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Ulm

16.06.2019

Kettcar geben im Ulmer Zelt zwei Versprechen

Die Hamburger Indie-Rock-Band Kettcar zeigte bei ihrem Konzert im Ulmer Zelt ihre emotionale Spannweite.
Bild: Felix Oechsler

Liebeslieder oder Songs voll politischer Botschaften? Die fünf Musiker der Hamburger Indie-Rock-Band Kettcar kann beides – und macht das im Ulmer Zelt auch.

Wie lange es dauern wird? „Wir werden diese kleine Schrottband so lange weitermachen, bis es keinen Unterschied mehr gibt zwischen unseren politischen Liedern und unseren Liebesliedern“, verspricht Kettcar-Frontmann Marcus Wiebusch. Dann singt er „Balu“, begleitet nur von seinem Bruder Lars am Keyboard.

Die emotionale Spannweite von Kettcar ist immens, das zeigen die fünf Musiker aus Hamburg auch an diesem Freitagabend im Ulmer Zelt. Sie singen von der Liebe, wie in „Balu“, aber auch über Einsamkeit, gegen Homophobie im Fußball und für die Hilfe für Menschen auf der Flucht. Kann das gut gehen, in ein und demselben Konzert? Es geht gut. Trotz der Zweifel, über die Sänger und Gitarrist Marcus Wiebusch auf der Bühne erzählt. Er beschreibt ein Gespräch mit einem Freund – mit Tomte-Sänger Thees Uhlmann. Der sagt ihm: „Digger, das kannst du nicht machen.“ Kann Marcus Wiebusch, können Kettcar. Das Konzert ist so, wie die Indie-Rock-Band ist: geradeaus, egal ob es ankommt.

Indie-Rock-Band im Ulmer Zelt zeigen eine irrwitzige Mischung

Es kommt an, vielleicht wegen dieser irrwitzigen Mischung. Einmal geht dem Konzert das Tempo verloren. Doch bevor es zu dümpeln beginnt, legt die Band mit „Ich danke der Academy“ und richtig viel Dampf wieder los. Und ganz am Anfang dauert es mehr als ein paar Takte, bis Kettcar im Zelt angekommen sind. Was auch daran liegt, dass die beiden Australier von An Horse das Publikum als Vorband nicht wirklich mitreißen – weil sie nur mit Schlagzeug und Gitarre mit dem Sound von Kettcar nicht mithalten können. Und weil sie kaum auf die Zeltbesucher eingehen.

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Anders als Marcus Wiebusch und Bassist Reimer Bustorff, die Plauderlaune mit nach Ulm gebracht haben. Die beiden Köpfe von Kettcar machen Witze über die eigenen, verkopften Texte voller Botschaften und über Bustorffs Instrument, das eigentlich keine Band brauche – was angeblich auch die Mutter des Bassisten sagt. Dabei zeigt Bustorff in „Bei den Revolver entsichern“ und davor und danach, was sein Bass und er draufhaben. Und die Songs voller Botschaften sind es, die am stärksten einschlagen. Gut, neben Kettcar-Hymnen wie „Landungsbrücken raus“ vom allerersten Album.

Kaum zu glauben, dass das Ulmer Zelt bei Kettcar nicht ausverkauft ist

Die Songs voller Botschaften sind mehr geworden im Lauf der Jahre. Die Konzerte sind gleich voll geblieben. Kaum zu glauben, dass das Zelt beim ersten Besuch der Hamburger in Ulm seit acht Jahren nicht ausverkauft ist: Rund 750 Fans sind gekommen, 1000 hätten Platz gehabt. Warum es nicht mehr sind? Vielleicht wegen der Ferienzeit, mutmaßen die Veranstalter. Wiebusch, Bustorff & Co. gehen auf die 50 zu oder haben sie schon geschafft. Viele, die Kettcar seit den Anfängen hören, sind jetzt Familienväter und womöglich im Urlaub.

Gekommen sind nicht nur die übrig gebliebenen Familienväter, sondern auch ein paar Großväter und Leute, die die Kinder der Männer mit den licht gewordenen Haaren sein könnten. Kettcar geben nicht nur ein Best-of der alten Stücke, sie spielen auch nicht bloß die Songs ihrer neusten Platte. Sie machen beides. Und Wiebusch scherzt mit einem Blick ins Publikum: „Ich sehe ein paar neue Gesichter, da kann ich ein paar alte Ansagen wieder machen.“ Es sind vor allem Ansagen für den Humanismus, gegen den Hass. Klar, ein paar Sprüche über Hippies muss es auch geben. Die Liebeslieder natürlich auch. Wie lange es dauern wird, bis es keinen Unterschied mehr gibt zwischen ihnen und den politischen Liedern von Kettcar? Das dürfte noch eine Weile dauern. Genügend Zeit für mindestens einen weiteren Besuch sollte also sein, denn auch den versprechen die fünf Hamburger im Zelt.

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