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12.01.2019

Narren sagen wegen Bögge den Rathaussturm ab

Üben für den „Bürgerhaussturm“? Eher nicht, denn die Narren sind mächtig sauer auf Bürgermeister Raphael Bögge.
Bild: M. Reichhardt

Plus Die sechs Sendener Faschingsgesellschaften sind mächtig sauer auf Raphael Bögge. Ihre Gründe: der Umgang mit den Vereinen und ein „lächerlicher“ Vorschlag.

Es sollte eine Aktion werden, wie es sie in Senden noch nie gab: Alle Narren stürmen gemeinsam das Rathaus. Danach wollten die sechs Vereine mit den Sendenern noch ein wenig feiern. Doch aus den Plänen, die bereits vollkommen fertig ausgearbeitet waren, wurde nichts. Der Grund: Bürgermeister Raphael Bögge hat nach seiner Zustimmung plötzlich seine Meinung geändert – und 400 verärgerte Narren zurückgelassen. „Wir wollen die Zustände in Senden jetzt so ins Licht rücken, wie sie wirklich sind“, sagen diese nun im Gespräch mit unserer Zeitung.

Der Rathaussturm gehört zu den wichtigsten Bestandteilen der närrischen Zeit und ist in der gesamten Region Tradition. Die Narren erobern den Schlüssel des Rathauses und bekommen daraufhin bis zum Ende der Fasnacht am Aschermittwoch die Macht. Er sollte in diesem Jahr etwas Besonderes werden. In Anlehnung an den Gumpigen Donnerstag in Weißenhorn und Vöhringen wollten die Sendener auch eine kleine Party mit einem DJ bis 22 Uhr auf dem Rathausplatz veranstalten. Der Rathaussturm sollte um 17.30 Uhr beginnen, damit auch Berufstätige zusehen können, aus kleinen Hütten sollten Essen und Getränke angeboten werden.

Zum ersten Mal hätten alle den Rathaussturm zusammen organisiert

Und: Zum ersten Mal in der Sendener Geschichte wäre der Sturm aufs Rathaus von allen gemeinsam organisiert worden. Zuvor hatte der Carneval Club Illertal (CCI) die Regie jahrelang übernommen. Alle, das sind neben dem CCI die Narrenzunft Illertal Dämonen, die Narrenzunft D’r Illerstoi, der Schalmeien-Express „Illertal“ Senden, die Narrenzunft Senden und die Faschingsfreunde Hi-Wi (Hittistetten-Witzighausen).

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„Wir wollten Jüngere ansprechen, sie für das Vereinsleben aktivieren und allen Sendenern etwas bieten“, sagt Jessica Schreiber, Vize-Präsidentin des CCI. Es gebe in Senden nämlich durchaus ein Vereinsleben, dieses habe aber keine Chance, sich zu entwickeln. Und das, so sagen die Vertreter der Faschingsgesellschaften, liege an Bürgermeister Bögge. Dieser fördere durchaus einige große Vereine oder auch die Feuerwehr, in der er selbst seit Kurzem aktiv ist – andere wiederum jedoch nicht. „Aber man kann sich doch nicht ein paar rauspicken und die anderen einfach ignorieren“, sagt D’r Illerstoi-Zunftmeister Marc Reichhardt.

Im vergangenen Jahr stürmten die Narren noch das Sendener Rathaus. Diese Bilder wird es dieses Jahr nicht geben, die Veranstaltung wird abgesagt.
Bild: M. Reichhardt

In erster Linie sind die Narren enttäuscht. Nachdem aus dem Rathaus die Nachricht kam, der Rathaussturm sei in den Innenräumen nicht mehr gewünscht, haben sie sich auf draußen konzentriert. Viele Mitglieder haben in ihre Idee einige Stunden Arbeit gesteckt. Bei einem Gespräch im Rathaus habe der Bürgermeister positiv reagiert. Das Okay aus dem Rathaus kam, die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Es sollten Flyer gedruckt, Schulen eingebunden und Tänze geübt werden. „Wir hatten auch einen Namen: Rathaussturm mit Narrenparty“, sagt Schreiber.

Plötzlich hat Bürgermeister Bögge alles abgesagt

Zwei Wochen später – als alles geklärt war – sagte Bögge aus heiterem Himmel ab, erzählen die Vereinsvertreter. Die Begründung: Er könne es aus Sicherheitsgründen nicht verantworten, dass der Rathaussturm in dem geplanten Rahmen stattfindet. Auch Bürgermeister aus Nachbargemeinden hätten ihm davon abgeraten, so wurde es den Narren mitgeteilt. Diese können mit beiden Argumenten wenig anfangen. „In fast allen Nachbarstädten und -gemeinden gibt es weitaus größere Veranstaltungen am Gumpigen, ich glaube kaum, dass so eine Aussage von anderen Bürgermeistern kam“, sagt Zunftmeister Thomas Rupprecht von der Narrenzunft Senden. Und: „Dieser Rathaussturm wäre der sicherste überhaupt gewesen“, sagt Nicole Kulgart, stellvertretende Zunftmeisterin der Illertal Dämonen. Er fand schon immer draußen statt – dieses Jahr habe man Sicherheitspersonal engagiert und wollte den Rathausplatz absperren. „Bögge hat ja schon öfter gesagt, dass er kein Faschingsmensch ist, deswegen wären wir schon zufrieden gewesen, wenn er eine halbe Stunde investiert hätte“, sagt Schreiber. Sie stört vor allem die Art, nach einer Zusage plötzlich abzusagen. „Es ist sehr schade, dass so etwas einfach abgeschmettert wird“, sagt auch Stephanie Laub, Vorsitzende des Schalmeien-Expresses.

Die Enttäuschung wich bei den Narren jedoch schnell Ärger, als sie das „Alternativangebot“ von Bögge hörten. „Er schlug uns vor, einen ’Bürgerhaussturm’ zu machen“, sagt Rupprecht. „Das zeigt, dass er keine Ahnung von den Traditionen hat.“ Doch selbst das Bürgerhaus wäre nur infrage gekommen, wenn die Narren davor ein Foto mit Bögge gemacht hätten. Sie weigerten sich. Der Rathaussturm werde seit Mitte der 80er-Jahre traditionell im Rathaus durchgeführt. „Warum sollten wir ein leeres Bürgerhaus stürmen wollen, das ist doch lächerlich“, sagt Rupprecht.

Nun gibt es in Senden ein Novum der anderen Art: Der Rathaussturm wird nicht stattfinden. Die Idee an sich sei nicht gestorben, „aber vielleicht warten wir, bis jemand Bürgermeister wird, der die Tradition in der Region wertschätzt“.

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