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Landgericht Memmingen

19.05.2015

Messerstecher-Prozess: Polizei hörte Handygespräche mit

Prozess in Memmingen: Am Montag standen vor allem die mutmaßlichen Opfer der Messerstecherei im Fokus.
Bild: Alexander Kaya, Symbolbild

Vier Männer sollen vier andere angegriffen und verletzt haben. Aufmerksam wurden Ermittler auf die Tat nur zufällig – wegen einer Telefonüberwachung im Rocker-Milieu

Ein riesiger Blutfleck ist mitten auf dem Shirt zu sehen. Auf Bauchhöhe hat sich der blaue Stoff dunkelrot verfärbt. Dort soll Volkan Ö. die Zehn-Zentimeter-Klinge eines Messers hineingerammt worden sein. Das wirft die Staatsanwaltschaft einem der vier Angeklagten, die sich seit Ende April vor dem Landgericht Memmingen verantworten müssen, vor. Er wurde wegen versuchten Totschlags angeklagt und – ebenso wie die drei anderen auf der Anklagebank – wegen gefährlicher Körperverletzung. Sie sollen sich gemeinsam am 28. Juli 2014 mit einer anderen Gruppe von Männern getroffen haben und nach einem Streit Messer gezückt und eingesetzt haben. Ermittler seien zunächst nur zufällig auf den blutigen Vorfall aufmerksam geworden: Der Grund war die Telefonüberwachung in einem anderen Verfahren namens „Eagle Eye“.

Brüder leiten Bordell und Shishabar in Ulm

Wie ein Ermittler der Ulmer Kriminalpolizei am Montag als Zeuge vor Gericht erklärte, hätten er und seine Kollegen schon seit Längerem ein Auge – beziehungsweise Ohr – auf zwei nicht direkt in die Messerstecherei in Thalfingen verwickelte, aber polizeibekannte Brüder aus Neu-Ulm. Gegen die beiden ging erst vor genau einem Jahr ein langwieriger Prozess wegen Mordes zu Ende – einer erhielt ein Jahr Freiheitsstrafe, der andere wurde freigesprochen.

Weil die beiden Brüder, die heute ein Bordell und eine Shishabar in Ulm leiten, Mitglieder einer neu formierten Gruppe der Motorradgang „Rock Machine“ sein sollen, die einen Adler als Symbol trägt, wurde dem Ermittlungsverfahren der Name „Eagle Eye“ (Adlerauge) gegeben. Wie der Ermittler, der als Rocker- und Rotlichtexperte für die Kripo arbeitet, weiter erklärte, sei bereits ab April 2014 die Telefonüberwachung bei den beiden Brüdern gelaufen. Der Polizist und sein Team haben ein Gespräch des älteren Bruders ausgewertet, wonach er offenbar kurz nach der Messerstecherei von einem der mutmaßlichen Opfer angerufen und über den Vorfall informiert worden sei.

"Das ist doch menschlich, oder?"

Warum, das konnte oder wollte er, der am Montag in Memmingen als Zeuge geladen war, selbst nicht beantworten: „Das ist mir bis heute ein Rätsel, warum er mich angerufen hat“, sagte der 29-jährige Rocker, der angab, den Anrufer mehr oder weniger gut gekannt zu haben. Trotzdem sei er ins Krankenhaus gefahren, um ihn zu treffen. „Das ist doch menschlich, oder?“, merkte er an. Auch seine weniger gute Meinung über die Polizei tat er im Gerichtssaal kund: Weil der Anrufer die Polizei informiert habe, habe der 29-Jährige den Kontakt zu diesem abrupt abgebrochen mit den Worten: „Ihr seid für mich gestoben.“ Denn, so der Zeuge vor Gericht: „Wie ich zur Polizei steh’, wissen Sie ja aus meinem letzten Verfahren.“

Am Montag standen vor allem die mutmaßlichen Opfer der Messerstecherei im Fokus: Wie einige Handy-Chat-Verläufe unter den damals verletzten Männern andeuteten, waren sie ihren Kontrahenten alles andere als wohlgesinnt. Zahlreiche Schimpfwörter belegten das, oder etwa: „Ich hab’ so Bock, den richtig zusammenzuschlagen.“ Inwiefern die Opfer auch Täter sind, wird sich an einem der nächsten Prozesstage zeigen: Drei weitere sind noch geplant, der letzte am 22. Juni.

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