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Ulm

11.12.2017

In der Münsterbauhütte trifft altes Handwerk neuste Technik

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Die Arbeit am Erhalt des filigranen Münsters geht nie aus.
Bild: Alexander Kaya (Archivbild)

Bei den Arbeiten rund um den höchsten Kirchturm der Welt ist jetzt neben der Muskelkraft von Steinmetzen auch ein hochmoderner Laserscanner im Einsatz.

Kälte, Schnee und schwierige Straßen- sowie Wegverhältnisse hielten gestern kaum Menschen ab, der Ulmer Münsterbauhütte an deren Tag der offenen Tür einen Besuch abzustatten und sich in die Geheimnisse der Arbeit der Steinmetze einweihen zu lassen. Und diese erklärten, zum Teil dabei praktisch arbeitend, mit viel Geduld und Fachwissen, welche Aufgabe sie haben und wie sie diese lösen.

Alleine den Hauptturm zu restaurieren, ist ein Zehn-Jahresprojekt, das für Münsterbaumeister Michael Hilbert und seine insgesamt 21 Mitarbeiter eine große Herausforderung darstellt. Der südliche der hinteren, kleinen Türme ist bereits komplett restauriert, der nördliche ist momentan mit einem Schutzgerüst eingekleidet und wird später in Angriff genommen.

Wobei den Steinmetzen die Arbeit nie ausgeht. Und die ist mitunter sehr schwierig und zeitaufwendig. Steinmetz Axel Bohn zum Beispiel arbeitet gerade an einem neuen, etwa 60 Zentimeter langen Werkstück und berichtet: „Bis es ganz fertig ist, braucht es schon etwa 250 Stunden.“ Alte, noch brauchbare, aber angeschlagene Teile werden restauriert. Unbrauchbare Stücke – Witterungs- und Umwelteinflüsse haben zum Verfall geführt – werden ausgetauscht. Vorwiegend aus Sandstein, der beispielsweise aus der Nähe von Dettenhausen im Schönbuch oder aus der Schweiz stammt, wie Hüttenmeister Andreas Böhm in seinem Vortrag „Der Weg des Steins durch die Bauhütte“ erläuterte.

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Eine Münsterbauhütte gibt es seit 1377. Zwischenzeitlich war sie stillgelegt, 1844 wurde sie wieder eröffnet. Heute ist sie ein Hort von Spezialisten, die dafür sorgen, dass das Ulmer Münster immer intakt bleibt. In seinem Vortrag „Zwischen Tradition und Fortschritt“ zeigte Steintechniker Richard Géczi auf, wie seit 2014 ein 3-D-Laserscanner und seit vergangenem Jahr versuchsweise Handscanner eingesetzt werden. Géczi: „Von den 3-D-Zeichnungen lassen sich alle nötigen Ansichten und Schnitte für Werklisten und Schablonen auf 2-D ableiten.“ Die Ergebnisse dieser modernen Technik ergeben die Planungsgrundlage. „Gearbeitet aber“, so der Steintechniker, „werden alle Werkstücke von den Steinmetzen von Hand.“ Dass dies eine auch staubintensive - mit entsprechenden Absauganlagen ist dies für die Steinmetze kein Problem - und viel Feingefühl erfordernde Arbeit ist, davon konnten sich gestern die Besucher überzeugen. Und sie ließen sich von Steinrestaurator Rouven Lambert erzählen, wie die richtige Steinkonservierung funktioniert. Wobei nichts ewig hält.

Wenn Steinteile des Münsters ausgetauscht werden müssen, heißt es, auch die Statik zu beachten, wie Andreas Böhm ausführte: „Da müssen oft aufwendige Konstruktionen zum Stützen eingesetzt werden, zum Beispiel Druckpressen. Da drücken schon einmal sieben bis acht Tonnen runter, die müssen bewältigt werden.“ Die Besucher zeigten sich offensichtlich von den Ausführungen der Vortragenden und von den Erklärungen der Steinmetze sehr beeindruckt. Es gab von ihnen viele Fragen, auch zur Bearbeitung der Steine, und die Mitarbeiter der Münsterbauhütte wurden nicht müde, sie ausführlich zu beantworten. Ihre Arbeit, das wurde allen Gästen klar, ist nicht hoch genug einzuschätzen. Und sie wird andauern. Außergewöhnliche Arbeiten stehen in nächster Zeit nicht an. Es wird eben ständig restauriert oder erneuert, oft an mehreren Stellen gleichzeitig. Dabei werden im Winter die notwendigen Vorarbeiten geleistet und in der wärmeren Jahreszeit am Münster selbst intensiv gearbeitet. Vielleicht ist bei einem der nächsten Tage der offenen Tür die Münsterbauhütte bereits Teil des Welterbes: Denn wenn es nach dem Ulmer Münsterbaumeister Hilbert geht, wird die Münsterbauhütte Teil des Immateriellen Weltkulturerbes der Unesco. Bereits im Oktober 2015 reichte Hilbert wie berichtet unter strenger Geheimhaltung die Unterlagen bei der nationalen Unesco-Kommission ein. Gemeinsam möchten die etwa 15 europäischen Dom- und Münsterbauhütten ihr Handwerk von der Unesco als immaterielles Weltkulturerbe anerkennen lassen.

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