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Ulm

08.10.2019

Münster sucht Spender für neue Fenster

Dekan Ernst-Wilhelm Gohl vor der Spendenbox im Ulmer Münster. Darauf können Besucher die neuen, geplanten Fenster betrachten.
Bild: Dagmar Hub

Im Nordschiff des Ulmer Gotteshauses können Besucher über eine Box Geld geben. Die Fenster „Weltbetrachtung“ und „Lichtwerdung“ kosten mehr als eine halbe Million Euro.

Im Nordschiff des Ulmer Münsters steht derzeit eine Box: Besucher können sich dort Flyer nehmen, sie können spenden – und auf der Rückseite der Box in Großformat das bestaunen, was aus den Spendengeldern werden soll. Auf der Nordseite des Gotteshauses gibt es noch immer acht hohe notverglaste Fenster. Die um 1900 geschaffenen bunten Glasfenster des südlichen wie des nördlichen Seitenschiffes, die die an diesen Stellen über die Jahrhunderte untergegangene historische Glaskunst der Fenster des späten Mittelalters ersetzt hatten, waren in den Bombardements am Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört worden. Als Ausnahme überstand das kleinere spätgotische Marnerfenster über dem Nordportal die Gewalt der Bombenangriffe, das aus der Werkstatt Hans Ackers stammt.

Auf der Südseite des Münsters hatte es bis 2018 ebenfalls noch ein solches notverglastes Fenster in der vielfältigen Reihe der farbigen Nachkriegsfenster gegeben. Thomas Kuzios Friedensfenster schloss diese Lücke. Die Reaktionen auf dieses Fenster waren überwältigend, sagt Dekan Ernst-Wilhelm Gohl. Um einen harmonischen Gesamteindruck herzustellen, sollen in den nächsten Jahren auch die Notverglasungen der Nordseite durch Kunstfenster ersetzt werden. Der aus Mecklenburg-Vorpommern stammende Glaskünstler Thomas Kuzio wurde deswegen gebeten, sich mit der Farb- und Lichtwirkung auseinanderzusetzen, die eine Farbverglasung auch der Nordseite des Münsters hätte. Er sei darin ein Experte, wie es nur wenige gebe, sagt Gohl.

Kuzio, der stets darauf achtet, seine Kunst in Beziehung zu vorhandenen Kunstwerken vorhergehender Epochen zu setzen, fertigte Entwürfe. „Der Kirchengemeinderat der Münstergemeinde hat sich eingehend mit den Entwürfen von Thomas Kuzio befasst. Ihn überzeugten sowohl die künstlerische Ausführung als auch die theologischen Aussagen“, berichtet Gohl.

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Neue Fenster für das Ulmer Münster: Spendenbox ist aufgestellt

Nun gibt es die Initiative, die beiden Fenster „Weltbetrachtung“ und „Lichtwerdung“ Kuzios zu realisieren, die auf der Rückseite der Flyer- und Spendenbox bereits betrachtet werden können. Sie sollen die notverglasten Fenster rechts und links des spätmittelalterlichen Marnerfensters ersetzen und dessen Farbwirkung grandios aufnehmen. Das Münster solle eines Tages wieder in jenem bunten Licht leuchten, das die mittelalterlichen Baumeister vor Augen hatten, wünscht sich Gohl. Den beiden Fenstern, die mit Spenden realisiert werden sollen, kommt durch den direkten Anschluss an den Chor des Gotteshauses eine Brückenfunktion zu, zudem sollen sie eine Dreiheit bilden mit dem erhaltenen spätgotischen Fenster. Zudem liegen „Weltbetrachtung“ und „Lichtwerdung“ den beiden Fenstern „Weltvollendung“ und „Weltgefährdung“ von Johannes Schreiter räumlich gegenüber, die 2001 am Anschluss zum Chorraum auf der Südseite des Münsters eingebaut wurden. Im Gegenüber plant Kuzio eine beruhigende und ausgleichende Wirkung, indem er Blautöne aufnimmt, aber ein gedämpfteres und sehr harmonisches Spiel der Farben einsetzt. Die Kosten für die beiden neuen Fenster werden sich auf 563000 Euro belaufen. Für Menschen, die spenden möchten, gibt es die Möglichkeit, über die Spendenbox Geld zu geben; Spenden können auch gegen eine Spendenbescheinigung an die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Ulm überwiesen werden.

Buch „Meisterwerke der Glasmalerei“ heißt ein im Münster erhältliches, 2019 erschienenes Buch von Hartmut Scholz und Uwe Gast, das sowohl die mittelalterliche Glasfenster als auch die Farbfenster der Gegenwart erklärt. Großaufnahmen machen den Blick aufs Detail möglich, der angesichts der Höhe der Fenster im Münster selbst nicht möglich ist. Gezeigt werden auch die Relikte zerstörter mittelalterlicher Fenster der Neithart-Kapelle. Interessant sind auch die Erklärungen zu den durch Beschädigungen der Verglasung und vor allem durch den Zweiten Weltkrieg verloren gegangenen Fenster, von denen es noch Zeichnungen gibt. Spätere Kapitel des Buches widmen sich dem Programm der Nachkriegsfenster.

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