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Konzert

09.05.2017

Luthers Liebe zur Musik

Beim Festkonzert, unter der Leitung von Petruskantor Oliver Scheffels (links), traten auch die Sänger Berenike Beitzel und Florian Dengler auf.
Bild: Dagmar Hub

Der Reformator hat Komponisten beeinflusst. Deren Werke werden in der Petruskirche eindrucksvoll dargeboten

Auch wenn Martin Luthers überliefertes Zitat „Das gesenge yn den sontags messen und vesper laß man bleyben, den sie sind fast gutt“ nicht überschwenglich lobend klingt: Luther liebte die Musik, und seine eigenen Werke beeinflussten spätere Komponisten. Diese Inspiration, die Luther für Bach war, stand im Mittelpunkt eines Festkonzerts, das Kantor Oliver Scheffels in der Petruskirche leitete. Die Zusammenarbeit des Petrus-Chors mit der Leipheimer Kantorei von St. Veit trägt Früchte: Der Klangkörper aus vielen Sängern schafft für die Aufführung großer Chorsätze eine klug gewählte Grundlage. Collegium musicum Ulm, verstärkt mit Musikern aus der Region wie Elisabeth Herfurth und Stefan Mack, versetzte die Zuhörer in barocke Klangwelten.

Luthers von Gottvertrauen erzählendes Kirchenlied „Ein feste Burg ist unser Gott“ liegt Bachs gleichnamiger Kantate zugrunde; die Texte von deren Arien und Rezitative schrieb Salomon Franck 1715. Diese 300 Jahre alten Texte sind heute nicht unproblematisch: Als der stimmlich sehr klar und sicher auftretende Tenor Burkhard Solle in seiner Rezitativpartie „Tritt freudig an den Krieg!“ singt, sind unter den Zuhörern in der Petruskirche erschrockene Stimmen zu hören. Möglicherweise benötigen solche Texte über eine Schlacht zwischen himmlischen und teuflischen Kräften heute eine Erklärung, um verstehbar zu sein.

Der große Klangkörper des Chores intonierte als Brücke zwischen zwei großen Kompositionen Bachs Hymnus das ergreifend bittende Kyrie aus der selten zu hörenden g-Moll-Messe des Thomaskantors. Bachs 1725 uraufgeführtes Oster-Oratorium steht im Schatten seiner großer Passionen und des Weihnachtsoratoriums. Die Solisten Annette Küttenbaum (Alt, als Maria Magdalena), Berenike Beitzel (Sopran, als Maria Jacobi), Burkhard Solle (Tenor, als Petrus) und Florian Dengler (Bass, den Bach überraschenderweise für den bartlosen Jüngling Johannes setzte) verkörperten in ihren Arien und Rezitativen eindrucksvoll biblische Personen des Ostergeschehens in barocker Symbolhaftigkeit. Nach dem Gott preisenden Schlusschor gab es tosenden Applaus.

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