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Ulm

04.07.2020

Neue Verkehrs-App Mobility inside kommt bei Testnutzern an

Handy statt Fahrschein aus Thermopapier: Darauf setzen der Verkehrsverbund Ding und andere schon lange.
Bild: Hauke-Christian Dittrich, dpa (Symbolfoto)

Plus Mit dem Handy-Programm Mobility inside sollen Bürger Fahrten mit Bus und Bahn, aber auch Leihautos, E-Bikes und mehr buchen können. Der Verkehrsverbund Ding ist beim Test dabei.

Mit SWU2go und Conficars gibt es zwei Leihauto-Dienste rund um Ulm und Neu-Ulm. Die Ulm/Neu-Ulm Touristik (UNT) und eine Handvoll anderer Anbieter bietet Leihräder an. Bald kommt der erste E-Roller-Anbieter nach Ulm. Bus, Bahn und Straßenbahn gibt es sowieso. Eine App für alle – noch ist das ein Traum. Doch ein Test läuft schon. Und drei Probe-Nutzer aus der Region zeigen sich ziemlich zufrieden mit Mobility inside, wie die neue Anwendung fürs Handy heißt.

Das Ulmer Straßenbahnnetz ist Teil des deutschlandweiten Tests.
Bild: Alexander Kaya

Neun regionale Verkehrsverbünde und die Deutsche Bahn beteiligen sich an dem Test. Ihr Ziel: eine App, mit der Fahrgäste an vielen Orten in Deutschland Nahverkehrstickets kaufen, aber auch andere Mobilitätsangebote buchen können. Das könnte so aussehen: Mit dem Bus von Pfaffenhofen nach Ulm, dann mit dem ICE nach Stuttgart und dort – weil das Wetter schön ist – mit einem geliehenen E-Bike in den Zoo Wilhelma.

Noch bis Ende des Jahres sollen Nutzer die App ausprobieren, 100 von ihnen kommen aus dem Ding-Gebiet. Nach Angaben eines Pressesprechers könnte der Pilotversuch verlängert werden, um weitere Erkenntnisse zu verbundübergreifenden Fahrten zu erlangen. Wegen der Corona-Krise seien weniger Passagiere unterwegs gewesen.

Test für die App Mobilty inside läuft

Das verbundübergreifende Angebot ist einer der Punkte, die Niklas Borchers überzeugen. Der studierte Physiker promoviert am Helmholtz-Institut in Ulm und gehört zum Kreis der Testnutzer. Er berichtet, dass er auch in Stuttgart Tickets über Mobility inside gebucht hat: „Das war sehr praktisch, weil ich nicht die App wechseln musste“, schildert Borchers.

Borchers ist noch nicht lange in der Region und hat die Ding-App nur selten genutzt. Auch so ist für ihn klar: Die neue Anwendung ist klarer und übersichtlicher. Verbesserungspotenzial sieht er trotzdem. Der Doktorand vermisst einen Abfahrtsmonitor für Haltestellen, bei dem sich Fahrtzeiten einsehen lassen. Und weil er als Student an der Uni Ulm eingeschrieben ist, darf Borchers abends und am Wochenende andere Personen zum Preis eines Kindertickets mitnehmen. Das aber lasse sich über die App nicht buchen.

In Ulm (hier im Bild) geht das zwar noch nicht. Doch in anderen Städten können schon jetzt Leihräder über die Test-App Mobility inside gebucht werden.
Bild: Alexander Kaya

Jörg Puzicha und Volker Weiß, die Geschäftsführer von Mobility inside, sind für solche Rückmeldungen offen: „Wir begleiten den Test unserer App sehr umfangreich mit einer Community“, erläutert Puzicha. „Wenn Fahrgäste aus ihrer gewohnten Mobilitäts-App eine Funktion vermissen, schauen wir uns natürlich genau an, ob das etwas ist, was wir übernehmen wollen.“ Und Ding-Geschäftsführer Thomas Mügge erinnert daran, dass Mobility inside noch in der Probephase steckt: „Man muss immer berücksichtigen, dass Mobility inside ein Pilotprojekt ist und kein marktreifes Produkt“, betont er. Viele Besonderheiten des neuen Programms steckten im Detail: „Die wesentlichen Leistungen des Projekts sind die, die man nicht sieht, weil sie im Hintergrund stattfinden: Die von Bund und den Ländern aufgebaute deutschlandweite Fahrplanauskunft wird durch das Ticketing und die Integration multimodaler Angebote ergänzt.“

Ulm: Verkehrsverbund Ding ist beim Test von Mobility inside dabei

Testnutzer Niklas Borchers hat auch viel Lob für die App parat. Eine Möglichkeit, die Mobility inside bietet, findet er besonders attraktiv: Die App bietet nicht nur Fahrten mit den Öffentlichen an. In Stuttgart sei ihm auch Car- und Bikesharing als Alternative angeboten worden. Er selbst nutze viele verschiedene Verkehrsmittel: oft das Fahrrad und die Öffentlichen, manchmal Leihautos. Auch in Ulm und Neu-Ulm gebe es Strecken, an denen Leihräder praktischer seien als der Linienbus. „Langfristig ist das etwas, was ich von einer guten App erwarte“, sagt Borchers zur Verknüpfung der Angebote auf einer Plattform.

So sieht es auch Torsten Fisch. Der Leiter der Abteilung Mobilität der Stadt Ulm testet die App gleichermaßen aus privatem und beruflichem Interesse. Er hat angeregt, die im Stadtgebiet etablierte farbliche Kennzeichnung der Linien in die App zu übernehmen und hofft, dass dieser Wunsch umgesetzt wird.

Fisch hat Mobility inside bislang nur im Stadtgebiet ausprobiert, auch er hofft auf eine Integration von Rad, Auto und Elektrorollern: „Eine Fahrplanauskunfts-App hat und kann heutzutage jeder“, sagt er. Die Dienste drumherum müssten auch eingebunden werden – dieser Ansatz von Mobility inside überzeugt den studierten Stadtplaner, der Projektleiter für den Bau der neuen Straßenbahnlinie 2 war.

Mobility inside: Testnutzer aus Ulm und Elchingen

Aber auch ein anderer Ansatz der App ist für Fisch wichtig: Als der Verkehrsverbund Ding das Handyticket einführte, habe man gehofft, dass das System in vielen deutschen Städten genutzt werden könne. Zwar setzen auch andere Verkehrsverbünde auf das Handyticket. Erfüllt habe sich die Hoffnung aber nicht, sagt Fisch. Nun könnte es besser laufen.

Mobility inside können zumindest die Testnutzer schon jetzt für zehn Partner nutzen, darunter die Deutsche Bahn, sodass sie mit Ausnahme von Bus und Straßenbahn im AVV in Augsburg den Verkehrskorridor vom Rhein-Main-Gebiet bis nach München nutzen können, ohne die App wechseln zu müssen. Die beiden Geschäftsführer Jörg Puzicha und Volker Weiß haben aber große Pläne: „Unser Ziel ist es, die komplette Mobilitätsbranche in Mobility inside zu integrieren“, sagt Weiß. „Das bedeutet: die Tarife der Verkehrsverbünde und Verkehrsunternehmen und ergänzender Mobilitätsangebote wie Car- und Bikesharing.“

Mobility inside: App für Bus, Bahn, Straßenbahn, E-Bike und Carsharing

Jan Wehrheim nutzt die neue App nur für Fahrten im Ding-Gebiet, vor allem in Ulm. Der 18-Jährige wohnt in Oberelchingen und ist ebenfalls Testnutzer von Mobility inside. Was Wehrheim überzeugt, sind die In-App-Käufe. Das Bezahlen von Fahrkarten über das Programm sei bequemer als bei der älteren Ding-App. „Manchmal fand ich das da ziemlich umständlich“, berichtet er. Doch Jan Wehrheim hat auch ein Manko entdeckt: Die Ding-App bietet die Möglichkeit, häufige Fahrten zu favorisieren. Bei der Testversion von Mobility inside sei das nicht möglich, man müsse Start und Ziel immer neu eingeben.

Die meisten Anregungen drehten sich um die Darstellung und die Abläufe bei den Such- und Buchungsschritten, berichtet ein Pressesprecher. Zudem gebe es Wünsche nach weiteren Angeboten und Funktionen, insbesondere beim Portfolio der Fahrkarten. Dieser Fokus der Testnutzer ist aus Sicht der Projektverantwortlichen erfreulich: Er zeige, dass die App und die dahinterstehende Technik sehr zuverlässig und stabil funktionierten. „Die Anregungen der Fahrgäste zeugen davon, dass der Bedarf an vernetzten Angeboten und ein Wunsch nach mehr bestehen“, so der Sprecher.

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