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Kabarett: Zynisch und bitterböse

Kabarett

Zynisch und bitterböse

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    Der aus ZDF-Kabarett-Sendung „Die Anstalt“ bekannte Rechtswissenschaftler und Kabarettist Max Uthoff.
    Der aus ZDF-Kabarett-Sendung „Die Anstalt“ bekannte Rechtswissenschaftler und Kabarettist Max Uthoff. Foto: Dagmar Hub

    Eine Stimme kommt aus dem Dunkel. „Was wollen Sie eigentlich von mir?“ Im Publikum im Edwin-Scharff-Haus fühlt man sich angesprochen, auch wenn der Kabarettist Max Uthoff diese Worte eigentlich ins Smartphone spricht. Erst langsam wird es nämlich hell im Saal, in dem der „linke Jurist“, als der aus der ZDF-Kabarett-Sendung „Die Anstalt“ bekannte Rechtswissenschaftler und Kabarettist gern bezeichnet wird, knapp zwei Stunden lang sein Publikum in seinem vierten Bühnenprogramm „Moskauer Hunde“ mental Gassi führen wird – zynisch, mit leiser Stimme, mit geschliffenen Worten und oft bitterböse.

    „Sie haben mir mit Ihrem Eintritt die Erlaubnis gegeben“, begründet Max Uthoff, ehe er seine Abrechnung mit den Zuständen auf der Welt und mit dem Kapitalismus beginnt. Ein Hunde- oder Katzenhalter sollte man wahrscheinlich so wenig wie ein SUV-Fahrer sein, wenn man Fan Uthoffs ist. Auch wenn auf dem Parkplatz vor dem Edwin-Scharff-Haus unter den Fahrzeugen der Zuschauer auch SUVs waren – die Vorstellung, dass Leute ihn gut finden könnten, die ein solches Auto fahren, mag sich Uthoff nicht ausmalen. Und der Zorn auf Hunde- und Katzenhalter taucht als roter Faden immer wieder im Programm auf. Auch wenn Uthoff Vegetarier ist – den gegrillten Dackel sähe er weitaus lieber auf dem Teller als ein Stück vom Schwein. Denn der Hund, sagt Uthoff, sei der „Rudolf Heß unter den Tieren“ - treudoof bis zum bitteren Ende, egal wer am anderen Ende der Leine ist.

    Eine Welt, in der man dem „degenerierten Fellknäuel“ namens Katze Futter in allen Geschmacksrichtungen in Tüten packt und in der für „Tölen“ in den USA mehr Geld zur Verfügung steht als Menschen andernorts verdienen – eine solche Welt seziert der 51-Jährige mit scharfen Worten, und er tut es bisweilen auch auf dozierend-belehrende Weise.

    So wenn er das Publikum im Saal in zwei Hälften einteilt - den reichen globalen Norden vorne, wo die Menschen mehr für ihre Plätze bezahlt haben, und den armen Süden in den hinteren Reihen.

    „Diese Menschen dahinten übrigens, die wissen genau, wie es hier vorne aussieht. Sie wissen, wie wir leben, die haben das nämlich mitbekommen. Womit? Mit ihren Handys. Da haben sie gesehen, wie wir hier leben und haben sich gedacht: Mein Gott. Das muss das Paradies sein. Ein Ort an dem die Menschen so wohlhabend sind, an dem sie so wunschlos glücklich sind, dass es dort Dinge gibt wie Katzenfutter“, spricht er die Menschen in den ersten Reihen an.

    Politisch bekommt das Spektrum der Parteien zwischen Grün und AfD reichlich Fett ab; nur die Linke und „die Partei“ spart Uthoff aus. An scharfen und verachtenden Worten spart er dabei nicht – gegenüber Medien, die „das Postengeschacher von Angela Merkel“ als „Zeichen des Feminismus“ deuten, wo doch Ursula von der Leyen wie Annegret Kramp-Karrenbauer als Verteidigungsministerinnen als „Wehrkraftzersetzung“ zu sehen seien, oder an EU-Politikern auf dem „Gnadenhof“ Brüssel. Am FDP-Vorsitzenden Christian Lindner wie am Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck und dem Welt-Journalisten Ulf Poschardt. Ein intellektuelles Duell mit SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil lehnt Uthoff ab. „Ich schieße nicht auf Unbewaffnete.“ Uthoffs vorgeschlagener Beate Klarsfeld-Gedenktag, bei dem jeder auf der Straße einen Nazi ohrfeigen darf, würde wohl kaum einem friedlichen Miteinander dienen. Auch die Demokratie kritisiert Uthoff scharf – als Herrschaftsform der Besitzenden und Betriebssystem des Kapitalismus.

    Viele Spitzen zielen auf eine zerfallende Gesellschaft, die dauernd bewerten zu müssen meint - so wie der Ehemann, der seiner von Beruf und Kindern geschafften Frau nach dem nächtlichen Sex online nur eine recht mäßige Bewertung gab. Aber ach du Schreck – auch sie bewertete ihn, und Uthoff verrät diese Note lieber nicht. Bei solchen Gags mag manchem das Lachen zunächst im Hals stecken bleiben. Und der Titel seines Programms, die Moskauer Hunde? Jene Straßenhunde, die sich von ihren Herrchen emanzipiert haben? Die hätten sich angewöhnt, nicht auch noch mit dem Schwanz zu wedeln, wenn man sie tritt, sagt Uthoff.

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