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Landkreis Neu-Ulm

27.02.2020

Ludwig Ott: Vom Feuerwehrmann zum Landrat?

Ludwig Ott ist Feuerwehrmann aus Leidenschaft und verbringt viel Zeit in der Neu-Ulmer Hauptwache. Er will für die Grünen den Chefsessel im Landratsamt erobern und sagt von sich, er sei unkonventionell und unvoreingenommen.
Bild: Alexander Kaya

Plus Ludwig Ott will für die Grünen den Chefsessel im Landratsamt erobern. Zur Politik brachte ihn eine gesellschaftliche Entwicklung, die ihm viel Sorge bereitet.

Wenn sein Vater samstags Dienst in der Neu-Ulmer Feuerwache schob, dann haben sich die Kinder keinesfalls gelangweilt: Sie rutschten die Stange runter, die den Wehrleuten im Alarmfall das Treppensteigen erspart. Immer und immer wieder: „Da war der Samstag schnell gefüllt“, sagt Ludwig Ott. Nun ist er 28 Jahre alt und verbringt in der Wache acht bis zehn Stunden die Woche, als freiwilliger Feuerwehrmann. Er tut das ausgesprochen gerne. Während er zwischen den roten, glänzenden Fahrzeugen in der Garage der Hauptwache hindurch geht, sagt er: „Ein Kindheitstraum hat sich erfüllt.“ Seit seinem 14. Lebensjahr ist er bei den Männern und Frauen, die sich zum Schutzpatron den heiligen Florian erkoren haben. Das sei bei ihm in der Familie quasi so angelegt. Was in seiner Familie allerdings nicht angelegt ist: der Wunsch, Politik als Beruf zu wählen. Ludwig Ott möchte als erster Grüner Landrat im Landkreis Neu-Ulm werden.

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Dabei ist er in seinem Beruf eigentlich sehr glücklich, wie er beteuert. Der gelernte Betriebswirt arbeitet als kaufmännischer Projektmanager in einem Ulmer Unternehmen für Radaranlagen, dennoch reizt ihn der Chefsessel im Landratsamt. Denn Politik, sei ihm sehr wichtig, schon als Schüler war das so. Dabei ist er noch gar nicht so lange bei den Grünen. Erst nach der Landtags- und der Europawahl habe er gesehen: „Die haben die richtigen Themen, die sprechen die richtige Sprache.“ Überhaupt die Sprache: Die ist in der Politik mit dem Erstarken der Rechten immer rauer geworden, Ott spricht von einer „Verrohung im gesellschaftlichen Diskurs“. Das mache ihm wahnsinnige Sorgen und sei für ihn ein wichtiger Grund gewesen, sich aktiv in der Politik zu engagieren: „Ich will in 20 Jahren meinen Kindern sagen können, dass ich auf der richtigen Seite der Geschichte stand.“

Ludwig Ott: Vom Feuerwehrmann zum Landrat?

Landratskandidat ist offen für Multikulti

Von rechten Ausgrenzungsforderungen hält er überhaupt nichts, vielmehr ist er ein großer Freund einer multikulturellen, bunten Gesellschaft und spricht dabei aus eigener Erfahrung. Als Sohn einer russlanddeutschen Spätaussiedlerin und eines „urschwäbischen Busfahrers“ steht er dem Multikulti-Thema entsprechend aufgeschlossen gegenüber.

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Das hat auch etwas mit seiner Finninger Hobby-Fußballmannschaft namens „Strawberrystreet“ zu tun, was reichlich willkürlich übersetzt auf den Stachelbeerweg zurückgeht. Jeden Mittwoch treffen sich Menschen unterschiedlicher Herkunft „von 18 bis 60“ und spielen in dem gemischten Team Fußball. Es sei großartig, sich in solch einer bunten Gesellschaft zu bewegen. Ludwig Ott glaubt, dass es in einer vielfältigen Gesellschaft mehr zu gewinnen als zu befürchten gebe, wenn man aufeinander zugehe. Deshalb plädiert er auch dafür, dass Zuwanderer nicht in einer Art Ghetto leben sollten, sondern vielmehr Tür an Tür mit den Einheimischen. Dazu könne auch die Wohnungsbaupolitik beitragen. Ott spricht in diesem Zusammenhang von der „integrierenden Kraft der Gemeinschaft“. Kurz gefasst: „Multikulti kann super funktionieren.“

Besser funktionieren könnte seiner Ansicht nach der Öffentliche Personennahverkehr. Hier müsste viel stärker überprüft werden, ob die teilweise seit vielen Jahren bestehenden Linien überhaupt noch zeitgemäß seien. Um von Finningen nach Pfuhl zu kommen, müsse man immer noch über Neu-Ulm fahren. Grundsätzlich bezeichnet er sich als einen Menschen, für den es wenig Denkverbote gebe, der eher unvoreingenommen und unkonventionell sei. Deshalb dürfe gerne alles auf den Prüfstand.

Kandidat will "Einstiegsdroge für den Nahverkehr"

Um den Nahverkehr wesentlich voranzubringen, müssten die Preise entsprechend gesenkt werden. So etwas wie den Gratis-ÖPNV an Samstagen, wie es ihn in Ulm und Neu-Ulm gibt, hält er für eine „tolle Sache“ und eine „Einstiegsdroge“, um dauerhaft umzusteigen. Er wolle niemandem sein Auto wegnehmen, aber es sei doch sinnvoller, den täglichen Weg zur Arbeit mit dem Bus zurückzulegen.

Eine Möglichkeit, Schadstoffemissionen einzusparen wäre, mehr zu Hause zu arbeiten, am eigenen Computer. Überhaupt sei ihm die großflächige Digitalisierung ein wichtiges Anliegen. Allerdings liegt nach Erfahrung von Ott , der ständig im Internet unterwegs ist, noch einiges im Argen. Das Handynetz sei, gelinde gesagt, ausbaufähig: „Ich kann nicht akzeptieren, dass mich mein Wahlkampfmanager in Schießen bittet, ihn auf dem Festnetz anzurufen, weil dort das Handynetz nicht stabil ist.“

Ludwig Ott ist gekommen, um in der Politik zu bleiben. Sollte es diesmal nicht klappen mit der Wahl, würde er es in sechs Jahren gleich noch mal versuchen, sagt er.

Ludwig Ott in Kürze:

  • Ludwig Ott ist 28 Jahre alt und stammt aus Finningen. Dort lebt er mit seiner Frau Melanie und seinen beiden Kindern Finn (3) und Leonie (9 Monate). Seine großen Leidenschaften: Fußball und die Feuerwehr.
  • Nach Realschule und Fos/Bos absolvierte er ein duales Studium in Industrie-Betriebswirtschaftslehre bei einem Ulmer Sensorikhersteller, für den er heute noch arbeitet. Berufsbegleitend legte er noch ein Masterstudium in Unternehmensführung ab.
  • Ott steht nach eigenem Bekunden für ökologische Verantwortung, nachhaltiges Wirtschaften und soziales Engagement. Sein Motto: „Einer für alle.“

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