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Landkreis Neu-Ulm

31.01.2020

Regio-S-Bahn elektrisiert nicht alle

Der Vöhringer Bahnhof ist nicht gerade anheimelnd.
Bild: Alexander Kaya

Der Landrat stört sich an „Bedenkenträgern und Jammerlappen“. Da gibt ihm einer Kontra

Hoch beglückt ist derzeit Landrat Thorsten Freudenberger, weil die Regio-S-Bahn so langsam Gestalt annimmt. Beim Ausbau der Illertal-Bahn gibt es zumindest in der Planung einige entscheidende Fortschritte, sodass das Projekt in zehn Jahren verwirklicht sein könnte. Deshalb bedauerte er, dass es immer noch „Bedenkenträger und Jammerlappen gibt, denen das nicht reicht“, wie er in der jüngsten Sitzung des Wirtschafts- und Verkehrsausschusses des Landkreises sagte. Dabei sei ein länderübergreifender Erfolg erzielt worden. Doch dann schüttete einer Wasser in den Wein.

Bei der Regio-S-Bahn ist er Grüne nicht so euphorisch

Franz Schmid mochte in den Jubel nicht einstimmen: „Ich bin nicht ganz so euphorisch“, bekannte der Grüne, er könne sich da nicht in großer Dankbarkeit wälzen. Seit Jahrzehnten sei an der Linie nichts gemacht worden. Was jetzt unternommen werde, bringe die Strecke lediglich auf den heutigen Stand: „Wir bauen nicht für die Zukunft.“ Die Signalanlagentechnik in Vöhringen und Senden stamme entweder aus der Vorkriegszeit oder den 40er Jahren. Diese Wortmeldung wiederum ärgerte den Landrat: „Mit dem Maßstab ,mehr geht immer’ kann man jedes Projekt kleinreden.“

Elektrozeitalter auf der Illertal-Bahn

Oliver Dümmler, Geschäftsführer des Vereins Regio-S-Bahn Donau-Iller findet, dass jetzt sogar noch mehr erreicht wurde, als noch vor Jahren angestrebt. In dem vergangene Woche vorgestellten Gutachten, das die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) im Auftrag des Verkehrsministeriums erarbeitet hat, wird die Elektrifizierung der gesamten Strecke empfohlen. Damit geht eine schier unendliche Diskussion zu Ende. Die nächsten zehn Jahre soll zwischen Neu-Ulm und Kempten noch gedieselt werden, doch dann bricht auch im Illertal das Elektrozeitalter an.

Regio-S-Bahn elektrisiert nicht alle

Wie Dümmler erklärte, gab es auch Vorschläge zu alternativen Antrieben der Züge, etwa sogenannte Oberleitungs-/Batteriehybride, für die nicht die gesamte Strecke mit Leitungen versehen werden müsste. Immerhin kostet ein Kilometer Elektrifizierung über ein Million Euro. Zur Wahl standen auch Züge mit Brennstoffzellen- und Batterieantrieb. Doch es habe sich herausgestellt, dass mit solchen Antrieben die Fahrpläne nicht eingehalten werden können: Es fehle den Zügen an Beschleunigung, sie seien zu schwer und brächten nicht die nötige Höchstgeschwindigkeit. Deshalb soll die Strecke elektrische Leitungen erhalten, was wiederum an ander Stelle zu Einsparungen führt: Wegen der besseren Beschleunigung müssen weniger lange Streckenabschnitte zweigleisig werden, was an dieser Stelle die Kosten senkt.

Wenig prickelnder Bahnhof

Um eine schmucke S-Bahn hinzubekommen, welche die Menschen gerne benutzen, müssten auch die Bahnhöfe ansprechend sein, findet Freudenberger. Doch genau daran hapert es streckenweise. Etwa in Vöhringen, wie Ludwig Daikeler (SPD) beklagte. Die Station sei in einem desolaten Zustand, es fehle an Toiletten und einem Warteraum: „Prickelnd ist das nicht.“ Laut Dümmler fühlt sich die Deutsche Bahn aber dafür nicht zuständig, ihre Verantwortung ende an der Bahnsteighinterkante. Da müssten die Kommunen einsteigen. Das sagte so ähnlich auch der Landrat: „Wenn man sich da nicht gerne aufhält, dann wird das nichts.“



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