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Landkreis Neu-Ulm: Festivalsommer fällt ins Wasser - und die Nerven sind angespannt

Landkreis Neu-Ulm

Festivalsommer fällt ins Wasser - und die Nerven sind angespannt

Veronika Lintner
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    Deutschland steckt wieder mitten im Kulturlockdown.
    Deutschland steckt wieder mitten im Kulturlockdown. Foto: Andreas Brücken (Archivbild)

    Das Panorama dieser Misere sieht man am schärfsten aus der Vogelperspektive. Fliegt man also flüchtig über die Schlagzeilen dieser Woche, stutzt man erst und fragt sich dann nostalgisch: Wie bitte? So viel Kultur hätte in einen einzigen Sommer gepasst? Ulmer Zelt, „Ulm moves!“, Konzerte im Weißenhorner Stadtpark, im Neu-Ulmer Wiley, im Wiblinger Klosterhof. Und all diese Festivals, die 2021 stattfinden sollten, trifft jetzt dasselbe Schicksal: Sie sind abgesagt oder verschoben auf 2022. Festivalrausch, Musik, dicht an der Bühnenkante - gerade undenkbar. Und Künstler und Kulturschaffende brauchen jetzt Nerven aus Stahl, um diese Krise zu verdauen, ja zu überdauern. Doch wer kann sich Geduld leisten?

    Ulm/Neu-Ulm: Kleine Hoffnungen für die Kultur in der Pandemie

    Hoffnungen bleiben: Vielleicht verbessern Impffortschritte doch noch die Aussichten, zumindest für kleine Reihen in Neu-Ulm wie „Literatur unter Bäumen“ oder „Kultur in der Caponniere“. Biergärten könnten, wie 2020, Musikern aus der Region ihre Bühne anbieten. Manche Kirchen im Landkreis präsentieren jetzt auch Kunst im Gotteshaus - doch hilft das allein der Szene aus der Not? Vielen fehlt da der Glaube. Auch wenn die Infektionszahlen gerade fast stagnieren, scheint echte Erleichterung noch lange nicht greifbar. Nicht bei Sieben-Tage-Inzidenzwerten, die um 200 pendeln.

    Immerhin: Der Freistaat Bayern unterstützt auch 2021 mit Geldern kostbare Klassik-Festivals wie „Diademus“ in Roggenburg und die Reihe „Junge Künstler - Stars von morgen“ in Illertissen. Ein kleines Zeichen für die Zukunft. Denn während viele Karrieren in der Warteschleife stecken bleiben, Tänzer aus dem Schritt geraten, Musikern die Praxis abhandenkommt, können junge Talente nicht einmal die ersten Schritte ihrer Laufbahn gehen. Was bleibt? Gefühlspingpong zwischen Restoptimismus und Frust.

    Polemik unter dem Hashtag "#allesdichtmachen"

    Gefühlspingpong zwischen Restoptimismus und Frust. Doch das Gespür dafür, wie weit die Zündschnur in den Corona-Debatten schon abgebrannt ist und wer hier von politisch rechtsaußen Zunder gibt, dürfen auch Künstler nicht verlieren. Unter dem Hashtag „#allesdichtmachen“ wettern jetzt 51 Schauspieler, darunter Tatort-Star Jan Josef Liefers, in Sketchen gegen Corona-Maßnahmen. Satire, Polemik, teils garniert mit Phrasen, die sonst Corona-Leugner von sich geben. Und so stehen die Schauspieler plötzlich mitten im sozialmedialen Shitstorm, während die AfD vom Rand aus applaudiert. Die Absicht der Teilnehmer mag die beste gewesen sein - aber diese verächtliche Sorte Humor spaltet die Gesellschaft.

    Klüger und ohne groben Zynismus hat sich jetzt Claudia Riese, Chefin des Theaters Neu-Ulm, in einem Podcast der Grünen Neu-Ulm geäußert. Sie wettert nicht, sie erklärt. „Wir kommen als Theater durch“, sagt sie. Aber am Ende der Krise werden Bühnen sich fragen: „Wie viele Freie gibt es denn noch?“ Riese kennt freiberufliche, ausgebildete Schauspieler, die jetzt in der Kita-Betreuung helfen oder Getränkekisten durch Supermarktlager schleppen. Krisenwichtige Aufgaben. Aber wenn Künstler völlig aus ihrem Beruf fallen - stirbt ein Stück Kultur. „Wir werden immer diejenigen sein, auf die man anscheinend am besten verzichten kann“, befürchtet Riese. Ob das stimmt, sei dahingestellt. Aber wenn dieser Eindruck bleibt, wäre das verheerend.

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