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Neu-Ulm

03.10.2019

Landesbischof Bedforf-Strohm trifft Comedian

Den Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm interviewte die Schauspielerin und Kabarettistin Kathie Wolf in Neu-Ulm.
Bild: Dagmar Hub

Im Zentrum des Besuch von Bedford-Strohm in der Neu-Ulmer Petruskirche steht Gespräch mit Kathi Wolf.

Statt rotem Teppich gab es knallorangefarbene Sessel: Beim Besuch von Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in der Petruskirche – dem ersten seit seiner Ernennung zum bayerischen Landesbischof 2011 – wehte ein frischer Wind. Dekan Jürgen Pommer hatte für den Besuch Bedford-Strohms die aus Weißenhorn stammende Schauspielerin und Kabarettistin Kathi Wolf als Interviewpartnerin des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland und als Moderatorin fürs Publikumsgespräch gewinnen können.

Kathi Wolfs Fragen an den Landesbischof

Kathi Wolf ist zwar Mitglied der evangelischen Kirche, wird aber öffentlich nicht direkt mit Kirche in Verbindung gebracht. Er habe ein Gespräch „Dekan interviewt Bischof“ vermeiden wollte, sagte Pommer, dem es auch um die Frage ging, ob Predigten von Pfarrern politisch sein sollen und dürfen.

„Um Gottes Willen“ habe sie zunächst bei Jürgen Pommers Anfrage gedacht, erzählte die 32-jährige Schauspielerin; dann habe sie sich aber gern der Aufgabe gestellt. Kathi Wolfs Fragen an den Landesbischof beschäftigten sich eingangs mit der Thematik, wie man - vor allem junge - Menschen für die Kirche erreichen könne.

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Bedford-Strohm berichtet von der Begeisterung junger Christen

Landesbischof Bedford-Strohm berichtete von der Begeisterung gerade junger Christen für den Entschluss der evangelischen Kirche, ein eigenes Schiff zur Aufnahme von Flüchtlingen ins Mittelmeer zu schicken und es auf diese Weise nicht nur bei Appellen zu belassen, sondern zu handeln. Eine ältere Besucherin in der nicht ganz voll besetzten Petruskirche berichtete, sie und ihr Mann seien vor vier Jahrzehnten aus der Kirche ausgetreten und jetzt aufgrund der politischen Haltung der Kirche zur Seenotrettung wieder eingetreten. Sie seien stolz auf die ihre Kirche, die ein Zeichen setze.

Dass man an diesen Plänen auch Kritik üben könne, akzeptiere er, erklärte Bedford-Strohm, der als Grundlage für die lebhafte und länger als geplant dauernde Diskussion im Publikum festlegte, dass Rassismus, Diskriminierung und Antisemitismus keinen Platz haben dürfen, man sonst aber offen und vorurteilsfrei ins Gespräch kommen wolle. Ein anderer Besucher kritisierte, dass die Kirche die eigenen Mitarbeiter finanziell an die Kandare nehme, aber Geld für ein solches Schiff ausgebe. Darin drücke sich mangelnde Wertschätzung für die eigenen Leute aus, so der Besucher.

Seenotrettung von Flüchtlingen Thema von Bedford-Strohm

Das Thema der Seenotrettung von Flüchtlingen und Migranten füllte den größten Teil des Gesprächs zwischen Bischof und Bürgern aus. Die evangelische Kirche baue auf ein Konzept aus der Bekämpfung von Fluchtursachen, so Bedford-Strohm, und aus der Rettung derer, die sich auf den Weg machen. Häfen in Afrika könne man nicht ansteuern, weil sich kein afrikanisches Land bereit erkläre, diese Menschen aufzunehmen, sodass sie nach Europa gebracht werden müssen. Innenminister Seehofer sei er sehr dankbar für die Erklärung, dass Deutschland 25 Prozent der von den Booten Geretteten aufnehme. Freilich setze sich die evangelische Kirche weiterhin für einen europäischen Verteilungsmechanismus ein. Zugleich forderte Bedford-Strohm eine Arbeitserlaubnis für die Menschen, die auf diese Weise nach Deutschland kommen. Die Beteiligung der evangelischen Kirche an den Einsätzen privater Seenotretter im Mittelmeer sei für viele Menschen ein Grund, in der Kirche zu bleiben, weil sie ein großes Potenzial habe zum Rückgewinn der Glaubwürdigkeit der Kirche.

Heinrich Bedford-Strohm und die Situation alter Menschen

Als letzte Frage der Diskussion wollte eine Besucherin von Heinrich Bedford-Strohm wissen, weshalb man die ganze Zeit über kein Wort über die Situation alter Menschen in Deutschland verloren habe, für die das Gebot der Nächstenliebe ebenso gelten sollte. Jeder Mensch müsse sich in Deutschland darauf verlassen können, dass er im Alter in Würde gepflegt werde, und es dürfe nie so weit kommen, dass ein alter Mensch das Gefühl bekomme, sich dafür entschuldigen zu müssen, wenn er nicht zur Sterbehilfe greife, sagte Bedford-Strohm. Gerade deshalb sei es wichtig, Migranten in Pflegeberufen auszubilden.

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