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Aktion

19.09.2011

Raus aus dem Zug, rauf auf die Kutsche

Viele Weißenhorner nutzten am Samstag die Möglichkeit, mit dem Zug kostenlos nach Ulm zu fahren. Für einen Tag steuerte das Shuttle-Bähnle den Bahnhof in Weißenhorn an. 2013 soll die Strecke wieder in Betrieb genommen werden.
Bild: Foto: Stonies

Beim autofreien Samstag steuerte die Bahn für einen Tag wieder Weißenhorn an. Mit „Promille-Brille“ durch den Parcours am Bahnhof

Weißenhorn „Grün ist in“ steht auf einem Plakat der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) am alten Weißenhorner Bahnhof. Bundesweit kaufen die Menschen Bio-Produkte, fahren in Gemeinschaften oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit. Diese Einstellung ist ökologisch richtig und in Großstädten wie Hamburg oder Stuttgart leicht umsetzbar. Doch hier auf dem Land in unserer Region? Ohne Auto in der Fuggerstadt – geht das überhaupt?

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Viele Weißenhorner können nicht auf das Auto verzichten

Der autofreie Samstag sollte ein Zeichen setzen. Alle zwei Stunden fuhr ein Zug von Weißenhorn über Senden nach Ulm und wieder zurück. Kostenlos, durch die gesamte Donau-Iller Region. Der 36-jährige Tobias Waltha besuchte am Samstag mit seinem Sohn den Bahnhof der Fuggerstadt. „Ich freue mich, wenn in Weißenhorn 2013 wieder ein Zug fährt. Am Wochenende nach Ulm zum Einkaufen ohne Verkehrsstress und das in 25 Minuten“, sagt er. Und dennoch könnte Tobias Waltha nicht aufs Auto verzichten. Seine Arbeitsstelle ist in Memmingen und diese Verbindung ist nur durch mehrmaliges Umsteigen überhaupt möglich.

Raus aus dem Zug, rauf auf die Kutsche

Ein anderes Beispiel ist Alexandra Barth aus Wain. Die Bilanzbuchhalterin arbeitet bei der Weißenhorner Milchmanufaktur und pendelt daher jeden Tag in die Fuggerstadt. „Das Auto ist teuer und auch wenn eine direkte Verbindung von Wain nach Weißenhorn nicht vorhanden ist, so würde ich mir eine bessere Anbindung an Zug und Bus wünschen.“

So sehen das viele Fuggerstädtler. „Das, was unserer schönen Stadt noch fehlt, sind bessere Anbindungen“, sagt ein weiterer Fahrgast. Beim Aktionstag war der Bahnhof gut besucht. Viele nutzten die Gelegenheit, mit dem Zug nach Ulm oder nach Senden zu fahren. Andere wiederum bestiegen den Bus nach Roggenburg. Viele informierten sich an den Infoständen der Agenda 21, SWU, DB ZugBus sowie bei dem Gemeinschaftsstand der bayrischen Polizei und der Verkehrswacht Weißenhorn.

Lukas, einer der jüngeren Fahrgäste, ließ es sich nicht nehmen, beim Fahrradparcours der Ordnungshüter den Eltern sein fahrerisches Können zu demonstrieren, während der Vater von Polizeichef Gerhard Klingler kurzerhand eine 1,3 Promille Brille bekommt und der Senior selbst mit einem Sackkarren ausgestattet einen Geschicklichkeitsparcours ablaufen darf.

Diese Brille simuliert die menschlichen Bewegungen und Reaktionen mit einer Blutalkoholkonzentration von 1,3 Promille. „Es soll ja Leute geben, die damit noch fahren können. Ich kann nicht mal mehr laufen“, sagte der Vater von Lukas. Wenn man Vater und Sohn vergleicht, muss man dieser Aussage zustimmen. Denn Lukas hat seinen Parcours viel besser gemeistert. Die Schützenkapelle Wallenhausen unterhielt die Besucher und Fahrgäste mit ihrer Musik. Kaffee und Leberkäswecken gab es am Infostand der CSU und Jungen Union.

Etwas nostalgischer waren kostenlose Kutschfahrten vom Bahnhof durch die Altstadt zum Stadtpark. Diese Art des öffentlichen Personennahverkehrs ist heuer freilich nicht mehr möglich.

„Alles wird immer in der modernen Welt schneller und hektischer. Da besinnt man sich manchmal auf ruhige Reisen längst vergangener Zeit, als zwei Pferdestärken und eine Kutsche noch ausreichten“, sagt Gerhard Hoyer aus Illertissen. Der 91-Jährige hat die Zeit erlebt, als die Autos noch in der Minderheit waren und mehr Leute in Kutschen unterwegs waren.

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