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Memmingen/Volkertshofen

11.06.2019

Mordversuch mit Armbrust: Angeklagter gesteht Tat

Ein Mann ist vor dem Landgericht Memmingen des versuchten Mordes mit einer Armbrust angeklagt.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Vor Gericht gesteht der 42-Jährige die Tat – und bittet um Entschuldigung. Das ihm vorgeworfene Motiv bestreitet er aber.

Ein aufsehenerregender Fall beschäftigt derzeit das Landgericht in Memmingen: Ein 42-Jähriger hat versucht, den neuen Mann an der Seite seiner Ex-Freundin umzubringen – durch den Pfeil einer Armbrust. Dem Angeklagten wird versuchter Mord vorgeworfen, am Dienstag fand der Prozessauftakt vor der Ersten Strafkammer unter Vorsitz von Christian Liebhart statt. Staatsanwalt Thomas Hörmann sagte, der 42-Jährige sei schon lange auf den Neuen seiner Ex-Freundin eifersüchtig gewesen. Nachdem es zwischen ihm und der Frau zu einem Streit kam, habe er sich in einem Ulmer Geschäft eine Pistolenarmbrust gekauft. Armbrüste sind in Deutschland ab einem Alter von 18 Jahren frei verkäuflich.

Laut Staatsanwalt schlich der Angeklagte die Tage darauf mehrmals um das Wohnhaus der Ex-Freundin in Volkertshofen (Landkreis Neu-Ulm). Dabei habe er auch den Nebenbuhler entdeckt, den er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft loswerden wollte. Am Tag der Tat im September 2018 wartete der 42-Jährige laut Anklage bereits am frühen Abend in der Nähe der Wohnung. Erst mehr als zwei Stunden später schlich er mit der Armbrust bewaffnet in den Garten. Die Ex-Freundin und ihr neuer Partner wohnen im Hochparterre, an einem offenen Fenster stand der neue Freund und rauchte. Dann ging laut Staatsanwaltschaft alles schnell: Der Angeklagte näherte sich dem Fenster – immer darauf bedacht, die Armbrust verdeckt nach unten zu halten, damit der andere Mann sie nicht sehen konnte.

Schuss mit Armbrust aus kurzer Entfernung

Als der neue Lebensgefährte den 42-Jährigen etwa zwei Meter von sich entfernt wahrnahm, richtete er sich auf und wich ein Stück zurück. Völlig überraschend zog daraufhin der Angeklagte die geladene Armbrust hoch und schoss auf den anderen Mann. Der 42-Jährige stand laut Anklage während des Schusses nur einen Meter vor dem neuen Freund seiner Ex-Freundin entfernt, der Pfeil traf diesen knapp über dem Herzen und bohrte sich fast drei Zentimeter in die Brust hinein. Durch den Pfeil wurde das Haut- und Muskelgewebe tief verletzt, nur durch Zufall sei das Geschoss gegen eine Rippe gestoßen, so Staatsanwalt Hörmann. Er gehe deswegen von einer geplanten Tat aus, der Geschädigte sei zudem völlig wehr- und ahnungslos gewesen.

Der Angeklagte (links) mit seinem Anwalt Thorsten Storp.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Der Angeklagte räumte die Vorwürfe vor Gericht ein, bestritt aber, aus Eifersucht gehandelt zu haben. Er ließ von seinem Rechtsanwalt eine Erklärung vorlesen, in der er sich entschuldigte. "Ich kann mir nicht erklären, wie es zu dieser Eskalation kam", denn Gewalt sei ihm fremd. Im Gefängnis setze er sich seit der Tat jeden Tag stundenlang damit auseinander. "Ich schäme mich." Die Beziehung sei jedoch schon zuvor kaputt gewesen, deswegen war er nicht eifersüchtig auf den anderen Mann, heißt es in der Erklärung. Die Verhandlung wird am Mittwoch fortgesetzt.

Keine Häufung von Fällen mit Armbrust

Vor etwa einem Monat hatte ein Fall bei Passau für Aufsehen gesorgt, bei dem ebenfalls eine Armbrust als Waffe benutzt worden war. Mitarbeiter einer Pension haben in einem Zimmer drei Tote gefunden. In den Körpern zweier Frauen und eines Mannes steckten Pfeile, neben den Leichen lagen zwei Armbrüste. Zwei Tage später entdeckten Polizisten in der Wohnung einer der Toten in Wittingen (Niedersachsen) zwei weitere Leichen. Zumindest bei den drei Toten aus Passau könnte es sich laut Polizei um einen erweiterten Suizid handeln, da auch Testamente gefunden wurden. Vieles an dem Fall ist jedoch immer noch rätselhaft, die Ermittlungen laufen.

Trotz der beiden Vorkommnisse in Bayern sieht Christian Eckel, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, keine Häufung von derartigen Fällen. "Bei uns spielen Armbrüste als Waffe eine untergeordnete bis seltene Rolle", sagt Eckel. Das hört Jürgen Greisel gerne. Er ist schwäbischer Bezirksreferent für den Bereich Armbrust beim Bayerischen Sportschützenbund. Er sei traurig, wenn ein Sportgerät als Waffe missbraucht werde. "Mit solchen Geschichten wird es für uns nicht leichter", sagt er im Namen der Schützenvereine, "denn dann sind immer wir die Buhmänner". Dabei sei das Armbrust-Schießen auf Wettkampfebene ein anspruchsvoller Sport, der Körper und Geist fördere – "und wir Sportschützen gehen sehr gewissenhaft mit unseren Geräten um". Denn natürlich seien Armbrüste nicht ungefährlich, "aber dasselbe gilt auch für ein Messer".

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