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Biogas

13.07.2010

Neuer Goldrausch auf heimischen Feldern

Boom bei Biogas.
Bild: DPA

Treibstoff von heimischen Äckern statt arabischen Ölfeldern. In Neu-Ulm wird aus dem Trend nun eine Art Goldrausch: Investoren planen im Stadtteil Steinheim und im Steinhäule zwei riesige Biogasanlagen. Von Bernhard Junginger

Treibstoff von heimischen Äckern statt arabischen Ölfeldern: Davon träumen umweltbewusste Verbraucher und Politiker. Deshalb entstehen immer mehr Anlagen, die Wind, Sonnenstrahlen und Pflanzen in Strom oder Wärme umwandeln.

In Neu-Ulm wird aus dem Trend nun eine Art Goldrausch: Investoren planen im Stadtteil Steinheim und im Steinhäule zwei riesige Biogasanlagen. Die Größere der beiden wäre allein etwa drei Mal so leistungsstark wie alle acht bislang im Landkreis Bestehenden zusammen. Weil der Staat erneuerbare Energien mit Garantiepreisen kräftig fördert, wittern die Planer beste Geschäfte. Und die Zeit drängt: Mit dem ab 2012 geltenden neuen Energieeinspeisegesetz bekommen die Betreiber teils deutlich weniger Geld pro erzeugter Kilowattstunde. Beide Vorhaben sollen deshalb bis spätestens Ende 2011 ans Netz gehen, um noch in den Genuss der höheren Vergütung zu kommen.

In der Umgebung von Steinheim will der Konzern Corntec aus Twist bei Osnabrück eine Biogasanlage mit einer Gesamtleistung von rund einem Megawatt bauen. Um ein Kraftwerk dieser Größenordnung zu "füttern", müssen laut Landwirtschaftsamt etwa 400 Hektar Mais angebaut werden. Corntec betreibt deutschlandweit bereits elf solcher Anlagen, darunter in Langenau, Bächingen (Kreis Dillingen) und in Seligweiler. Für die drei süddeutschen Standorte ist Peter Schuler verantwortlich. Er berichtet, dass Steinheimer Landwirte auf Corntec zugekommen seien, weil sie von "guten Erfahrungen" der Kollegen gehört hätten, die die Anlage in Seligweiler beliefern. Gestern Abend fand in Steinheim eine Informationsveranstaltung über das Projekt statt, die bei Redaktionsschluss noch nicht beendet war. Etwa 20 Landwirte, sagt Schuler, müssten mitmachen, indem sie Anteile zeichnen oder sich zur Lieferung von Biomasse verpflichten. Aus dem Mais oder anderen Pflanzen solle dann reines Gas entstehen, das ins Erdgasnetz eingespeist wird - also nicht an Ort und Stelle in Strom umgewandelt, wie es in der Regel geschieht. Ein Standort für die Anlage, benötigt werden bis zu 2,5 Hektar, ist laut Schuler noch nicht gefunden.

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Die in Steinheim geplante Biogasanlage wäre mit bis zu einem Megawatt Leistung bereits etwa zehnmal stärker als die allermeisten, in der Regel von einem oder mehreren Landwirten betriebenen Biomasse-Kraftwerke. Was aber ein Vöhringer Geschäftsmann im Neu-Ulmer Steinhäule plant, wäre dreimal so groß wie das Steinheimer Projekt.

Robert Harder bestätigt Informationen unserer Zeitung, dass er mit seiner Firma "Ecoprojects Development" auf dem Gelände der ehemaligen Sondermüllbeseitigungsanlage eine Anlage mit umgerechnet etwa drei Megawatt Leistung errichten möchte. Er sucht bereits Landwirte und Investoren, die einsteigen wollen. Mit einer Gesamtinvestition von rund 14 Millionen Euro würden 15 Arbeitsplätze entstehen. Der Stadt brächte dies Steuereinnahmen von rund 800.000 Euro im Jahr, rechnet der ehemalige Vöhringer Spediteur und Wirtschaftskunde-Lehrer vor. Auch Harder will das Biogas auf Erdgasqualität reinigen und ins Netz einspeisen. Bei der Stadt Neu-Ulm sei bereits eine Bauvoranfrage gestellt worden, was die Behörde auch bestätigt. Von einem Vorhaben in Steinheim sei dagegen noch nichts bekannt, heißt es bei der Stadtverwaltung.

Landwirtschaftsamt mit gemischten Gefühlen

Das Landwirtschaftsamt Krumbach hat von beiden Projekten "zumindest gehört". Leiter Georg Stark sieht die Dinge durchaus zwiespältig. Für einige Landwirte könne der Einstieg in ein solches Betreibermodell durchaus sinnvoll sein. Ohne großes eigenes Risiko könnte so ein zusätzliches Standbein entstehen. Wer jedoch alle Chancen der grünen Energien nutzen will, "muss selbst etwas auf die Beine stellen - am besten zusammen mit anderen Landwirten". Positive Beispiele gebe es genug. Angesichts der riesigen benötigten Anbauflächen der beiden geplanten Großanlagen könne es in der Region künftig aber für bäuerliche Investoren eng werden.

Für kritische Fragen nicht nur von Anwohnern könnte die Verkehrsproblematik sorgen - wie zuletzt bei einer in Illertissen-Jedesheim geplanten Anlage. Denn je größer ein Kraftwerk, desto mehr Grünmasse muss teils von weit her angeliefert werden. Viele Landwirte fürchten zudem, dass die Pachtpreise für Ackerland steigen, wenn immer mehr Flächen für Biomasse benötigt werden. Ebenso werden sich die Betreiber den Bedenken von Umweltschützern stellen müssen, die vor der übermäßigen Ausbreitung von Mais-Monokulturen warnen. Bis der Stadtrat also grünes Licht für einen oder beide der Pläne gibt, wird es also wohl noch großen Diskussionsbedarf geben. Von Bernhard Junginger

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