Newsticker

Staatsregierung mahnt: Corona-Regeln gelten auch für Nikolaus
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Münsterbauhütte soll Welterbe werden

Ulm

25.10.2017

Münsterbauhütte soll Welterbe werden

Die Ulmer Münsterbauhütte verkörpert das immaterielle Erbe von Handwerkstechniken, überliefertem Wissen und Brauchtum.
Bild: Alexander Kaya

Der Mann hinter der Großbaustelle rund um den höchsten Kirchturm der Welt hat ein großes Projekt angestoßen. Wie er Ulm zu der Auszeichnung der Unesco verhelfen will.

Das Bewerbungsformular ist längst ausgefüllt: Wenn es nach dem Ulmer Münsterbaumeister Michael Hilbert geht, wird die Münsterbauhütte Teil des Immateriellen Weltkulturerbes der Unesco. Bereits im Oktober 2015 reichte Hilbert unter strenger Geheimhaltung die Unterlagen bei der nationalen Unesco-Kommission ein. „Wir wollten niemanden unter Druck setzen“, sagt Hilbert.

Nun, zwei Jahre später hat der Ulmer Antrag eine europäische Dimension angenommen. In der zweiten Novemberwoche wird sich Hilbert im französischen Straßburg mit Vertretern des Kultusministeriums sowie Kollegen der elsässischen Bauhütten treffen, um das weitere Vorgehen zu koordinieren. Denn die etwa 15 europäischen Dom- und Münsterbauhütten möchten nun gemeinsam ihr Handwerk von der Unesco als immaterielles Weltkulturerbe anerkennen lassen. Auch Wolfgang Zehetner, der Vorsitzende der Europäischen Vereinigung der Dombaumeister, hat sich für einen gemeinsamen Antrag ausgesprochen.

Die Antriebsfeder von Hilbert ist die Suche nach einem Zeichen der Wertschätzung für die Arbeit in den Münsterbauhütten. Ulm etwa, sei seit Jahrhunderten ein „Kompetenzzentrum Stein“. Im Zentrum stehe nicht das Ziel, alte Handwerkstechniken, zu erhalten. Vielmehr pflege und entwickle die Ulmer Münsterbauhütte einen innovativen Umgang mit dem Werkstoff Stein seit vielen Jahren. „Es geht auch darum, zu zeigen, dass wir keine altbackenen Steinhauer wie im Mittelalter sind“, sagt Hilbert. In der Münsterbauhütte des Jahres 2017 werden zwar immer noch Hammer und Meißel wie bei der Grundsteinlegung 1377 eingesetzt. Aber eben auch Laserscanner um die Ersatzsteine für den höchsten Kirchturm der Welt passgenauer herstellen zu können. Aber eine automatisierte Fräse könne keinen Steinmetz ersetzen. Die „Intelligenz der Hände“ helfe, Brüche und Ausschuss zu vermeiden. Denn der Computer fräst ohne Rücksicht auf die Beschaffenheit des Steins. Dieses Zusammenarbeiten von altem Handwerk, modernster Technik und vielen Berufen sei einzigartig.

Unter Hilbert arbeiten 18 Menschen aus verschiedenen Gewerken Hand in Hand: Zehn Steinmetze, ein Schreinermeister, ein Schmied, drei Steinmetzlehrlinge, eine Restauratorin im Steinfachhandwerk, ein Türmer sowie ein Bauhelfer. Zudem sei die Münsterbauhütte ein Hort für die Wiederbelebung nicht mehr angewandter Handwerkstechniken. Dazu gehöre etwa die Werkzeugschmiede, die die Hütte zu einem Wissensspeicher mache. Was die tatsächliche Anerkennung der Bauhütten seitens der Unesco als immaterielles Weltkulturerbe angeht, ist Hilbert nur verhalten optimistisch. Denn das Problem sei die Koordinierung eines gemeinsamen Antrags von Bauhütten aus ganz Europa.

Fördergelder wären mit der Anerkennung der Unesco nicht verbunden. Doch das Erreichen einer breiten Öffentlichkeit wäre garantiert und unter Umständen würden staatliche Geldgeber dem Thema Münsterbauhütte mehr Raum gewähren.

Im bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes befinden sich derzeit 68 Kulturformen und vier Programme im Register Guter Praxisbeispiele. Dazu gehört etwa das Handwerk der Flößerei oder die Deutsche Brotkultur. Auf der „Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ – also des immateriellen Weltkulturerbes der Unesco – ist derzeit nur ein deutscher Vertreter gelistet: Aus Deutschland wurde 2016 die „Idee und Praxis der Organisation von gemeinsamen Interessen in Genossenschaften“ aufgenommen. Zudem hatte sich Deutschland an der Erweiterung des multinationalen Eintrags der „Falknerei“ beteiligt. Über Neueintragungen in die Repräsentative Liste entscheidet der Zwischenstaatliche Ausschuss für die Erhaltung des immateriellen Kulturerbes auf seiner jährlichen Tagung im Herbst. Vorher müssen alle Kandidaten jeweils bei der nationalen Unesco-Kommission eine Anerkennung als immaterielles Kulturerbe erreichen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren