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Ulm/Neu-Ulm

30.11.2020

Mehr Platz für Radfahrer in Münchner Straße - drohen mehr Staus in Richtung Neu-Ulm?

Die Münchner Straße ist eine der Hauptverkehrsachsen zwischen Ulm und Neu-Ulm. Radfahrer werden durch Unterführungen am Basteicenter in Richtung Congress-Centrum nach Neu-Ulm geleitet. Das gilt aus Sicht der Grünen als nicht mehr zeitgemäß.
Bild: Alexander Kaya

Plus In Ulm wird darüber diskutiert, ob eine Spur auf der Münchner Straße dem Radverkehr zugeschlagen werden soll. Kritiker befürchten nun noch mehr Staus in Richtung Neu-Ulm.

17.000 Autos fahren täglich auf der Münchner Straße. Die meisten davon zur Rushhour, wenn sich die Pendler aus dem Kreis Neu-Ulm am frühen Abend auf den Nachhauseweg machen. Michael Jung, der Hauptabteilungsleiter für Verkehr, kann es jeden Tag aus seinem Büro in der Münchner Straße 2 beobachten. Die Mobilitätswende soll hier jetzt mit mehr Platz für Radfahrer forciert werden.

Außer Frage steht für ihn, dass es mit der Umwandlung von je einer Fahrbahn in einen Radweg zu noch größeren Beeinträchtigungen kommen wird. „Aber nicht zur ganz großen Verkehrskatastrophe.“

Der Vorwurf: Unüberlegte Symbolpolitik

Der Ulmer Bauausschuss beauftragte daher jetzt die Verwaltung mit der Ausarbeitung von Varianten des Projekts „Radstreifen Münchner Straße“. Mit den Stimmen der Grünen und der SPD und gegen das Votum der Freien Wähler und CDU/UfA.

Wird der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Kienle darauf angesprochen, fängt er zu lachen an. Das sei die „unnötigste Maßnahme schlechthin“. Mit einer solch unüberlegten Symbolpolitik würde man nur die Menschen verärgern. Hier würde Ideologie über Vernunft siegen.

Er selbst fahre täglich Rad würde aber nicht auf dieser Hauptverkehrsader radeln wollen. Schon jetzt könne er täglich beobachten, wie die Autofahrer im Feierabendverkehr auf dem staugeplagten Weg in Richtung Neu-Ulm die Nerven verlieren würden. Das würde noch schlimmer werden, wenn der Blechlawine auch noch eine Spur genommen werden würde.

Der Verkehr lasse sich nicht durch Radwege aus der Stadt vertreiben. Das könnte höchstens eine vierte Donaubrücke, die seit 50 Jahren immer wieder diskutiert werde. Doch politisch sei das nicht durchsetzbar, schließlich hätten dann die Pfuhler den ganzen Verkehr.

Mit dem Rad von Ulm nach Neu-Ulm ist mitunter schwer

Das Grundproblem: Bislang gibt es keine direkte Verbindung für den Radverkehr zwischen der Hauptroute von der Ulmer Innenstadt kommend (König-Wilhelm-Straße, Heimstraße) und der Gänstorbrücke nach Neu-Ulm. Radler haben auf dieser Strecke am Zeughaus vorbei Kopfsteinpflaster, zwei 90 Grad-Kurven und zwei Unterführungen am Basteicenter zu überwinden.

Verkehrsexperte Jung sieht durchaus, dass die Frage, wie viel Platz man Autos zugunsten des Radverkehrs nimmt, nur politisch zu beantworten ist. Um in Ulm wirkliche Verbesserungen für Radfahrer zu erreichen, „muss man dahin, wo es wehtut.“ Die schmerzfreien Hausaufgaben für Autofahrer, wie Fahrradstraßen etwa, seien größtenteils erledigt.

Radverkehr in Ulm soll auf 25 Prozent steigen

Ein Gutachten, so Jung, geht davon aus, dass sich bei einem Umbau der Münchner Straße der Verkehr nur um etwa 2000 Autos verlagern würde. Es blieben also 15.000 Autos, das sei vergleichbar mit der Neuen Straße, die im Zuge des Baus der Neuen Mitte ebenfalls rückgebaut wurde. Und hier fließe der Verkehr. Im Falle der Münchner Straße entstehe die Stauproblematik insbesondere an der Kreuzung vor der Gänstorbrücke – gänzlich unabhängig von der Zahl der Spuren. Klar sei: Der Bau eines Radfahrstreifens mit einer Breite von 1,85 Meter je Fahrtrichtung würde Einschränkungen für Autofahrer bringen. Aber die seien „hinnehmbar“ so Jung – zugunsten des Radverkehrs.

„Politik lebt von Verlässlichkeit“, sagt der Grünen-Stadtrat Michal Joukov-Schwelling in Richtung der Fraktionen, die die Radspuren ablehnen. Denn vor Jahren hatte der Ulmer Gemeinderat beschlossen, dass im Jahr 2020 der Radverkehr 20 Prozent des gesamten Verkehrs in Ulm ausmachen soll. Das Ziel wurde bei Weitem verfehlt.

Nun will die Stadt in fünf Jahren den Radverkehrsanteil auf 25 Prozent erhöhen. „Wenn wir mehr Radverkehr wollen, dann müssen wir den Radfahrern auch mehr Platz geben“, sagt Joukov-Schwelling. Und wenn Fachleute sagen, dass der Knackpunkt nicht die Zahl der Spuren sei, sondern die Leistungsfähigkeit der Kreuzung vor dem Congress-Zentrum, sei auch das nachvollziehbar.

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