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Ulm

24.06.2019

Kabarett im Ulmer Zelt: Uli Keuler kennt seine Schwaben

Braucht keine Verkleidungen für seine Rollenwechsel: Uli Keuler.
Bild: Dagmar Hub

Beleidigter Ehemann, Helikoptervater, Autofahrer auf Irrfahrt im Ländle: Uli Keuler lässt die Besucher über ihn und sich selbst lachen. Und gibt Tipps zum Abnehmen

Uli Keuler hätte sich auch für eine ganz andere Laufbahn entscheiden können: Ein Studium der Germanistik, der Rhetorik und der empirischen Kulturwissenschaft, Dissertation (über das Stuttgarter Komiker-Duo Häberle und Pfleiderer) bei Walter Jens – das hätte nach einer universitären Karriere geklungen. Stattdessen wählte Keuler als junger Mann die Bühne – und bringt Säle in Schwaben zum Kochen und auch das ausverkaufte Ulmer Zelt, wo mehr als zwei Stunden lang gelacht wurde, was das Zeug hielt. Dabei ist der Bühnenauftritt des 66-jährigen gebürtigen Wendlingers denkbar einfach. Ein Stuhl, ein Mikrofon, ein Komiker – mehr kommt den ganzen Abend über nicht zum Einsatz.

Warum das funktioniert, dafür hat Keuler ein höchst eigenes Rezept: Er nimmt Gesellschaftliches, Schwäbisches und Beziehungstechnisches stets aus der Perspektive des Ich-Erzählers aufs Korn, sodass nie ein belehrender Zeigefinger aufkommt. Der Ehemann, der aus Trotz gegen seine Frau den Hochzeitstag im abgeschlossenen Bad mit Champagner, Rehmedaillons, Liebeserklärung in der Flaschenpost und mit Schleife um den Bauch feiert, das ist der Kabarettist selbst, und er trägt die Absurditäten mit so großer Ernsthaftigkeit vor, dass man die Dramatik des Abends gleichsam spürt.

Es sind skurrile Geschichten, die auf jeden gewollten Lacher verzichten und gerade daraus ihren Effekt beziehen. Da erzählt Keuler neidvoll über jenen Herrn Schmitt, der viele Krankheiten hat und beim Arzt und im Krankenhaus immer gut behandelt wird. Und er selbst? Wenn ihm wieder einmal schwarz vor den Augen wird, wenn er nachts die Lampe auf dem Nachttischchen ausschaltet, und wenn ihm wieder das Hinterteil weh tut, wenn er auf dem Geldbeutel sitzt – er wird vom Arzt einfach nicht ernst genommen.

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Das Navi schickt ihn auf eine Irrfahrt quer durch Baden-Württemberg

Die Deutsche Bahn und ihre Verspätungen: Das ist eine Zielscheibe, die es mehrfach trifft. Zum Beispiel, wenn Keuler von einer vom Navi geleiteten Irrfahrt zu einem Meeting in Tauberbischofsheim erzählt, bei der das Gerät ihn – teilweise über Waldwege – quer durch Baden-Württemberg führte. Die Beschreibung an sich ist so absurd, dass das Publikum aus dem Lachen nicht mehr herauskommt, wohl weil praktisch jeder schon einmal vom Navi im Auto mit Routenvorschlägen überrascht wurde. Die Pointe aber nach der ausführlichen Beschreibung eines Irrens zwischen Tuttlingen und dem Bodensee: Der Ich-Erzähler ist trotz stundenlanger Irrfahrt beim Meeting in Tauberbischofsheim der Erste. Die anderen kamen eben: mit der Bahn.

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Oder der Sketch, in dem der Ehemann für die dreiköpfige Familie eine supermoderne internetgesteuerte Küche kauft. Gar nicht so einfach, den Herd so zu programmieren, dass er Wasser in einem Topf kocht: Der Herd fühlt sich nämlich durch die Stimme des Benutzers aufgefordert, eine Mail zu schreiben an die Initiative zum Schutz des Alpensalamanders. Der Alpenstraßenzustandsbericht ist im Schneebesen gespeichert, was leicht zu merken ist. Schwierig für den Küchenbenützer wird es aber, wenn der grauhaarige Herr den Geschirrspüler belädt und dieser ein Verkalkungsproblem meldet.

Das große Thema Helikoptereltern: Uli Keuler schildert sich als Extrem eines Helikoptervaters, der natürlich nicht versteht, einer zu sein. Nun gut, vielleicht war es falsch, den Sohn gar nicht zur Studienberatung mitzunehmen. So hat sich der 19-Jährige entschieden, Geografie zu studieren, und ist nun schon im ersten Semester mit der Gruppe drei Tage auf der Schwäbischen Alb unterwegs, ohne Eltern, die auf ihn aufpassen! Dabei hat der Junge doch eine Baumwollallergie, und was hat man schon pränatal alles für ihn getan – das Einmaleins via Taschenlampe in den Mutterleib geblinkt, sodass der hochbegabte Junge schließlich als erstes Wort nicht „Papa“ oder „Mama“ sagte, sondern „Gymnasialempfehlung“.

Wer wollte seinem Auto nicht einmal ein Wellness-Wochenende für dessen Psyche gönnen, mit Motorenpflege nach Hildegard von Bingen und einem Bärli-Bad in der Waschstraße für den erst sechs Wochen alten Twingo? Und wer keine Traumfigur sein Eigen nennt, lernt bei Keuler über das Thema Abnehmen. Keuler trägt das Rezept einer Schwarzwälder Kirschtorte vor, genussreich und detailliert, dass dem Zuhörer der Magen knurrt. Abnehmen? Wie mag das auf diese Weise gehen? Ja, einfach die Torte essen – sie nimmt dann ab.

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