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14.12.2015

Nichts ist gefährlicher als ein hungriger Mensch

Ergreifend: Sylvia Rohrhirsch sprach über ihre Arbeit in Kenia.
Foto: Andreas Brücken

Krankenschwester Sylvia Rohrhirsch aus Bellenberg berichtet über Entwicklungshilfe in Kenia

Es war kein Reisebericht von Sonnenuntergängen, malerischen Landschaften oder traumhaften Sandstränden, den Krankenschwester Silvia Rohrhirsch den rund 20 Besuchern im Therese-Studer-Haus präsentierte. Statt Postkartidylle zeigte sie Bilder von vom Erdbeben zerstörten Dörfern in Pakistan, leidenden Kindern in kenianischen Flüchtlingslagern und verzweifelten Vätern, die zusehen müssen, wie ihre Kindern verhungern. Dabei sei nichts gefährlicher, als ein hungriger Mensch, der nichts zu verlieren hat, sagt die Bellenbergerin, die seit mehr als zehn Jahren für den Arbeiter Samariter Bund (ASB) als Ausbilderin in Krisengebieten auf der ganzen Welt unterwegs ist.

Doch sei sie in diesen Jahren auch immer wieder von der Gastfreundschaft der Menschen überrascht gewesen. Denn gerade die Ärmsten zeigten oft große Bereitschaft zu teilen, so Rohrhirsch und zeigte ein Foto von einem älteren Mann, der die Hilfsmannschaft in Pakistan täglich mit einer Schale Reis versorgte. „Wir hätten diesen Herrn zu tiefst in seinem Stolz verletzt, wenn wir seine Gastfreundschaft abgelehnt hätten“, erzählt sie.

Bei einem Einsatz in Kenia wurde sie mit einer Frage über die europäischen Essensgewohnheiten konfrontiert. Eine junge Mutter hätte gehört, dass dort am Morgen, am Mittag, am Abend und zwischendurch immer gegessen würde. Die Antwort sei Rohrhirsch schwer gefallen, wie sie sagt. Eine bittere Kuriosität: Der riesige Viktoriasee, der nur 60 Kilometer entfernt liegt, würde genug Nahrung für die Menschen in der Region bieten. Doch sei der Viktoriabarsch für die Einwohner nicht zu bezahlen, weil er als Fisch in die Industrienationen verkauft werde.

Doch zeigt Rohrhirsch auch Hoffnung im Elend auf: „Bildung ist der Ausweg aus dem Teufelskreis von Armut, Abhängigkeit und Ausbeutung.“ Das sei der Grund dafür gewesen, gemeinsam mit dem ehemaligen Spitzensportler Felix Limo aus Kenia in der Stadt Eldoret eine Schule für Waisenkinder gegründet. Neben Rechnen und Schreiben steht hier auch eine tägliche Mahlzeit für die Schüler auf dem Stundenplan. Und das sei für die wenigsten Kinder selbstverständlich, so Rohrhirsch. Sie zeigte ein weiteres Foto von einem Mädchen mit großen schwarzen Augen, das strahlend aus einer Tasse seinen Tee trinkt. Doch dringend müsste ein neuer Brunnen für die Schule gebohrt werden. Die Kosten dafür, etwa 15 000 Euro, könnten nur aus Spenden finanziert werden.

Das letzte Bild des ergreifenden Reiseberichts zeigt schließlich die Krankenschwester mit der kleinen Rachel, die auch eine Chance in der Schule in Eldoret bekommen soll. Damit es für das Kind eine hoffnungsvolle Zukunft gibt, sammelt Rohrhirsch Geld für den Schulbau. (anbr)

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