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Ausgrabungen

21.03.2012

Ofen raus im Fischerviertel

Die Reste eines mittelalterlichen Keramikofens haben Archäologen bei Grabungen im Fischerviertel entdeckt.
Bild: Dagmar Hub

Archäologen fördern mittelalterliche Überreste in der Altstadt zutage. Bis Juni haben sie noch Zeit

Ulm Das Fischerviertel gehörte spätestens seit der Stadterweiterung von 1316 zum bewohnten Gebiet des reichsstädtischen Ulm. Im Fischer- und Gerberviertel lag auch der „Stadelhof“, ein königseigener Gutshof zur Versorgung der Pfalz.

Dass man beim Abriss des Eckhauses Fischergasse 34 (hier entsteht bis 2013 die neue Fischerplatz-Galerie) auf archäologisch Relevantes stoßen würde, davon war Dr. Jonathan Scheschkewitz vom württembergischen Landesamt für Denkmalpflege überzeugt gewesen. Und spannend wurde es für die Archäologen tatsächlich, nachdem im Februar die Abrissbirnen angerückt waren.

Noch kann Scheschkewitz nichts wirklich Genaues sagen, denn nicht nur muss zunächst der aktuelle Befund ausgewertet werden – es stellte sich auch heraus, dass die Planierschichten an der Grabungsstelle einen Meter dick sind. Manche Entdeckung, die bisherige stadtgeschichtliche Erkenntnisse präzisieren könnte, mag noch unter dem derzeit sichtbaren Befund verborgen sein.

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Die bunten Bodenschichten, die der Passant in der Fischergasse hinter den Zäunen sieht, kann der Archäologe aber bereits erklären: Eine große Ofenkonstruktion ist für die Archäologen aus den roten Bodenschichten erkennbar, Keramikfunde aus dem späteren Mittelalter passen zu diesem Befund. „Das Fischerviertel war im Mittelalter von Handwerkern bewohnt. Eine Gerberei würde hervorragend an diesen Ort passen“, sagte Scheschkewitz.

Bis Juni haben die Archäologen Zeit, die dicken Schichten auszugraben. „Das schaffen wir auf jeden Fall“, ist sich Scheschkewitz sicher. Die derzeit sichtbaren ockerfarbenen lockeren Schichten erklärt der Experte als eine Art Estrichboden des Mittelalters, lösshaltigen Stampflehmboden. „Die schwarze Schicht ist Planierboden.“

An der Stelle des abgerissenen Eckhauses stand bis zur Bombardierung Ulms im Dezember 1944 ein altes Fachwerkhaus. Ob die Befunde zu diesem Haus oder zu dessen Vorgängerbau (den es laut Scheschkewitz definitiv gab) gehören, werden die Archäologen demnächst wissen. Auch Touristen und Passanten im Fischerviertel sollen demnächst mehr erfahren: Bald wird eine Tafel am Zaun erläutern, was die Archäologen ergraben.

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