1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. "Prominente nicht immer vorschnell verurteilen"

21.07.2008

"Prominente nicht immer vorschnell verurteilen"

Verona Pooth - früher Feldbusch - hat seit Monaten mit der Steueraffäre ihres Ehemannes Franjo Pooth zu kämpfen. Franjo Pooth hatte Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe erstattet. Im Mittelpunkt steht seine insolvente Firma "Maxfield". Ehefrau Verona ist jetzt jedoch mit in den Strudel der Ermittlungen geraten.

Stets beteuerte Pooths prominente Frau zwar, nichts mit der Sache zu tun zu haben. Doch nun gerät auch ihr eigenes Unternehmen, die Dessous- und Kosmetikfirma "Verona¿s Dreams", unter Verdacht. Gegen Verona Pooth wird wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung ermittelt (wir berichteten). Die 40-Jährige soll sich private und eigene geschäftliche Ausgaben von "Maxfield", der Firma ihres Mannes, bezahlt haben lassen, so Reisen, Anschaffungen sowie die Dienste ihres Chauffeurs und Leibwächters. Zudem sollen "Maxfield"-Mitarbeiter für Verona Pooths Kosmetikfirma "Verona¿s Dreams" gearbeitet haben.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Ihr einstiger Finanzberater im Unternehmen war indes kein Geringerer als der CSU-Bundestagsabgeordnete Dr. Georg Nüßlein. Er war Mitglied des Aufsichtsrates bei "Verona¿s Dreams". Das Ganze resultierte aus der Zeit seiner früheren Arbeitsstelle im renommierten Münchner Bankhaus Reuschl & Co.

Nüßlein hatte allerdings schon vor Jahren von selber die Reißleine gezogen, als er in den Bundestag gewählt worden war. "Beides lässt sich nicht vereinbaren", sagte der Münsterhausener Senkrechtstarter damals. Auch so manche schmunzelnde Spitze von Politikkollegen hatte er sich deshalb gefallen lassen müssen. Das passte nun aber gar nicht zum seriösen CSU-Image.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Von den Vorgängen, die mittlerweile rund um die Pooths Schlagzeilen machen, erfährt Nüßlein stets auch nur aus der Presse. "Zu meiner Zeit gab es keine Verbindung beider Firmen", betont er. Doch wenn Nüßlein sich die Entwicklungen heute ansieht, ist er sich sicher: "Es war die einzig richtige Entscheidung, zu gehen."

Die "Maxfield"-Pleite von Franjo Pooth sieht Nüßlein dagegen professionell nüchtern. "Das war und ist unternehmerisches Risiko", sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. "Franjo Pooths Geschäft ist eine sehr schwierige Branche." Das habe nichts mit einem aufwendigen Lebensstil zu tun.

In Veronas Firma sei er, Nüßlein, stets nur beratend tätig gewesen, "zwei, drei Jahre vielleicht." Danach entziehe es sich seiner Kenntnis, wie alles weitergegangen sei. Jedenfalls hätten die zwei Unternehmen nichts miteinander zu tun gehabt. "Maxfield war zu dem Zeitpunkt ja erst in der Diskussionsphase." Nüßleins private Kontakte zur Familie Feldbusch-Pooth seien heute nur noch gering, wenngleich freundschaftlich.

"Es war einfach zu viel Publizität", sagt der CSU-Politiker rückblickend, dreht den Spieß aber gleich um. Dinge wie diese könnten jedem passieren. "Doch wenn der Prominentenfaktor hinzukommt, wird alles schonungsloser." Aus diesem Grund appelliert der CSU-Mann, Informationen generell kritischer zu hinterfragen und spart dabei weder mit Kritik an den Medien noch an seinem juristischen Berufsstand. "Bei dem, was Staatsanwälte manchmal vorschnell öffentlich sagen, frage ich mich schon nach dem öffentlichen Interesse." Man nehme nur den Fall Max Strauß. Von seinem Freispruch habe der nun nichts mehr, "dafür ist er fertig." Und irgend etwas bleibe am Ende ja doch hängen, so Nüßlein, der fragt: "Wenn am Ende nichts dran ist, wer zahlt dann den Schaden?"

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren