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Vöhringen/Landkreis

13.08.2019

Nach schwerer Krankheit: Altlandrat ist dankbar für jeden Tag

Altlandrat Erich Josef Geßner wird morgen 75 Jahre alt. Dass er er diesen Geburtstag überhaupt würde feiern können, war angesichts einer schweren Erkrankung lange Zeit nicht klar.
Bild: Ursula Katharina Balken

Altlandrat Erich Josef Geßner wird am Mittwoch 75 Jahre alt. Nach langer schwerer Krankheit hat er sich wieder erholt und kümmert sich nun um seine Frau. Und dann ist da auch noch die Stiftung für das Kloster Roggenburg

Für Altlandrat Erich Josef Geßner ist das Leben ein großes Geschenk. Er lebt jeden Tag ganz bewusst. Was für andere selbstverständlich scheint, nämlich jeden Morgen mit eigener Kraft auszustehen, ist für ihn immer noch etwas Besonderes. Denn vor einem Jahr war er dem Tod näher als dem Leben. Er lag drei Wochen im künstlichen Koma. Noch immer klingen die Worte seines Arztes in ihm nach, als er nach vier Monaten das Weißenhorner Krankenhaus verließ: „Sie leben noch. Dafür dürfen sie dankbar sein. Es war lange Zeit fraglich, ob Sie die Sepsis und das akute Nierenversagen überleben würden.“ Er hat überlebt und darf sich auf seinen 75. Geburtstag freuen, den er am morgigen Mittwoch feiert.

Geßner wollte gar nicht in die Kommunalpolitik

Geßner, von Beruf Rechtspfleger, der 20 Jahre Bürgermeister von Vöhringen war und 18 Jahre als Landrat an der Spitze des Landkreises stand, verblüfft mit dem Bekenntnis: „Ich wollte eigentlich gar nicht in die Kommunalpolitik.“ Er bezeichnete sich damals als einen politischen Menschen, der sich auch einbringen wollte, „aber nur in meiner Freizeit und nicht als politischer Mandatsträger.“ Und doch war er dies schneller als er dachte. Als die Altenstädter CSU einen Bürgermeister suchte und niemand für das Amt bereit war, sprang Geßner in die Bresche. Vier Jahre blieb er in Altenstadt, aber schon wartete eine größere Aufgabe auf ihn. Auch die Vöhringer CSU war auf Suche nach einem geeigneten Kandidaten für das Bürgermeisteramt, mit Erfolg, wie sich zeigte.

Geßner: Konsens war mir immer wichtig

Für Geßner zählte nie das Parteibuch. Standen große Projekte an, wollte er dafür eine breite Basis. „Konsens war mir wichtig, nicht meinen Willen und mein Wollen durchzusetzen. Denn was nutzen politische Entscheidungen, wenn ein Normalbürger sie nicht nachvollziehen kann.“ In Geßners Amtszeit wurde aus der Gemeinde die Stadt Vöhringen. Was ihn auszeichnete, war sein Verhandlungsgeschick. Ein gutes Beispiel dafür ist das Illertal-Gymnasium. So wurde das IGV mit seinem Standort im Norden von Illerzell zu einer Schule für zwei Städte. Dass Evobus nach Neu-Ulm kam und seinen Hauptstandort nicht nach Mannheim verlegte, sicherte der Region 4000 Arbeitsplätze. Die Liste ließe sich fortsetzen.

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Der Bischof und der Stall von Bethlehem

Und dann schlägt Geßner im Gespräch den Bogen zum Kloster Roggenburg, mittlerweile ein bekanntes Bildungszentrum für Familie, Umwelt und Kultur. Diese Entwicklung begann mit dem Einzug der ersten Patres in das alte Kloster. „Das ist Altlandrat Franz Josef Schick zu danken“, betont Geßner. Die Reaktion vom damaligen Bischof Josef Stimpfle bringt ihn heute noch zum Schmunzeln: Nach einem Rundgang durch die Räume des Klosters sagte der Augsburger Oberhirte, „der Zustand des Gebäudes erinnert mich an den Stall von Bethlehem.“

Vor 15 Jahren gründete Geßner zusammen mit seiner Frau Wilhelmine die „Prämonstratenserstiftung Roggenburg.“ Damit will er eine Stütze für das kulturhistorische Kloster mit seinem vielfältigen sozialen und spirituellen Leben sein. 108000 Euro konnte die Stiftung bereits in verschiedene Projekte investieren. Dazu gehören Renovierungsmaßnahmen in Roggenburg ebenso wie die Ausbildungsförderung des Ordensnachwuchses oder der neue Kräutergarten.

Geßner und der Glaube

Das Engagement für das Kloster liegt in der tiefen religiösen Haltung Geßners begründet. Einer der Leitgedanken, der zur Gründung der Stiftung führte, lautet: „Dass der christliche Glauben nicht untergeht, die Verkündigung des christlichen Glaubens und die religiöse und ethische Orientierung gefestigt und gestärkt werden.“

Zieht er ein Resümee seiner Jahre in der Politik, dann sagt er, „wenn ich auf mein Leben als Kommunalpolitiker zurückblicke, erfüllt es mich als gläubigen Christen, für den der Besuch des Sonntagsgottesdienstes eine Selbstverständlichkeit ist, mit großer Dankbarkeit.“ Es sei ihm vergönnt gewesen, über vier Jahrzehnte seine Heimat als Bürgermeister, Kreisrat und Landrat mitzugestalten. Diese Arbeit bringe auch manches Herbe mit sich. „Da war mir die Verankerung im Glauben eine unverzichtbare Hilfe.“

Jetzt umsorgt Geßner seine kranke Frau

Geßner hatte ein erfülltes Leben, wie er sagt. Zu dem gehört aber deutlich mehr, als Erfolg zu haben. Da die Ehe kinderlos blieb, adoptierten die Geßners ein Geschwisterpaar. „Monika und Martin, mit Enkeln und Urenkeln haben meine Frau und mich zu einer glücklichen Familie gemacht und unser Leben bereichert. Wir sind unendlich dankbar für die aufopfernde Hilfe der Kinder in den vergangenen beiden Jahren.“

Der Altlandrat spricht auch offen über die schwere Krankheit seiner Frau. Er umsorgt sie, ohne große Worte darüber zu verlieren. Sein Tageslauf ist geprägt von Besorgungen, Fahrten zum Arzt, zum Einkaufen. Aber über allem steht für ihn die Pflege und Zuwendung zu seiner Frau Wilhelmine. „Ich bin glücklich, das zu tun. Endlich mal etwas zurückgeben zu können. Sie hielt mir in den vielen Jahren den Rücken frei, sie war einfach für mich da. Das erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit.“

Zum 75. Geburtstag wünscht sich Erich Josef Geßner keine Geschenke, sondern bittet, die Prämonstratenserstiftung Roggenburg mit einer Spende zu bedenken. Sparkasse Neu-Ulm Illertissen, IBAN DE97 7305 0000 0430 0200 40. Stichwort: Geburtstag Altlandrat.

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