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Pfaffenhofen

16.10.2020

Prozess in Neu-Ulm: Mann finanziert Spielsucht mit Online-Betrug

Wegen Betrugs stand ein Mann in Neu-Ulm vor Gericht.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Plus Ein 32-Jähriger aus dem Landkreis verkaufte Smartphones und Tablets, die er nie verschickte. Deshalb muss er sich vor dem Amtsgericht Neu-Ulm verantworten.

Ein 32-jähriger Mann aus Pfaffenhofen hat elektronische Geräte verkauft und Geld kassiert – die Ware aber nie versendet. Davon ist das Amtsgericht Neu-Ulm überzeugt und hat ihn wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 14 Fällen zu zwei Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten sowie einem Jahr und vier Monaten verurteilt, jeweils ausgesetzt zur Bewährung.

Bereits zu Beginn des Prozesses gestand der Angeklagte alle ihm zur Last gelegten Punkte. Es ging um elf Fälle des gewerbsmäßigen Betrugs. Von August 2018 bis Januar 2020 soll er über die Online-Plattform E-Bay-Kleinanzeigen iPhones und Tablets an Interessenten verkauft und den Kaufpreis kassiert haben. Die Ware verschickte er jedoch nie. So entstand ein Betrugsschaden in Höhe von rund 3000 Euro.

Prozess in Neu-Ulm: Verteidiger nennt Betrug "dilettantisch"

Der Grund für die Betrugstaten lag laut dem Angeklagten in seiner Spielsucht. Hierfür brauchte er sein Gehalt innerhalb weniger Tage bereits zum Monatsanfang auf. Kleine Gewinne, die er sich hin und wieder erspielte, reinvestierte er umgehend. Um seine Spielsucht weiter zu finanzieren, nahm er mehrere Kredite bei verschiedenen Banken auf. Als diese Geldquelle versiegte, begann er mit den Fake-Verkäufen über E-Bay-Kleinanzeigen.

Laut dem Verteidiger wurde dem 32-Jährigen letztlich sein „dilettantisches Handeln“ zum Verhängnis. Auf Anfragen der Käufer nach den Kontodaten und dem Personalausweis übermittelte er tatsächlich Bilder seiner echten Dokumente. Somit konnten sich die Geschädigten, nachdem diese die Ware nicht erhielten und der Kontakt mit dem Angeklagten abbrach, mit den erhaltenen Bildern an die Polizei wenden. Die einzelnen Betrugssummen beliefen sich zwischen 135 Euro und 555 Euro.

"Sonderfall der Sonderfälle": Betrüger muss nicht ins Gefängnis

Der Anwalt des Angeklagten zeichnete das Bild eines in der Spielsucht gefangenen Menschen, der zuvor noch nie straffällig geworden und von Februar 2020 an für acht Wochen inklusive Nachsorge erfolgreich therapiert worden sei. Zudem zahle der Angeklagte das ergaunerte Geld bereits ratenweise an die Geschädigten zurück. So hielt der Verteidiger eine zweijährige Bewährungsstrafe für ausreichend. Die Staatsanwaltschaft forderte jedoch eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten ohne Bewährung, da der Angeklagte bereits Ende 2019, ebenfalls wegen Betrugs, zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde und gegen diese mit neuen Betrugstaten verstieß.

Die Vorsitzende Richterin urteilte schließlich, dass der Angeklagte zwei Freiheitsstrafen erhält, die jeweils zur Bewährung ausgesetzt werden. Die erste resultiert aus der noch nicht erfüllten Bewährungsstrafe aus 2019. Bei der zweiten geht es um die jetzige Anklage. Die Richterin bezog sich in ihrem Urteil auf die Ausführungen des Verteidigers, dass ein Freiheitsentzug für den Beschuldigten in der jetzigen Phase kontraproduktiv wäre, da der 32-Jährige wieder auf dem richtigen Weg sei. Er sei erfolgreich therapiert, sei nie zuvor straffällig gewesen, habe einen langjährigen Job und ein stabiles Umfeld und er wolle den entstandenen Gesamtschaden vollständig begleichen.

Mit dem Hinweis, dass der Angeklagte der „Sonderfall der Sonderfälle“ sei und seine „Bewährung am seidenen Faden“ hinge, verzichtete die Vorsitzende Richterin auf eine Gefängnisstrafe.

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