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Auftakt

01.07.2017

Literatur hinter Mauern statt unter Bäumen

Sudabeh Mohafez

Die neue Reihe startet mit einem unabhängigen Verleger und einer ungewöhnlichen Autorin

Es hätte so schön sein können: Texten lauschen unter Bäumen an einem warmen Abend, dazu Songs von der Mädchen-Band About Ally. Doch das Wetter wollte es anders: Bei 15 Grad und dräuenden Regenwolken verlegten die Veranstalter – Stadt und Literatursalon Donau – den Auftakt der Reihe „Literatur unter Bäumen“ vom Schwal in das Foyer des Nuwog-Gebäudes, wo bei schlechtem Wetter auch andere Abende der Reihe stattfinden werden. Die hallige Atmosphäre dort konnte mit einem Open Air nicht mithalten. Ein interessanter Abend wurde es trotzdem.

Vier Mal stellen in der „Literatur unter Bäumen“-Reihe unabhängige kleine Verlage Autoren und sich selbst vor. Als Erster tat dies der Dresdner Helge Pfannenschmidt mit seiner „Edition Azur“, in der er seit 2005 Lyrik und Kurzprosa verlegt. Sein Motto ist „Lesen macht unsicher“. Pfannenschmidt betonte, dass Lyrik sich weitgehend der Form des E-Books entziehe, da es bei Gedichten auch optische Aspekte wie der Zeilensprung oder die Zeichensetzung von Bedeutung sind.

Als Autorin brachte Pfannenschmidt die in Teheran als Tochter einer Deutschen und eines Iraners geborene und bei Backnang lebende Sudabeh Mohafez mit, die mit ausdrucksvoller Mimik aus ihren beiden Bänden „Das Zehn-Zeilen-Buch“ und „Kitsune“ las. Mohafez widmet sich speziell einem Mikrokosmos von Kürzest-Geschichten, die aus 852 (plus/minus fünf) Zeichen bestehen; solche Texte veröffentlichte sie seit 2007 als Weblog unter dem Pseudonym „Eukapirates“. Ihre im Band „Kitsune“ erschienenen drei Mikro-Romane bestehen alle in strenger Form aus Fortsetzungs-Kapiteln von 852 Anschlägen Länge.

Amüsant berichtete Mohafez von ihrer kindlichen Überzeugung der 60er und frühen 70er Jahre, dass man – um schreiben zu dürfen – als Frau Sekretärin werden müsse. Erst als Zwölfjährige entdeckte sie, dass die Namen von Autoren auf den Umschlägen der Bücher, die sie verschlang, nicht nur die von Männern waren. Trotzdem schlug sie zunächst eine andere berufliche Laufbahn ein: Mohafez arbeitete in einem Frauenhaus – bis zu dem Tag, als ihre Welt nur noch aus der Vorstellung „Frau – Opfer, Mann – Täter“ bestand, wie sie berichtete. Kurz vor ihrem 40. Geburtstag wagte sie einen Neubeginn – zunächst als Übersetzerin und Lektorin, seit 2004 als freie Autorin. (köd)

Der zweite Abend der neuen Literatur-Reihe findet am 27. Juli um 19.30 Uhr im Park beim Edwin-Scharff-Haus statt. Unter dem Motto „Fernweh“ sind der Verleger und Autor Bernd Schuchter und Autor Lukas Meschik zu erleben.

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