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Ulm

30.06.2012

Richtfest als Zeichen von Normalität

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Der Rohbau steht. Ein Besuch in der künftigen Ulmer Synagoge, die im Dezember eröffnet werden soll

Ulm Die neue Ulmer Synagoge ist das erste Gebäude, das je auf jenem Fleck am Ulmer Weinhof errichtet wurde. „Wir hoffen, dass es auch das letzte ist“, sagte Ortsrabbiner Schneur Trebnik gestern beim Richtfest. Nur einen Steinwurf entfernt, dort wo derzeit die Sparkasse ihren neuen Stammsitz baut, stand bis zur Zerstörung 1938 durch die Nazis die alte Synagoge.

Kein alltägliches Richtfest also, sondern eines von historischer Tragweite. Und dies auch, weil in Ulm die deutschlandweit einzige in Bau befindliche Synagoge steht. „Juden können wieder in Deutschland Synagogen bauen. Juden können wieder normal in Deutschland leben“, sagte Michael Kashi, Vorstandsmitglied des Bauherrn, der Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW).

Zwar ist das rituelle Bad (Mikwe), für dessen Bau im Keller eigens Spezialisten aus den USA eingeflogen wurden, fertig. Doch ansonsten braucht der Besucher noch viel Fantasie, um im Rohbau sakrale Erhabenheit zu finden. Wohl auch, weil die Fassade aus Altmühltaler Jura noch fehlt und überall Kabel von den Decken hängen. Der nach Jerusalem gerichtete Synagogenraum, der später einmal die Tora-Rollen beherbergen wird, strahlt allerdings allein durch seine Höhe über mehrere Stockwerke nebst Empore und natürliches Oberlicht selbst als Rohbau eine gewisse Geistlichkeit aus. Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner lobte „die hohe Qualität“ der Architektur. „Ein tolles Werk“. Programmtische Reden wolle er sich für die feierliche Eröffnung im Dezember aufsparen.

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Die Synagoge mit Gemeindezentrum, wird die zentrale Anlaufstelle für Juden aus der Stadt Ulm, Ost-Württemberg und dem angrenzenden bayerischen Alt-Schwaben sein. Neben dem Synagogenraum für bis zu 124 Personen wird sie auch einen Gemeindesaal, Kindergarten und Jugendzentrum beherbergen. „Der Neubau unseres Ulmer Gemeindezentrums ist für alle Juden Württembergs eine zukunftweisende Weichenstellung, denn mit diesem Neubau bekennen wir uns zu einer dauerhaften jüdischen Zukunft hier in Ulm“, sagte IRGW-Vorstandsmitglied Michael Kashi.

Offenbar verleiht das insgesamt 4,6 Millionen Euro teure Gebetshaus der kleinen jüdischen Gemeinde schon jetzt Zulauf. Bei Rabbiner Trebnik melden sich „fast wöchentlich“ jüdische Menschen, die Mitglied werden wollen.

Derzeit zählt die Ulmer Gemeinde laut Trebnik etwa 450 Mitglieder. Wie berichtet, halten führende Mitglieder der Israelitischen Religionsgemeinschaft den Neubau für zu groß und zu teuer. Gestern war dies allerdings kein Thema. „Das jüdische Leben wird mit dem Neubau einen gewaltigen, qualitativen Sprung nach vorne machen“, betonte Michael Kashi. Den eingeschlagenen Weg sieht er und Vorstandskollegin Susanne Jakubowski als bestätigt.

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