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Weißenhorn

21.03.2015

Leeres Nest: Wo bleibt Meister Adebar?

Keine Spur vopm Klapperstorch: Noch ist das Nest auf dem dach des Weißenhorner Fuggerschlosses leer. Tierliebhaber hoffen, dass sich das bald ändert – und dass es in diesem Jahr mit dem Nachwuchs klappt.
Bild: Alexander Kaya

Langsam wird es Zeit für die Rückkehr der Störche – doch der Horst auf den Schlössern ist verlassen. Zuletzt spielten sich dort Dramen ab. Weißenhorn hofft trotzdem auf Nachwuchs

Alles sah nach einer perfekten Liebesgeschichte aus: Ein Männchen, ein Weibchen und jede Menge fröhliches Geklapper – im vergangenen Frühjahr hätte es durchaus etwas werden können mit dem Storchennachwuchs im Nest auf dem Fuggerschloss. Doch plötzlich zerbrach die traute Zweisamkeit und die Tragödie nahm ihren Lauf: Das Weibchen wählte einen neuen Partner und legte auch mehrere Eier – aber Jungtiere schlüpften nicht. Groß war die Enttäuschung bei den Fuggerstädtern, die großen Anteil am Schicksal „ihrer“ Störche nehmen – so wie Cornelia Michler, die in der Nachbarschaft der Schlösser wohnt und das Treiben der Vögel auf dem Schlossdach mit einem Fernglas beobachtet. Als Storchenfan ist sie guter Dinge, dass es in diesem Jahr mit dem Nachwuchs klappt: „Es wäre auf jeden Fall mal wieder an der Zeit.“

Die Spannung ist groß: Denn die Erinnerungen an die dramatischen Ereignisse der vergangenen Jahre dürften vielen Tierliebhabern noch präsent sein. So freute man sich im Frühjahr 2009 zunächst über ein Storchenkind, doch das Küken verendete bei einem Unwetter. Am Tag nach dem Tod ihres Jungen verließ das Weibchen seinen Partner. Der Storchenvater trauerte noch kurze Zeit, dann warf er das tote Küken aus dem Nest und verschwand ebenfalls. Michler begrub das Storchenkind vor den Schlössern. Eine andere traurige Geschichte ereignete sich ein Jahr später an Pfingsten. Bei starken Regengüssen ertranken zwei junge Störche im Nest. Beobachterin Michler wurde Zeugin eines grausamen Schauspiels – die Storchenmutter fraß eines der toten Kinder. „Es ist tragisch, aber so ist Mutter Natur“, so Michler.

Doch es gab nicht nur Tragödien: Vor einigen Jahren nahm eine Rettungsaktion ein glückliches Ende. Junge Störche hatten offenbar wochenlang nur Mäuse gefressen, waren deshalb mangelernährt und zu schwach, um zu fliegen. An einem Wochenende seien die Vögel kraftlos zwischen den Marktbesuchern auf dem Kirchplatz umhergelaufen, heißt es. Die Tiere konnten gefangen werden und zu einem spezialisierten Arzt nach Memmingen gebracht werden. Dort wurden die Störche aufgepäppelt und konnten sich schließlich in die Lüfte erheben.

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Das lässt hoffen: In diesen Tagen schaut Michler täglich gespannt zum Nest hoch, denn die Störche müssten bald eintreffen. „Es wäre an der Zeit.“ Viele Tiere, die in der Türkei oder Spanien überwintert haben, seien bereits zurückgekehrt – jetzt werden noch die „Nachzügler“ aus Afrika erwartet. Doch blicken lassen hat sich Meister Adebar, wie der stolze Vogel in der Fabel genannt wird, im Weißenhorner Umland noch nicht. „Ich habe keinen zu Gesicht bekommen“, sagt Michler.

Anderorts gibt es bereits Grund zur Freude, etwa in Illertissen und Oberroth. Das verrät die Storchenkarte auf der Internetseite des Landesbunds für Vogelschutz, die immer mehr rote Felder zeigt. Sollte auf dem Fuggerschloss demnächst ein Vogelpaar einziehen, könnte es bis Pfingsten Nachwuchs geben. „Ich drücke die Daumen“, sagt Michler. Diesem Beispiel werden wohl viele Weißenhorner folgen.

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