Newsticker

Corona: Altmaier fordert Überprüfung der bisherigen Corona-Maßnahmen
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Prozess: Pizza, Pasta, Amore – und ein Familiendrama

Neu-Ulm

16.07.2020

Prozess: Pizza, Pasta, Amore – und ein Familiendrama

Im Landgericht Memmingen wurde am Mittwoch über einen versuchten Raub mit Körperverletzung verhandelt.
Bild: Alexander Kaya

Plus Ein 29-Jähriger soll in Neu-Ulm einen Raub an seinem Schwiegervater in spe geplant haben. Nun steht er vor Gericht.

Die junge Frau mit den dunklen, langen Haaren starrt auf die Tischplatte, mehrere Sekunden lang ist es still im Gerichtssaal des Landgerichts Memmingen, sie hadert und ringt um Fassung. Schließlich schaut die 32-jährige Zeugin auf und sieht dem Angeklagten tief in die Augen. Dann kommen ihr wieder die Tränen, ihre Stimme zittert und sie flüstert: „Ich kann das nicht.“

Verlobt oder nicht? Das weiß an diesem Tag keiner so genau

Die Frau soll gegen ihren Verlobten oder auch Ex-Freund aussagen. Wie die beiden zueinanderstehen, unterscheidet sich je nach Aussage: Sie meint, sie seien „italienisch verlobt“, die Anklageschrift nennt sie Ex-Freundin. Im Mai vergangenen Jahres soll der Angeklagte einen Raubüberfall auf den Vater der jungen Frau, einen 57-jährigen Gastronom aus Neu-Ulm, geplant haben. 8000 Euro hatte der Gastronom in der Nacht des geplanten Raubes bei sich, die Einnahmen von vier Tagen im Ulmer Restaurant. Beim Verhandlungstag am Mittwoch steht der 29-jährige Angeklagte im Vordergrund. Seine Komplizen, beziehungsweise die beiden Männer, die den Raub ausgeführt haben, hatten eigene Verfahren. Zum dritten Mal muss das Opfer also seine Version der Geschichte erzählen. Der Mann führt zwei italienische Restaurants, eines in der Ulmer Innenstadt, das andere in Vöhringen. Er habe mit dem Freund seiner Tochter noch nie etwas anfangen können, sagt er vor Gericht.

8000 Euro hatte der Gastronom bei sich, die Einnahmen von vier Tagen im Restaurant

Der Angeklagte soll den damaligen Koch des Ulmer Restaurants gefragt haben, ob er ihm helfen könne, seinen Schwiegervater in spe zu verprügeln. So zumindest die Aussage des 23-jährigen Kochs, der als Zeuge geladen war. Er vermutete, dass es familiäre Probleme gab, fragte aber nicht weiter nach dem Grund für den Plan. Da er seinen Chef nicht schlagen wollte, fragte er einen Bekannten, einen „verrückten Kopf und Schlägertyp“, um Hilfe. Eine ungewisse Summe sollte als Belohnung für den Helfer herausspringen. Der junge Mann habe eingewilligt und einen Kumpel gefragt, der ihm beim Überfall helfen sollte. Die beiden besorgten einen Elektrotaser, um den Gastronom auf dem Heimweg vom Restaurant zu dessen Wohnung zu überwältigen. Der Koch wusste laut seiner teilweise wirren Aussage nichts von den Tageseinnahmen, die der Gastronom bei sich tragen sollte. Beim versuchten Raub konnte der 57-Jährige die Tasche mit den 8000 Euro über den Gartenzaun der Nachbarn werfen, dann rief er um Hilfe und die Täter rannten weg. In den weiteren Befragungen kommen finanzielle Probleme des Angeklagten zur Sprache. Der Koch war, wie er selbst sagt, als „Mittelmann“ in dem ganzen Prozess beteiligt und gab lediglich die Anweisungen des angeklagten Schwiegersohns, der ebenfalls im Restaurant in Ulm arbeitete, an die Ausführenden weiter.

Prozess: Pizza, Pasta, Amore – und ein Familiendrama

Der Angeklagte bekommt zwei Jahre und sechs Monate für den versuchten Raub

Der Täter schweigt am Verhandlungstag und sagt nichts zu seinem Motiv. Er versucht allerdings, sich beim Vater seiner Freundin für die Tat zu entschuldigen, doch der akzeptiert weder die Entschuldigung noch die 500 Euro Schmerzensgeld, die beim Verteidiger hinterlegt wurden. „Er hat vier Jahre in unserer Familie gelebt, er muss von hier und meiner Tochter verschwinden“, sagt der Restaurantchef, die Wut in seiner Stimme ist nicht zu überhören. Seine Tochter sieht das anders. Zwar kann sie ihre Beziehung zum Angeklagten nicht erklären, verweilt dafür in den Pausen bei der Familie des Angeklagten, die für den Prozess aus Italien anreiste, und umarmt und küsst den 29-Jährigen nach der Verhandlung. Die beiden haben einen Sohn, der bald in den Kindergarten kommen soll.

Doch der Vater wird einen Teil der Kindheit seines Sohnes nicht mitbekommen. Er wurde zu zwei Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt – wegen versuchten Raubes in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Lesen Sie auch:
Enkeltrick: Geldabholer sitzt in Untersuchungshaft
Nacktbilder: 15-Jährige erpresst 57-Jährigen. Festnahmen an Baggersee im Kreis Neu-Ulm
Polizisten im Landkreis Neu-Ulm: „Die Gewalt erreicht ein neues Niveau“

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren