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Ulm

10.05.2019

Kramp-Karrenbauer und Weber teilen in Ulm gegen Grüne und AfD aus

Annegret Kramp-Karrenbauer und Manfred Weber werben auf dem Ulmer Marktplatz für die Europawahl (großes Bild), die Zuhörer suchen im Dauerregen unter Schirmen Schutz (rechts oben). Später stören junge Umweltaktivisten Webers Rede (rechts unten).
Bild: Alexander Kaya

Die CDU-Chefin und der EVP-Spitzenkandidat werben auf dem Marktplatz in Ulm für die Europawahl – und bekommen laute Kritik von Jugendlichen zu hören.

Pünktlich, als sich Annegret Kramp-Karrenbauer und Manfred Weber ihren Weg durch die Zuschauer bahnen, fängt es an zu schütten. Die CDU-Chefin und der Spitzenkandidat der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) sind am Freitagabend auf den Ulmer Marktplatz gekommen, um für die Europawahl zu werben – und nebenbei für die Kommunalwahl, die zeitgleich in Baden-Württemberg stattfindet. Die beiden wissen, wer Union und EVP am 26. Mai am gefährlichsten werden dürfte: Grüne und AfD, auch wenn weder Kramp-Karrenbauer noch Weber letztere beim Namen nennt.

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Wahlkampfauftritt zur Europawahl auf dem Marktplatz
Bild: Alexander Kaya

Beide setzen zu Rundumschlägen an, beide betonen die christliche Prägung der Union. Die CDU-Chefin prangert Sonntagsreden der Grünen an, insbesondere beim Thema Verteidigung. „Lasst euch nicht an der Nase herumführen“, ruft sie den Gästen der Kundgebung zu und lobt Manfred Weber als jemanden, der Dinge in die Tat umsetze. Auch beim Klimaschutz greift die Frau aus dem Saarland die Grünen an, die in Baden-Württemberg gemeinsam mit der CDU regieren. Die Union wolle die CO2-Ziele erreichen, aber: „Wir wollen das mit Maßnahmen erreichen, die unsere Wirtschaft nicht abwürgen und die nicht auf dem Rücken der kleinen Bürger ausgetragen werden.“

AKK und Manfred Weber sprechen im Ulmer Dauerregen

Manfred Weber, der nach ihr auf die Bühne vor dem Museum Ulm tritt, nimmt sich den anderen Gegner vor und lobt erst einmal, was die EU für Frieden und Freiheit bewirkt hat: „Es ist vielleicht das beste Europa, das es jemals gegeben hat. Und wir werden es uns im Wahljahr 2019 von Populisten und Nationalisten nicht wegnehmen lassen.“

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Neben ihm, Annegret Kramp-Karrenbauer und etlichen Landes- und Kommunalpolitikern der Union sind Markus Ferber, Norbert Lins und Inge Gräßle nach Ulm gekommen – drei regionale EU-Parlamentarier und Kandidaten aus Bayern und Baden-Württemberg. Auf 1000 bis 1500 Besucher hat der CDU-Kreisverband Ulm/Alb-Donau gehofft. Am Ende sind es rund 400 Frauen und Männer, die mit Jacken und Schirmen dem Wetter trotzen, dass Weber das widrigste nennt, das er je bei einer Veranstaltung im Freien erlebt habe. Von den 300 Stühlen bleiben die meisten leer, weil sich die Zuhörer unter den Bäumen und den Vordächern der Häuser drängen.

CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer kritisiert die Politik der Grünen

Weber, der EVP-Fraktionsvorsitzende und konservative Spitzenkandidat für das Amt des europäischen Kommissionspräsidenten, gilt als angeschlagen. Nicht alle konservativen Parteien in Europa bekennen sich zu ihm. Der Niederbayer gibt sich in Ulm kämpferisch und betont, warum er in das Amt gewählt werden will: „Weil es auch im Landtag und im Bundestag normal ist, dass aus dem Parlament heraus regiert wird.“ Die Europäische Union dürfe nicht von Bürokraten gelenkt werden, fordert er. Die Aufgabe der Kommission entspricht in etwa der einer Regierung.

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CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer wird laut, als es um die Wahl am 26. Mai geht: „Es ist unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, unsere Stimme zu erheben und nicht nur damit zufrieden zu sein, dass wir in Europa sind.“ Die Saarländerin spricht auch über eine weitere Wahl: Die Abstimmung über den Oberbürgermeister von Istanbul. Es dürfe nicht sein, dass eine demokratische Entscheidung annulliert und wiederholt werde, nur weil das Ergebnis dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nicht passe.

EVP-Kandidat Weber warnt vor der AfD

Weber zieht dazu in seiner Rede den Schluss: „Die Türkei kann nicht Mitglied der Europäischen Union sein.“ Er wolle sich als Kommissionspräsident dafür einsetzen, dass die Beitrittsgespräche beendet werden. Er erntet dafür viel Beifall – was an diesem Abend selten ist. Die meisten Zuhörer halten Schirme, klatschen ist da nicht einfach.

Als Weber darüber spricht, dass der Wohlstand der Bürger in Gefahr gerate, wird es vor der Bühne laut. Ein Dutzend Jugendlicher demonstriert mit einem Banner und Plakaten für „Fridays for Future“ – die Aktion, bei der sich junge Menschen seit Wochen für den Klimaschutz einsetzen. Jetzt rufen sie: „Wir sind hier und wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut.“ Besucher pfeifen und buhen und Annegret Kramp-Karrenbauer antwortet: Europa garantiere Freiheit. „Deswegen könnt ihr hier und laut sein.“ Sicherheitskräfte drängen die Aktivisten zurück, die am Rand weiter ihr Banner in die Höhe halten.

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Weber lässt sich davon nicht beirren. Er spricht davon, wie die EU Donald Trump und den Vereinigten Staaten bei aller Partnerschaft die Stirn bieten müsse. Notfalls mit Zöllen, wenn die USA solche auf europäische Produkte erheben. Der Niederbayer mahnt, dass die Europäer nicht nur Zuschauer der chinesischen Weltpolitik sein dürfen. Und er fordert, dass die ganze Welt aus der Plastikproduktion aussteigen müsse. Als sich Webers Rede dem Ende nähert, hört es auf zu regnen.

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