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01.07.2010

Kirchturmspitze bringt Räte auf die Palme

Die Computer-Animation zeigt, wie die Wengenkirche in Ulm mit der neuen Spitze aus Stahl aussehen könnte. Foto:

Ulm Passt die vom Kölner Architekten Gottfried Böhm vorgeschlagene stählerne Haube für den Kirchturm von St. Michael zu den Wengen zum Ulmer Stadtbild oder nicht? Diese Frage haben im Bauausschuss zehn von zwölf Stadträten mit Ja beantwortet. Doch das Ergebnis täuscht: Einige Räte segneten den Böhm-Entwurf nur unter Bauchschmerzen ab.

Zehn Stadträte der CDU, der Freien Wähler und der Grünen haben für die Kirchturm-Haube gestimmt, die beiden SPD-Sprecher im Bauausschuss, Dorothee Kühne und Hartmut Pflüger, lehnten die neue Turmspitze für St. Michael ab. Pflüger, von Beruf Architekt, erinnerte die stählerne Haube eher an eine "Raketenabschuss-Rampe als an einen Kirchturm". Und Dorothee Kühne hält den Entwurf des Kölner Altmeisters für unangemessen und zu gewaltig.

Auch unter den Befürwortern löste die neue Kirchturmspitze, die den unscheinbaren Wengenturm von 35 auf 50 Meter erhöhen soll, keine ungeteilte Begeisterung aus. CDU-Stadtrat Hans-Walter Roth etwa bekannte offen: "Mir gefällt der Turm nicht." Roth plädierte für eine historische Lösung und hätte der katholischen Innenstadtkirche lieber einen Zwiebelturm verpasst. Dagegen erklärte Gerhard Bühler für die Freien Wähler: "Das Ulmer Stadtbild verträgt diesen Turm, er wirkt nicht als Fremdkörper."

Der scheidende Wengenpfarrer Monsignore Josef Kaupp machte deutlich, dass der Kirchengemeinderat seinen Beschluss zugunsten des Böhm-Entwurfs jüngst bekräftigt habe, ein von der SPD geforderter Wettbewerb also nicht infrage komme. Im Übrigen rückte Kaupp die Besitzverhältnisse gerade: "Der Turm und der Chor der Kirche gehören dem Land, nicht der Gemeinde."

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Trotzdem trage die Gemeinde zusammen mit dem Förderverein die 400 000 Euro Eigenanteil für die neue Turmspitze mit. "Die karitative Arbeit der Wengengemeinde leidet darunter nicht", versicherte der Geistliche. Im Übrigen habe nicht die Wengengemeinde, sondern das Rathaus auf die Erhöhung des Kirchturms gedrängt.

Baubürgermeister Alexander Wetzig gab sich denn auch als treibende Kraft hinter den Turmbauplänen zu erkennen. Alle Fachleute, der Diözesanbaumeister in Rottenburg, der oberste Denkmalschützer in Stuttgart und der Chef des staatlichen Vermögensamtes hätten sich für den Böhm-Entwurf ausgesprochen.

"Der Turm würde sich als unübersehbares, kraftvolles Zeichen im Stadtbild positionieren", lobte Wetzig den Böhm-Vorschlag.

Nach der positiven Abstimmung im Bauausschuss ist das Kirchturmprojekt freilich noch nicht in trockenen Tüchern. Denn erst noch müssen der Hauptausschuss und der Gemeinderat dem städtischen 400 000- Euro-Zuschuss zustimmen. Ohne diese Finanzspritze ist das 1,2 Millionen-Vorhaben kaum realisierbar. (obe)

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