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Neu-Ulm

28.02.2019

Kokain-Prozess am Amtsgericht: Angeklagter schweigt

Im Prozess in Neu-Ulm geht es um Kokainhandel.
Bild: Charisius/dpa (Symbolbild)

Ein 38-Jähriger aus Ulm steht vor dem Neu-Ulmer Schöffengericht, weil er mit Drogen gehandelt haben soll. Jetzt müssen viele Akten durchgearbeitet werden.

Ein Prozess um illegalen Drogenhandel hat am Mittwoch am Neu-Ulmer Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Thomas Mayer seinen Auftakt gefunden. Ein 38-Jähriger aus Ulm soll zwischen Juni 2016 und September 2017 mehrmals Kokain gekauft haben, um es später an weitere Abnehmer zu veräußern. Doch am ersten Prozesstag um den mutmaßlichen Mittelsmann blieb noch vieles im Unklaren – und handfeste Beweise gab es ebenfalls nicht.

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Der 38-Jährige war im Rahmen einer großen Überwachungsaktion des Bundeskriminalamts in das Visier der Ermittler geraten. Die Beamten waren dabei, europaweite Rauschgifttransporte auffliegen zu lassen. Der Drahtzieher der Gruppe, der im August vergangenen Jahres vom Landgericht Memmingen zu einer Gefängnisstrafe von neun Jahren und sechs Monaten verurteilt worden war, stammt aus dem Kreis Neu-Ulm – und von ihm soll der seit Mittwoch vor Gericht stehende Ulmer das Kokain damals gekauft haben.

Prozess wegen Kokainhandel am Neu-Ulmer Amtsgericht

Sie sollen dafür über Telefonanrufe und SMS kommuniziert haben. „Die Schwierigkeit dabei ist: Das sind keine Telefone, die auf sie registriert sind“, berichtete ein BKA-Beamter vor Gericht. Stattdessen seien für die Handys – die wie in der Drogenszene üblich keinen Zugang zum Internet hatten – nicht existente Personalien verwendet worden. Die Geräte wurden nach zwei oder drei Monaten zudem stets durch neue ersetzt. Bei den „Bestellungen“ sei von „Felgen“, „dem weißen Zeug“ oder auch „Quark“ die Rede gewesen, so der BKA-Mitarbeiter weiter. „Der Begriff ‚Quark‘ ist durchaus gängig – wenn auch keine einfallsreiche Verklausulierung von Kokain.“ Durch eine Telefonortung und eine Personenbeschreibung, die auf den 38-Jährigen zutraf, landete er bei der Polizei und nun schließlich vor Gericht.

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Er war aber nicht der Einzige, der am Mittwoch auf der Anklagebank saß: Diese teilte er sich nämlich mit einem ebenfalls 38-Jährigen, der auch in Ulm wohnt. Dieser soll insgesamt elf Mal jeweils zehn Gramm Kokain für je 650 Euro über den mutmaßlichen Mittelsmann gekauft haben. Er erschien erst am Nachmittag nach Beantragung eines Haftbefehls vor Gericht, seine Vorladung war zunächst nicht zustellbar und er telefonisch nicht zu erreichen gewesen. Wie genau es mit ihm weitergeht, ist noch etwas unklar – eigentlich seien diese und weitere Drogenkäufe bereits bei einem größeren Prozess am Amtsgericht in Ulm verhandelt worden, wie er berichtete.

Details der Überwachung sollen Licht ins Dunkel bringen

Die harten Drogen habe er damals genommen, weil er den Tod seiner Mutter nicht verarbeiten konnte. Er habe das Kokain von einem alten Freund gekauft – dies sei aber nicht der andere Angeklagte gewesen. Den kenne er nur flüchtig. Zum tatsächlichen Verkäufer wollte er allerdings nichts weiter sagen. „Klar kenne ich den Namen, aber den werde ich hier nicht preisgeben“, betonte er. Denn wo der Staat versagt habe, ihm damals zu helfen, sei jener Freund für ihn da gewesen und habe ihm geholfen. „Und Kokain hat mir damals leider Gottes geholfen.“

Wenig Licht ins Dunkel brachte die Aussage des verurteilten Drogenschmugglers, von dem der 38-Jährige das Kokain für den Weiterverkauf bezogen haben soll. Er kenne den Angeklagten nur aus der JVA in Ulm – und Drogengeschäfte habe er sowieso nie in Deutschland getätigt, berichtete der Mann, der derzeit in der JVA Kaisheim untergebracht ist. Der Prozess wird deshalb fortgesetzt.

„Wir werden in den nächsten Monaten tief einsteigen müssen in die ganzen Überwachungsmaßnahmen und uns Stück für Stück durch das Aktenmaterial kämpfen“, kündigte der Vorsitzende Richter Mayer an.

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