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Medizin

25.10.2017

Simon kämpft gegen den Krebs

Patient Simon und Spender Li Yangjun in Neu-Ulm.
Bild: Neuhäusler

Der Zwölfjährige galt als unheilbar krank. Die Therapie eines Neu-Ulmer Arztes hilft ihm

Simon Habenicht ist an einem Hirntumor erkrankt, in einem unheilbaren Stadium. Die Lebenserwartung liegt bei einem Jahr. Doch mit dieser Diagnose lebt der Schüler schon seit knapp drei Jahren. Weil er ein großer Kämpfer ist und weil er von der besonderen Therapie eines Neu-Ulmer Professors profitiert.

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Simons Krankheit beginnt im Herbst 2014 unspektakulär: Erbrechen und Schwindel. Doch die Symptome werden immer schlimmer und dauern immer länger an. Eine Bildgebung, eine Magnetresonanztomografie, gibt Aufschluss: Es handelt sich um einen Hirntumor, wahrscheinlich bösartig. Simon wird operiert, sein Gewebe wird untersucht. Das Ergebnis: ein sogenanntes Glioblastom im Stadium IV. Der Neu-Ulmer Professor Frank Gansauge erklärt: „Das bedeutet: nicht nur fortgeschritten, sondern hochaggressiv, eigentlich unheilbar. Das ist ganz selten bei einem Kind.“ Simons Gewebe wird ein zweites Mal begutachtet, wieder kommen die Ärzte zu diesem Ergebnis.

Für Simon, der mit seiner Familie im Münchner Umland lebt, bricht eine Welt zusammen. Doch der heute Zwölfjährige zeigt sich als Kämpfer. Er hat ein Lied darüber geschrieben und schreibt im Internet in einem Blog über sich und seine Krankheit. Simons Mutter, eine Krankenschwester, recherchiert und stößt im Internet auf eine neuartige Behandlung: dendritische Zellen. Sie findet heraus, dass ein Labor in Ulm diese Art der Immuntherapie anbietet und dass der dazugehörige Arzt in Neu-Ulm praktiziert: Professor Frank Gansauge. Sie wendet sich an ihn. Die Therapie ist in Deutschland bislang nur als sogenannter „individueller Heilversuch“ zugelassen. Deshalb tragen die Krankenkassen nur selten die Kosten von rund 7000 Euro. Simons Krankenkasse lehnt ab. Doch ein Bekannter von Gansauge übernimmt die Behandlungskosten: Lin Yangjun. Der Chinese ist Professor für Klavier an der Folkwang-Musikhochschule in Peking, hat aber auch einen Wohnsitz in Frankfurt. „Er war so beeindruckt von dem tapferen Jungen, dass er sich spontan bereit erklärt hat, die Patenschaft für die Behandlungskosten zu übernehmen“, erzählt Gansauge.

Als Simon in Neu-Ulm die Therapie mit dendritischen Zellen beginnt, reist Lin Yangjun eigens an. Der Chinese sagt: „Simon und ich wollen allen da draußen in ihrer Erkrankung Mut machen und Hoffnung schenken.“ Dem Patienten geht es unter der Therapie gut, er leidet unter fast keinen Nebenwirkungen und der Tumor schreitet derzeit nicht fort. Im November wird diese Behandlung voraussichtlich wiederholt – wieder gesponsert von Lin Yangjun. Simon ist optimistisch. „Nächstes Jahr fliege ich nach Peking zu Lin“, sagt er. (az)

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