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Landkreis Neu-Ulm

18.03.2020

Manche Lehrer liefern Arbeitsaufträge mit dem Fahrrad aus

Schulleiterin Irmgard Neureuther vor leeren Schulbänken in der Anton-Miller-Schule in Straß.
Bild: Andreas Brücken

Plus Die Schulen haben geschlossen, Lehrer betreuen Kinder von Ärzten oder Polizisten und erstellen Arbeitsaufträge. Doch das Internetportal macht Probleme.

Auch an den Schulen legt der Coronavirus derzeit alles lahm. Doch der Unterrichtsausfall, der vorerst bis Ostern angeordnet ist, soll nicht zur Ferienfreizeit werden. Wie an allen Schulen haben auch die Verantwortlichen des Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums (NKG) in Weißenhorn ein Notfallprogramm auf die Beine gestellt, um die Schüler außerhalb des Klassenzimmers mit Aufgaben zu versorgen. Schulleiter Gerhard Lantenhammer war, wie er sagt, von den rasanten Entwicklungen überrascht, als am vergangenen Freitag die Schließung aller Schulen bekannt gegeben wurde.

Derweil haben sich schon die ersten Pannen im digitalen Krisenmanagement gezeigt, als der Server der staatlichen Lernplattform „Mebis“ infolge der zahlreichen Anfragen schlichtweg überlastet war. Kurzfristig setzten die Lehrer des NKG auf die Kommunikation zu ihren Schülern per Email. Auf diese Weise wurden erste Arbeitsaufträge und die dazugehörenden Lösungen vergeben.

NKG Weißenhorn: Online-Arbeitsaufträge am Nikolaus-Kopernikus-Gymnasium

Schulleiter Lantenhammer und seine Kollegen zählen auf die Ehrlichkeit des Nachwuchses: „Ich bin mir sicher, dass unsere Schüler strebsam genug sind, um sich die Ergebnisse selbstständig zu erarbeiten und nicht voneinander abzuschreiben.“ Auch mit den Eltern wollen die Pädagogen im Austausch bleiben. „Wir brauchen auch die ehrlichen Rückmeldungen der Eltern, weil wir uns alle auf Neuland befinden.“

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Aufregung herrscht derweil vor allem bei den Schülern der Abschlussklassen, die nun eigentlich zum Endspurt auf die Abiturprüfungen ansetzen, welche in zwei Monaten anstehen. „Am vergangenen Freitag haben sich die Beteiligten noch einmal getroffen, um sich gegenseitig Mut zuzusprechen“, erzählt Lantenhammer. da war noch unklar, ob und wann die Prüfungen stattfinden können. Am Mittwoch gab der bayerische Kultusminister Michael Piazolo bekannt, dass der Beginn der Abiturprüfungen vom 30. April auf den 20. Mai verschoben wird.

Auch das NKG in Weißenhorn ist geschlossen.
Bild: Alexander Kaya (Archivfoto)

Die Situation sei eine Herausforderung für alle, weshalb es umso wichtiger sei, sich gegenseitig beizustehen, betont Gerhard Lantenhammer und fügt hinzu: „Für mich hebt sich die Stimmung immer wieder aufs Neue, wenn ich irgendwie helfen kann.“ Auch andere Schulen stellen den persönlichen Kontakt und das Helfen in den Mittelpunkt: Das Kollegium der Neu-Ulmer Grundschule in der Stadtmitte ruft etwa wöchentlich jeden einzelnen Schüler persönlich an. Außerdem werden „Mutmachpostkarten“ und persönliche Briefe der Klassenleitungen an die Kinder verschickt. Rektorin Beate Altmann geht es darum, Ängste zu nehmen, die Kinder in dieser Ausnahmesituation nicht alleine zu lassen oder einfach nur drüber reden zu können.

Anton-Miller-Schule Straß: Notgruppen sind eingerichtet

Für Irmgard Neureuther, die Schulleiterin der Grund- und Mittelschule in Straß, zählen ausschließlich die zuverlässigen Medien als Informationsquellen: „Ich schaue mir auf meiner Nachrichten-App die Neuigkeiten des Tages an und warte gelassen ab, weil übertriebene Aufregung keinem hilft.“ In Straß sind die Lehrer am Montagvormittag zur Krisensitzung angetreten, während die Buben und Mädchen wegen der staatlichen Verordnung zuhause bleiben mussten. Für die Anton-Miller-Schule und für alle anderen Grundschulen ist nun eine zentrale Aufgabe, die Kinder zu betreuen, deren beide Eltern in systemrelevanten Bereichen arbeiten. Sogenannte Notgruppen wurden ab Montag für Kinder eröffnet, deren beide Elternteile (oder Alleinerziehende) in diesen Bereichen tätig sind. Gemeint damit sind Pflege- und Rettungskräfte, Polizisten oder Personen, die für die Grundversorgung zuständig sind. Ab Dienstag wurde die Gruppe um den Lebensmittelsektor erweitert. Maximal fünf Kinder dürfen in solchen Notgruppen betreut werden. Auch die 5. und 6. Klassen der weiterführenden Schulen bieten diese Notfallgruppen an. Für diese Fälle steht ein Formular auf der Internetseite der Schule zur Verfügung. „Wir müssen für die Betreuung planen können“, erklärt Neureuther und spricht von der Solidarität, wie sie in diesen Tagen immer wieder gefordert wurde: „Wir wollen flexibel auf die Bedürfnisse der betroffenen Eltern eingehen.“

Austausch ohne persönlichen Kontakt findet vor dem Eingang der Schule in Straß statt.
Bild: Andreas Brücken

Voraussetzung für die Aufnahmen sind die üblichen Vorsichtsmaßnahmen: keine Symptome etwa. Dass auch an der Anton-Miller-Schule für die Lehrer keine Freizeit ansteht, haben ihre Kollegen bereits am Samstag gezeigt: Einige warfen den Schülern die ersten Arbeitsaufträge persönlich in den Briefkasten. Für die meisten Schüler wurde bereits vor dem Wochenende ein Aufgabenpaket geschnürt. In Zukunft sollen die Schüler über die Homepage der Schule versorgt werden.

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