellschafter. Die traditionelle Nachbarschaft zur Busindustrie ist durch den Umzug in einen Fünf-Millionen-Euro-Bau in der Otto-Renner-Straße aber geblieben: Früher war die Gummi Welt von Gummi Welz direkt neben Kässbohrer, jetzt sind sie Nachbarn von EvoBus.

Etwa die Hälfte ihres Umsatzes macht Gummi Welz heute mit EvoBus. Die Dichtungen und Dämmung kommt vom Neu-Ulmer Nachbarn. 2006 Betrug der Anteil noch 75 Prozent. Dieser Anteil wurde allerdings wie Lexhaller betont, nicht durch weniger Aufträge von EvoBus sondern durch Ausweitungen der Angebotspallette auf anderen Gebieten erzielt. Insbesondere dafür verantwortlich sei die geglückte Internationalisierung des einstigen Familienunternehmens. Gummi Welz eröffnete Außenstellen in den anderen zwei großen europäischen Produktionsstandorten für Busse: Polen und Türkei.

Das Geschäftsmodell des Eigentümers "Equimax", der die Firma 2006 der Eigentümerfamilie abkaufte, ist aber grundsätzlich gleich geblieben: die handwerklich ausgerichtete Fertigung in kleinen und mittleren Serien. Nur Gummistiefel und Tischdecken fielen aus dem Sortiment. 2009 wurden so 16 Millionen Euro umgesetzt. Die Krise traf Gummi Welt hart: Um ein Drittel brach der Absatz im Vergleich zum Boomjahr 2008 ein. Doch die Gummi-Firma erwies sich als flexibel. Die Stammbelegschaft von knapp hundert Mitarbeitern konnte gehalten werden, allerdings mussten gut 60 befristet Beschäftigte und Leiharbeiter gehen, so die Firmenleitung. Im polnischen Werk musste aber im großen Stil entlassen werden.

Viel Handarbeit

In der Gummi Welt von Gummi Welz

Langsam aber steig gehe es bergauf, sagt Lexhaller. Doch auch wenn das EvoBus Werk in direkter Nachbarschaft voll ausgelastet ist, bedeutet dies derzeit zu wenig Arbeit für die 93 Mann bei Gummi Welz. Denn zunehmend würden dort auch Stadtbusse hergestellt. Doch die brauchen sehr zum Verdruss der Gummi Welz Mannschaft weit weniger Dämmmaterial als Reisebusse.

In Sachen passgenauer Gummidichtsysteme ist GWU als Nischenanbieter ziemlich allein auf weiter Flur und so auch Marktführer in Europa. Doch trotzdem sei der Preisdruck hoch. "Unsere Kunden können oft gar nicht verstehen, dass wir immer noch in Deutschland produzieren", sagt Geschäftsführer Lexhaller.

Doch das Know-how lasse sich nicht so einfach transferieren. Es sei sehr viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl notwendig aus dem teigigen Rohstoff Kautschuk mithilfe eines (230 000 Euro teuren) so genannten "Extruders" ein profiliertes Dichtgummi zu formen.

Wer einen Querschnitt einer solchen Bustürdichtung anschaut, der ahnt warum: Es handelt sich dabei um ein komplexes Gebilde mit vielen Hohlräumen und dünnen Innenwänden. Nicht nur der Umgang mit Gummi inklusive Vulkanisation und der Erfindung von Spezialwerkzeugen gehört zu den Kompetenzen bei GWU. Eng wird mit dem größten Abnehmer EvoBus zusammengearbeitet. Durch abgeglichene Computersysteme sehen die Mitarbeiter bei GWU immer genau, was für Busse auf der Fertigungslinie stehen. Sequenzgenau liefert GWU für jeden Bus die passenden "Päckchen" voller Dämm-Materialien an. Lagerhaltung davon betreibe EvoBus nicht.

Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg (CSU) zeigte sich bei einer Betriebsbesichtigung beeindruckt. Als "Hidden Champion', also einen Sieger, der etwas im Verborgenen bleibt, bezeichnete Noerenberg die Firma. Beispielhaft sei auch die Integration von behinderten Menschen, die seit vielen Jahren Tradition bei GWU hat.

Im Busgeschäft hat Gummi Welz mehr als einen Fuß in der Tür. Sehr viel Wachstumspotenzial sieht Lexhaller hier nicht. Anders als beim Schienenverkehr. Mehr Dichtungen in Zügen und U-Bahnen "Made in Neu-Ulm" sei das strategische Ziel für die kommenden Jahre.

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