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Landkreis/Roggenburg

05.04.2019

Ist das Bildungszentrum im Kloster ein Sanierungsfall? Nein!

Die Finanzprobleme des Roggenburger Bildungszentrums sind vorerst gelöst. Pater Roman Löschinger erklärt, warum die Einrichtung so wichtig für den Landkreis ist.
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Die Finanzprobleme des Roggenburger Bildungszentrums sind vorerst gelöst. Pater Roman Löschinger erklärt, warum die Einrichtung so wichtig für den Landkreis ist.

Plus Pater Roman, Leiter des Bildungszentrums, spricht über Geldsorgen, über die Notrutsche für den Bundespräsidenten und darüber, warum sie viele nach Roggenburg kommen

Auf ein Wort reagiert Pater Roman Löschinger allergisch: „Wir sind kein Sanierungsfall“, sagt der Leiter des Roggenburger Bildungszentrums für Familie, Umwelt und Kultur mit Kraft in der Stimme. Die vergangenen Wochen waren für ihn nicht leicht, denn er musste bei den Kreispolitikern darum bitten, seine Einrichtung mit mehr Geld auszustatten. Das gefiel nicht jedem. Vor allem die Grünen und der Illertisser Bürgermeister leisteten Widerstand. Jürgen Eisen fürchtete, das Bildungszentrum könne zu einem Fass ohne Boden werden. Besteht die Gefahr wirklich? Unsere Redaktion sprach mit Pater Roman über Geld und über das, was die Gesellschaft, vor allem hier im Kreis, von der idyllisch gelegenen Einrichtung hat.

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Die Finanzsorgen ist das Bildungszentrum erst mal los

Was die Finanzen betrifft, so sind Pater Roman die größten Sorgen erst mal genommen. Der Kreistag hat dem Bildungszentrum in nicht öffentlicher Sitzung für dieses und für nächstes Jahr einen deutlich höheren Zuschuss bewilligt, und zwar „mit breiter Mehrheit“, wie Landrat Thorsten Freudenberger am Freitag auf Nachfrage sagte. So wurden denn für dieses und für nächstes Jahr jeweils 475000 Euro bewilligt, ursprünglich sollten es nur 300000 Euro sein, doch das hätte nach Schätzung von Pater Roman vorne und hinten nicht gereicht. Allerdings muss das Geld nicht der Kreis allein aufbringen, denn er ist nur einer von vier Gesellschaftern der gemeinnützigen GmbH, die das Bildungszentrum trägt. Die anderen drei sind der Bezirk Schwaben, die Gemeinde Roggenburg und das Prämonstratenser-Kloster. Ein externer Berater soll nun prüfen, wo sich möglicherweise noch etwas einsparen lässt.

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Ist das Bildungszentrum im Kloster ein Sanierungsfall? Nein!

Das Problem mit dem Geld bestand eigentlich schon von Anfang an. Das 1998 ins Leben gerufene Zentrum sei schon immer unterfinanziert gewesen, bedauert Pater Roman. Der Betriebskostenzuschuss war gedeckelt und konnte die steigenden Kosten nicht mehr ausgleichen, zumal auch in das Gebäude und in die Ausstattung investiert werden musste. Wer im Klosterhof die Wände hochschaut, sieht sofort die verwitterten grünen Holzplatten, die klar vor Augen führen: Hier muss was getan werden.

Das Bildungszentrum und die Sicherheit des Bundespräsidenten

Eher unsichtbar bleiben hingegen Ausstattungsanforderungen wie eine leistungsstarke Internetverbindung: „Die Digitalisierung ist ein Riesenthema, 120 Tagungsgäste brauchen heutzutage ein vernünftiges W-Lan“, sagt Pater Roman. Auch Verbesserungen bei Brandschutz und Fluchtwegen kosten Geld. Vor zehn Jahren führte das Thema zu einer etwas absurden Situation: Als der damalige Bundespräsident Horst Köhler Roggenburg besuchte, kam auch die Frage auf, wie das Staatsoberhaupt im Ernstfall denn aus dem Tagungsraum „Alte Darre“ fliehen könne. Dafür musste eine Notrutsche installiert werden. „Heute könnte er runterspazieren.“

Personalkosten bereiten dem Bildungszentrum Probleme

Große Probleme bereiteten zuletzt die Personalkosten, denn die Träger des Zentrums entschieden sich, die Beschäftigten endlich in den Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes (TVöD) zu holen. Das bezeichnete der Landrat im Gespräch zwar als „Selbstverständlichkeit“, doch es trieb die Kosten deutlich nach oben. Pater Roman mahnt daher, auch die künftigen Tarifsteigerungen bei der Finanzierung zu berücksichtigen, ansonsten müsse aus Kostengründen das Angebot reduziert werden.

Das Zentrum steht nach den in dieser Woche vorgelegten Zahlen eigentlich sehr gut da: Die Auslastung der Betten ist zwar mit 21074 nicht ganz so hoch wie im Rekordjahr 2017 (21521) und auch die Zahl der Teilnehmer hat leicht nachgelassen. Dennoch ist der 2018 erreichte Wert von 70479 der zweithöchste in der Geschichte des Bildungszentrums (2017: 77580). Die stabilen Übernachtungszahlen sind immer noch gut, denn nach den Erfahrungen von Pater Roman werden die Tagungen immer kürzer, die Veranstalter planen immer weniger Nächte ein. Das bedauert der Geschäftsführer des Zentrums. Gerade abends werde das tagsüber Gelernte doch weiter besprochen und verfestige sich dadurch.

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Über mangelnden Zuspruch kann er sich nicht beklagen, denn die Bildungsstätte strahlt mit ihrem Angebot – vergangenes Jahr gab es gut 1600 Veranstaltungen – weit ins Land hinaus. Pater Roman freut sich sichtlich, dass das Roggenburger Zentrum so bekannt ist. So kamen dort schon die Pfadfinder zu ihrem Bundeskongress zusammen, die Studienstiftung des Deutschen Volkes – eine Fördereinrichtung für besonders schlauen Nachwuchs – veranstaltet regelmäßig Tagungen, renommierte Firmen schicken Mitarbeiter auf Seminare und auch Musiker haben den Ort entdeckt. Chöre und Kapellen, selbst aus München oder Stuttgart, ziehen sich gerne im Bildungszentrum zum Proben zurück – wegen der guten Akustik der Räume. „Das ist ein Hit“, sagt Pater Roman. Wer einmal nach Roggenburg gekommen sei, der lerne den Ort schätzen.

Freude über Klassen aus Illertissen

Aber, und das ist Pater Roman sehr wichtig, das Angebot werde vor allem von Einrichtungen des Landkreises genutzt, etwa von Schulen. Ein kleiner Seitenhieb muss jetzt sein: „Ich freue mich jedes Mal, wenn bei Ökoprojekttagen Schulklassen aus Illertissen kommen.“ Auch Landrat Freudenberger betont, für wie wichtig er die Einrichtung hält: „Wegen Bildungszentrum und Kloster kommen jährlich Zehntausende von Menschen hierher. Wir sind stolz, dass wir das haben. Der volkswirtschaftliche Nutzen liegt klar auf der Hand und es bringt etwas für die Gesellschaft.“

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