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Weißenhorn

14.11.2018

Kammeroper zeigt Tragödie in ihrer schönsten Form

Die Katastrophe steht kurz bevor: Im Degenduell erfahren Romeo (Diana Haller, links) und Teobaldo (Gergely Németi) von Julias vermeintlichem Tod.
Bild: Ralph Manhalter

Im zweiten Anlauf klappt es: Die Weißenhorner Kammeroper zeigt Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“ – mit einer brillanten Diana Haller in einer Hosenrolle.

Nun also doch: Nachdem vor vier Wochen die Erstaufführung von Vincenzo Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“ krankheitsbedingt verschoben werden musste (die NUZ berichtete), wagte die Weißenhorner Kammeroper einen neuen Versuch im Historischen Stadttheater. Die Anspannung stand Initiator Heinrich Graf ins Gesicht geschrieben: Eine Rolle musste kurzfristig neu besetzt werden, da der hierfür vorgesehene Künstler immer noch nicht genesen war. Sei es drum: Was das Publikum im ausverkauften Saal in den kommenden zwei Stunden erleben durfte, braucht den Vergleich mit größeren Opernhäusern nicht scheuen.

Die Handlung ist altbekannt und erfuhr eine ihrer Nuancen unter anderem in Shakespeares „Romeo und Julia“: zwei Liebende, die Familien verfeindet, Gewalt und Komplotte. Am Schluss der Tod, quasi als Erlösung eines aussichtsloses Lebens. Das ist der Stoff, aus dem Opern geschrieben werden. Dies gilt um so mehr für die Italiener unter den Komponisten. Wenn dann auch noch die Epoche der Romantik für das Libretto Pate stand, wähnt sich der Liebhaber dramatischer Musikerlebnisse im siebten Himmel. Ganz im Gegensatz zu den beiden Protagonisten auf der Bühne: Hier sinnt man auf Tod und Rache!

Der Besucher fühlt sich in das Geschehen eingebunden

Capellio, Julias Vater (eingesprungen: Guillaume Cayr) beschließt, zur Vergeltung ein Mitglied aus Romeos Familie töten zu lassen und überträgt diese Aufgabe an Teobaldo (Gergely Németi). Als Lohn solle er um die Hand Julias (Maria Palaska) anhalten dürfen. Doch diese denkt gar nicht daran, Teobaldo zu heiraten. Mit der herzergreifenden Arie „O quante volte“ erwartet Julia stattdessen ihren geliebten Romeo. In einer grandiosen Hosenrolle erscheint daraufhin Diana Haller als der Angebetete. Die Mezzosopranistin brillierte, auch im Zusammenspiel mit Palaska, überzeugte sowohl mit ihrer Stimme, wie auch schauspielerisch. Durchaus interessant manche lebendige Regieeinfälle, wie das Singen vor nur zur Hälfte geöffnetem Vorhang oder gar außerhalb der Bühne an verschiedenen Seiten des Saals. Der Besucher hatte mitunter den Eindruck, er sei in das Geschehen eingebunden, ein Teil des Ganzen.

Der Rest der Handlung ist bekannt. Natürlich führt der Schlaftrunk, den der Arzt Julia verabreicht hat, zu Missverständnissen, natürlich war der Geliebte in diesen Plan nicht eingeweiht. Während eines imposanten Degenduells zwischen Romeo und Teobaldo erfahren die Kontrahenten von Julias vermeintlichem Hinscheiden. Alle Hoffnung ist dahin, das Leben erscheint sinnentleert. Romeo betrachtet die Geliebte auf dem Totenbett, nimmt Gift, taumelt, stürzt. So soll er zumindest im Tod mit ihr vereint sein. Doch Julia erwacht aus ihrem Schlaf, bemerkt den bereits sterbenden Romeo, gerichtet durch die eigene Hand. Wozu lohnt es sich noch zu leben?

Das ist Tragödie in ihrer reinsten Form. Gesang und Orchester ergänzten sich zu einer wahrhaften Komposition des Klangs. Selbst in den hinteren Reihen des Saales erweckten die Töne den Eindruck, als stünde deren Quelle direkt neben dem Besucher. Dieser belohnte mit einem lang anhaltenden Applaus und Standing Ovations die Musiker der Kammeroper und die Solisten.

Im kommenden Jahr sind mehrere Vorstellungen geplant. Informationen und Karten gibt es unter Telefon 0176/82025282.

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