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Senden

21.01.2021

Senden baut neues Schulzentrum für 25 Millionen Euro - wie wird das finanziert?

Die neue Vierfach-Turnhalle soll nördlich der Holsteinstraße (links im Bild) entstehen. Die alte Turnhalle (Bildmitte) wird abgerissen, an ihrer Stelle sollen das Zentralgebäude und rechts daneben die neue Grundschule kommen. Auf der Fläche am unteren Bildrand entstehen das größere HPZ und eine Sportfläche.
Bild: Alexander Kaya

Plus Die Stadt Senden braucht dringend mehr Klassenzimmer und plant jetzt eine weitere Grundschule. Die marode Turnhalle soll durch eine größere ersetzt werden. Die Probleme: die Parkplätze und die Zeit.

Es ist groß, es ist teuer – und es eilt: Senden plant entlang der Langen Straße ein Schulzentrum für derzeit insgesamt grob geschätzt 25 Millionen Euro. Die Idee und der Wille zu diesem Schritt besteht, seit man erfahren hat, dass die bestehende Dreifach-Turnhalle nicht mehr lange genutzt werden kann und viele Klassenzimmer fehlen. Dass eine Entscheidung über zig Millionen so schnell gefällt wird, ist dennoch gerade für die Sendener ungewöhnlich – die Stadt ist bekanntlich knapp bei Kasse.

Bürgermeisterin Claudia Schäfer-Rudolf (CSU) leitete den Punkt bei der Sitzung des Stadtrats mit den Worten ein: „Ich weiß, es ist eine sehr schnelle Entscheidung über eine sehr hohe Summe, aber es ist eine Altlast und die Zeit drängt.“

Bereits 2023 fehlen Senden demnach die ersten Klassenzimmer. Deswegen müssten bis Ende September Förderanträge bei der Regierung von Schwaben eingereicht werden. Kurzum: „Sie müssen heute bitte eine Entscheidung fällen, wir haben keine andere Möglichkeit, sonst rechtzeitig fertig zu werden.“

Dreifach-Turnhalle in Senden ist in schlechtem Zustand

Bei den Überlegungen, die jetzt zu einem größeren Schulzentrum in Sendens Osten geführt haben, haben vor allem zwei Dinge eine Rolle gespielt. Zum einen kam im Sommer heraus, dass die dortige Dreifach-Turnhalle in derart schlechtem Zustand ist, dass sie dringend saniert oder neu gebaut werden muss.

Der Neubaupreis (insgesamt 6,5 Millionen) lag Schätzungen zufolge nur eineinhalb Millionen Euro über dem einer Sanierung, weswegen sich der Wunsch nach einem Neubau schnell als Favorit herauskristallisierte. Dass die Turnhalle nun vier Abteile bekommen soll, hat mit Mehrbedarf durch eine weitere Grundschule zu tun – dem zweiten Grund für ein neues Schulzentrum.

Die Verwaltung hat analysiert, dass an der Grundschule in Senden langfristig fünf Klassenräume fehlen, in Wullenstetten und Ay jeweils drei. Gründe seien generell steigende Schülerzahlen und die geplanten Neubaugebiete in Senden. Entweder man erweitere die jeweiligen Standorte oder man baue eine neue Grundschule. Ersteres lasse sich jedoch schwer umsetzen, sagte der zuständige Geschäftsbereichsleiter Walter Gentner.

„Es führt kein Weg an einem neuen Schulgebäude vorbei.“

In Senden stehen schon jetzt Container, es sei nicht überall Platz und zudem habe man sonst drei Baustellen an drei Orten bei laufendem Schulbetrieb. „Es führt kein Weg an einem neuen Schulgebäude vorbei.“ Zudem ist geplant, eine Art Zentralgebäude zu bauen, in das Mensa und Ganztagesbetreuung einziehen sollen, aber auch Kurse der Erwachsenenbildung für Sendener oder Ähnliches stattfinden könnten.

Außerdem sind in dem Projekt die bereits genehmigte Erweiterung der Wirtschaftsschule, ein neuer Sportplatz, Außenanlagen, eine Wendefläche für den Busverkehr sowie ein Kreisverkehr an der Ecke Lange Straße/Grundweg enthalten. Zudem will die Lebenshilfe ihr Heilpädagogisches Zentrum (HPZ) neu bauen und dafür mit der Stadt ein Grundstück auf dem hinteren Teil des Areals tauschen. Doch mit diesem Projekt hat die Stadt sonst nichts zu tun, Bau- und Kostenträger ist die Lebenshilfe.

Kostenpunkt: 25 Millionen Euro - wie wird das finanziert?

Kämmerer Manuel Haas sagte, es sei keine Frage, ob man dies finanzieren könne, sondern wie. Denn Bildung sei eine kommunale Pflichtaufgabe. Von den Gesamtkosten in Höhe von circa 25 Millionen Euro machen die Turnhalle mit 8,5 Millionen Euro und die Schule mitsamt Zentralgebäude mit 8,7 Millionen Euro einen Großteil aus. Diese Beträge könnten mit bis zu 55 Prozent der zuschussfähigen Kosten gefördert werden.

Dafür muss Senden jedoch den Förderantrag bei der Regierung von Schwaben vor Baubeginn stellen. Und dieser wiederum eile, denn die Stadt brauche Klassenzimmer. Die Bürgermeisterin machte nochmals deutlich: Wenn nicht sofort beschlossen werde, was getan werden solle, könne man den Termin Ende September nicht halten und müsse ein ganzes Jahr länger warten. Und sie warb für das Projekt: Es sei eine Investition in die Zukunft und besser als kleinteilige Erweiterungen.

Die Verwaltung hätte zudem gerne eine Art offene Tiefgarage unter der Turnhalle gehabt, um weniger Flächen für Parkplätze versiegeln zu müssen und mehr Platz für mögliche zukünftige Erweiterungen zu haben. Der Notwenigkeit eines größeren Schulzentrums widersprach kaum einer, auch bezüglich der schnellen Entscheidung reagierten die meisten Räte gelassen – die Unterlagen lagen schon einige Tage vor und es gab Vorgespräche.

Die Mehrzahl der Räte favorisierte die Variante, bei der die Lebenshilfe unter anderem durch einen Flächentausch etwas mehr Raum für ihre geplante Erweiterung zur Verfügung gestellt bekommt, aber dennoch Platz für einen Sportplatz übrig bleibt. Dieser würde in einer anderen Variante wegfallen.

Neues Schulzentrum in Senden: Beim Parken gehen die Meinung auseinander

Am Thema Parken aber schieden sich die Meinungen im Rat. Rainer Strobl (CSU) hielt die Planung für eine „gute Lösung“, störte sich jedoch an den Parkplätzen unter der Halle. Diese Tiefgarage sei einfach zu teuer. Möglicherweise könne man stattdessen einige Stellplätze am Grundweg anlegen, dann verteile sich auch der Verkehr besser. Maren Bachmann (SPD) hingegen plädierte für die Garage, weil auf diese Art keine weiteren Flächen versiegelt werden. Auch Theo Walder (CSU) sah die Notwendigkeit für Grundschule und Halle. Er tendiere zur Tiefgarage, sei aber dafür, Strobls Idee zu prüfen. Am Ende fiel die Tiefgarage aus der Planung.

Manuela Huber (Grüne) war das gezeigte Schema der geplanten Bebauung zu wenig. Trotz der zeitlichen Eile müsse die Planung mehr unter dem städtebaulichen Aspekt vorgestellt werden. Sie sei dafür, in Ruhe zu planen und dann lieber ein Jahr später mit einer soliden Grundlage anzufangen. „Ich rotz’ doch jetzt nicht städtebaulich was hin, nur um eine Interimslösung zu vermeiden.“ Die Grünen stellten dann auch den Antrag, erst einen städtebaulichen Entwurf und Bebauungsplan anzufertigen. Dieser wurde jedoch abgelehnt.

Schäfer-Rudolf zeigte Verständnis, sagte jedoch auch: „Dass wir hier stehen und so schnell entscheiden müssen, dafür kann keiner was. Das hätte man schon viel früher machen müssen.“ Der Ansatz der Verwaltung sei gewesen, die Planung grafisch darzustellen. Auch Stadtbaumeister Jörn Marx sagte, man brauche zügig eine Lösung wegen des zu stellenden Förderantrags. Am Ende entschieden sich die Räte gegen die Stimmen von Grünen und Teilen von BiSS für einen etwas umgeänderten Beschlussvorschlag der Verwaltung. Die Verwaltung leitet nun ein VgV-Verfahren ein, um Turnhalle (ohne Tiefgarage), Grundschule und Zentralgebäude bauen zu können. Dabei halte man sich an die beschriebene und von den meisten favorisierte Variante.

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