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Weissenhorn

19.06.2019

Kathi Wolf ist ein bisschen Psycho

Sie hat nicht nur einen Psycho-Blick drauf – sondern auch einen Psycho(logie)-Abschluss in der Tasche: Kathi Wolf, hier auf dem Foto zu ihrem neuen Kabarettprogramm.
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Sie hat nicht nur einen Psycho-Blick drauf – sondern auch einen Psycho(logie)-Abschluss in der Tasche: Kathi Wolf, hier auf dem Foto zu ihrem neuen Kabarettprogramm.
Bild: Josef Sälzle

Die Weißenhornerin Kathi Wolf ist Schauspielerin und Kabarettistin. Ihre Rolle im Film „Landrauschen“ hat ihr Türen geöffnet. Neben der Kunst hat sie jetzt ein weiteres Standbein.

Nur wenige Künstler haben ein festes Engagement. Die meisten führen ein Leben voller Freiheit, aber auch voller Unsicherheit. Unsere Serie „Kunst als Beruf“ zeigt, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten, ihren Alltag organisieren – und welche Kompromisse sie manchmal machen müssen.

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2018 war für Kathi Wolf ein gutes Jahr. Und das liegt nicht nur am Hype um den Heimatfilm „Landrauschen“, in dem sie die Hauptrolle spielte. Für eine freie Schauspielerin wie Wolf gibt es einen anderen Erfolgsindikator: „Letztes Jahr hatte ich gar keinen Nebenjob“, sagt die mittlerweile 32-Jährige. Beileibe keine Selbstverständlichkeit. Kathi Wolf hat in ihrem Leben schon vieles gemacht, schon als Gymnasiastin jobbte sie beim Bäcker, als Schauspielschülerin hatte sie zeitweise mehrere Gastro-Jobs parallel, mehrere Jahre arbeitete sie im Sekretariat einer Immobilienfirma. Den Elfenbeinturm einer Künstlerin – sie kennt ihn nur aus Erzählungen.

Um eine Sache klar zu stellen: „Landrauschen“ ist nicht schuld daran, dass es bei Wolf 2018 finanziell ganz solide lief. Genauer gesagt hat die Schauspielerin durch den von ihrer Schulfreundin Lisa Miller geschriebenen und gedrehten Film eigentlich gar nichts verdient, wenn auch die begleitende Kinotour vom Verleih finanziert wurde. Ihren Lebensunterhalt bestritt die 32-Jährige mit Theaterengagements, etwa der Rolle als Maus im JUB-Kinderstück „Der Grüffelo“ (das derzeit auch auf der Spatzenwiese gezeigt wird), mit ihrem Kabarettprogramm „Kathistrophe – Around the World“ und auch ein bisschen mit der von der Stadt Ulm geförderten Performance „#women“ im Haus der Begegnung. Das ganz normale Künstlerleben, von Gig zu Gig.

Kathi Wolf ist ein bisschen Psycho

Kathi Wolf moderierte beim Max-Ophüls-Preis 2019

„Landrauschen“ hat Wolf, die seit einiger Zeit wieder in Weißenhorn lebt, beruflich dennoch geholfen. Denn der Film hat ihr Türen geöffnet: So durfte sie dieses Jahr beim Festival zum Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken, wo der Heimatfilm 2018 gleich drei Preise abgeräumt hatte, als Moderatorin auftreten. Und seit einem halben Jahr hat Wolf eine neue Schauspieleragentur, „Commitment“ aus Berlin, die sich unter anderem um Casting-Anfragen für ihre Schützlinge kümmert. Alle paar Wochen käme da etwas herein, sagt Wolf. Ihr Ziel sind ganz klar Film und Fernsehen. Noch war der große Coup nicht dabei, „aber das kann ganz schnell gehen“, weiß die Schauspielerin.

Das heißt allerdings nicht, dass Kathi Wolf in den vergangenen Monaten nicht vor der Kamera gestanden hätte. Nur eben nichts für das normale TV-Programm. Mit Regisseur Erkan Lüleci, mit dem sie 2016 für den Zombiefilm „A.R.M Almost Rigor Mortis“ zusammenarbeitete, machte sie gleich zwei Kurzfilme, einer davon, „Stumm“, beruht auf einer Stephen-King-Geschichte. Interessante Projekte, aber Wolf glaubt, dass ihre Zukunft eher in Produktionen liegen könnten, bei denen sie ihr komisches Talent ausspielen kann.

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So wie beim Kabarett, dem anderen wichtigen Pfeiler in ihrem Künstlerinnenleben – um das sich die Weißenhornerin ganz allein kümmert. Was zunächst sehr mühsam war: „Am Anfang habe ich ungefähr 1500 Kleinkunstbühnen in Deutschland angeschrieben“, erzählt Wolf. Inzwischen habe sie aber „coole Kontakte“. Trotzdem müsse sie regelmäßig Zeit für Akquise einplanen. Deswegen hofft sie, auch als Kabarettistin bald bei einer Agentur unterzukommen, „dann könnte ich viel mehr spielen“. Zum Beispiel ihr neues Programm „Psychoparty“, das nach ein paar Vorabvorstellungen am Samstag, 22. Juni, um 20 Uhr nun seine regionale Premiere im Theater Neu-Ulm hat, wo Wolf zuletzt auch in dem Stück „Unbeschreiblich weiblich“ spielte. „Psychoparty“, sagt die 32-Jährige, sei politischer, hintersinniger und subtiler als die Vorgänger, weniger Rollenkabarett, sondern viel „Kathi pur“ – und auch geprägt von ihren eigenen Erfahrungen.

Die Psychologie gibt Kathi Wolf ein weiteres Standbein

Wolf ist nämlich seit einigen Monaten frischgebackene „Bachelorette“, wie sie es nennt, sie hat ihr Psychologie-Fernstudium abgeschlossen. Und sie hat den beruflichen Einstieg als Psychologin bereits geschafft, sie arbeitet in Teilzeit mit Jugendlichen, die es nicht so gut haben, wie sie es hatte. Die 32-Jährige mag auch diese Tätigkeit – und genießt den Kontrast zu Schauspielerei. „Da geht es nicht um mich“, sagt sie und lächelt. Die Psychologie als weiteres Standbein gibt Wolf natürlich neue Stabilität, dass sie die Kunst ganz verdrängt, will sie aber nicht. Es ist genau die Mischung, die ihr an ihrem Leben gefällt: „Für mich ist das der Weg, der mich glücklich macht.“

Karten für „Psychoparty“ am Freitag, 22. Juni um 20 Uhr im Theater Neu-Ulm gibt es unter Telefon 0731/553412 oder online auf theater-neu-ulm.de. Am 18. Oktober gastiert Wolf mit dem Programm auch im Stadttheater Weißenhorn.

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