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Spaßmacher Dave Davis

21.11.2011

Motombo um die Schockstarre

Der Komiker und Stimmkünstler Dave Davis in den Roxy-Hallen.
Bild: Foto: Peter Michael Bluhm,

Das Rezept ist so einfach wie genial. Man zieht sich einen weißen Kittel an, stülpt sich eine Hygienemütze über den krausen Kopf und ruft die Toilette als den einzigen Raum weltweit aus, wo alle Menschen gleich sind. Als Toilettenmann Motombo Umbokko erobert der Bonner Komödiant Dave Davies derzeit die Bühnen Deutschlands und nahm auch die Ulmer Humorfestung im Sturm.

Von Peter Michael Bluhm

Ulm  500 Besucher konnten sich vor Lachen nicht kriegen und eine Pause im Zweistunden-Programm war dringend notwendig, sonst hätte Motombo wirklich Arbeit gehabt. Der Rheinländer mit ugandischen Wurzeln ist seit Dezember 2009 mit seinem ersten und mehrfach dekorierten Soloprogramm „Spaß um die Ecke“ vornehmlich in West und Norddeutschland unterwegs und versucht nun, Süddeutschland mit seiner Mischung aus Satire, Wortwitzen, Blödelei und genialen Gesangseinlagen die Leute zu begeistern, was ihm nach Stuttgart jetzt auch in Ulm formidabel gelang.

Die Rolle der Reinigungskraft namens Motombo Umbokko hat er sich selbst auf den Leib geschrieben. Dieser Afrikaner stammt aus dem fiktiven Land Nfuddu und will auswandern. Im Gepäck die schwarzen Weisheiten seines „stummen Opas“ („Wenn Du sitzt in Lehmhütte, darfst Du nicht gegen die Wand pinkeln“), kommt er nach Deutschland und landet schließlich als Toiletten-mann bei einer Fastfood-Kette. Hier knüpft das Programm an und Dave Davies erzählt als Motombo seine Erfahrungen und Lebensweisheiten in rasanter Gagfolge, die weit mehr sind als billige Toilettenwitzchen. Motombo schlachtet alle fiesen Klischees über die Einwanderer aus und strotzt nur so vor schwarzem Humor, wenn er erzählt, wie ein Kunde zu ihm kam und sich in der Toilette die Pulsadern aufschnitt, weil er seinen Job verloren hatte: „Jetzt hat er zwei offene Stellen“, sagt Motombo Umbokko und erzwingt für zwei Sekunden eine Schockstarre im Publikum. Die wird mit Gags am laufenden Band und Parolen wie „Deutschland muss den Strick enger schnallen“ wieder aufgehoben. Sein „Traumjob“ Toilettenraum: „Zu viele Vorschriften – zu viel Papier – genau wie an meinem Arbeitsplatz“.

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Motombo stellt sich Fragen wie diese: „Kann man sich als Maximalpigmentierter weiß ärgern?“ Und gibt es ein ethnologisch bedingtes Schwarzfahren? Zwischen derben Scherzen, Satire, Kalauern und Wortspielen baut der Comedian auch Gesangsstücke ein. An der Gitarre begleitet er sich zu Schlager- und Popsongs, die er parodistisch umtextet. Eddy Grants Anti-Apartheitssong „Gimme Hope, Joànna“ wird zur Einwandererhymne „Gimme Pass, Angela“ eines gewissen Immy Grant. 

Das Publikum muss die Zwerchfell-Erschütterungen weiterhin ertragen, wenn der Toilettenmann sich urplötzlich in den Vorsitzenden der „National Pigmentierten Deutschen“ (NPD) Gustl Ignaz Weißmüller verwandelt und den Stimmungssong vom Nazibus trällert, dessen Benzin von Thilo Sarrazin gesponsert wird. In der frenetisch herbeigeklatschten Zugabe erschien Davis dann ganz ohne Tirolerhut oder Hygienekappe auf der Bühne, wurde ein wenig ernst in seinem Aufruf, Menschen nicht nach ihrer Hauptfarbe, sondern nach dem, was sie können, zu beurteilen und entließ seine neuen Ulmer Fans mit dem Slogan: „Heute sind wir alle Afrikaner“.

Und keiner musste hungern, weil Motombo ja afrikanische Prepaid-Handys“ verteilt hatte, die man essen konnte: Bananen aus dem Heimatland Nfuddu, wo der Herrscher Zugabe heißt und die Zeitung „Geschwätzige Antilope“.

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