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Ulm/Neu-Ulm

31.07.2020

Kurzarbeit: „Die Brücke trägt“ in Ulm und Neu-Ulm

Insbesondere die Automobilzulieferindustrie ist derzeit in Schwierigkeiten. Viele Betriebe haben Kurzarbeit angezeigt, teilt die Arbeitsagentur mit.

Plus Agenturen für Arbeit beklagen zahlreiche Rekordwerte – sehen aber auch Zeichen der Entspannung.

Von einem „Corona-Schock“ spricht Mathias Auch, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Ulm, angesichts der Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt der Region seit März. Laut einer Hochrechnung befinden sich allein im Bezirk der Ulmer Agentur aktuell knapp 16.000 Beschäftigte aus knapp 1870 Betrieben in Kurzarbeit.

Die Zahl der angezeigten, also förmlich beantragten Kurzarbeit ist noch höher: Über 5500 Betriebe reichten für bis zu 112000 Beschäftigte die Anträge ein. Da eine Anzeige oft vorsorglich und für mehr Mitarbeitende gestellt wird, lasse sich abseits der Hochrechnung keine Aussage zur tatsächlich realisierten Kurzarbeit treffen.

Arbeitslosigkeit so hoch wie seit zehn Jahren nicht

Diese Branchen sind besonders betroffen: Die Metall- und Elektroindustrie (38.185 Beschäftigte, 737 Betriebe), Handel (13.130 Beschäftigte, 966 Betriebe), der Bereich freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen (12.575 Beschäftigte, 369 Betriebe), der Bereich Lager und Logistik (8057 Beschäftigte, 282 Betriebe); das Gastgewerbe (6442 Beschäftigte, 712 Betriebe) und das Baugewerbe (4706 Beschäftigte, 458 Betriebe).

Kurzarbeit: „Die Brücke trägt“ in Ulm und Neu-Ulm

Die Arbeitslosenzahlen bewegen sich auf einem Zehn-Jahres-Hoch. Dennoch verbreitet sich auch Zuversicht: „Die Brücke trägt.“ Die Arbeitslosenquote liege rund um Ulm mit 3,5 Prozent noch immer auf vergleichsweise niedrigen, wenngleich sie vor einem Jahr bei nur 2,3 Prozent lag.

Ein ähnliches Bild ergibt sich im Kreis Neu-Ulm: Hier liegt die Arbeitslosenquote mit 3,6 Prozent weiterhin auf dem Wert des vergangenen Monats. Insgesamt sind 3752 Menschen arbeitslos gemeldet, das sind 75 mehr als vor einem Monat.

Der Ulmer Auch sieht derzeit keine Hinweise in Richtung groß angelegter Kündigungswellen. Die Unternehmen würden auf Kurzarbeit setzen, weil an die Zeit nach der Pandemie gedacht werde, als etwa das Thema Fachkräftemangel den Diskurs beherrschte.

„Wichtig ist, dass Unternehmen nach Ende der Krise schnellstmöglich durchstarten können. Dazu gehört auch eine zukunftsorientierte Ausrichtung der Betriebe“, sagt Richard Paul, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Donauwörth, die für den Kreis Neu-Ulm zuständig ist. Es gebe bereits erste Zeichen einer Entspannung auf dem Arbeitsmarkt: Die Zahl der neu eingegangenen Anzeigen auf Kurzarbeitergeld gehe deutlich zurück. Bis Ende vergangener Woche wurden im Juli im Landkreis Neu-Ulm insgesamt 21 Anzeigen für 251 Personen eingereicht. Im Juni waren es noch 43 Anzeigen für 1050 Personen.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften in Ulm und Neu-Ulm zieht an

Die Nachfrage nach Arbeitskräften bewegt sich weiter auf einem niedrigen Niveau, zieht aber leicht an. So wurden im Kreis Neu-Ulm im Juli 274 neue Arbeitsstellen gemeldet, das sind 94 oder 52,2 Prozent mehr als vor einem Monat. Mit einem Minus von 110 oder 28,6 Prozent unterschreitet das Angebot neu gemeldeter Stellen jedoch weiterhin deutlich das Vorjahresniveau. Auch der Stellenbestand ist im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich rückläufig (minus 51,4 Prozent zum Vorjahr). Aktuell sind 974 offene Arbeitsstellen gemeldet. Gesucht werden Arbeitskräfte in den Bereichen Lager, Verkauf, Metallbearbeitung, Maschinen- und Metallbau, Kranführer, aber auch Büro- und Sekretariatskräfte. Das Anforderungsniveau liegt bei rund 86 Prozent der gemeldeten Stellen auf Fachkraftniveau oder höher.

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Donauwörth meldeten sich seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober vergangenen Jahres 3224 Bewerber um Berufsausbildungsstellen; 10,9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig wurden von den Arbeitgebern 4435 Berufsausbildungsstellen gemeldet; das entspricht einem Minus von 4,3 Prozent. Im Bezirk der Ulmer Agentur waren im Juli 913 Bewerber noch ohne Ausbildungsplatz, gleichzeitig waren 1317 Ausbildungsstellen unbesetzt. Somit kamen 1,44 Angebote auf jeden noch suchenden Bewerber. (heo)

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