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Ulm/Neu-Ulm

18.11.2018

So lief der Belastungstest auf der Gänstorbrücke

<p>Die wichtige Verbindung zwischen Ulm und Neu-Ulm muss in absehbarer Zeit erneuert werden. Mit drei Autokränen wurde getestet, wie belastbar die Brücke noch ist.</p>
Video: Wilhelm Schmid

Die Gänstorbrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm wird eine Nacht lang geprüft. Jetzt überwachen Sensoren das Bauwerk – und schlagen Alarm, wenn es kritisch wird.

Die marode Gänstorbrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm muss erneuert werden, daran führt kein Weg vorbei. Doch hält sie überhaupt noch so lange, bis die endgültige Entscheidung über den Neubau gefallen ist? Und wie kann sichergestellt werden, dass sofort Alarm ausgelöst wird, falls sich die Schäden vor Abriss und Neubau gefährlich ausweiten? Das sollte ein Belastungstest zeigen, der in der Nacht zum Sonntag mit viel Aufwand stattfand. Fachingenieure mehrerer Firmen hatten ein umfangreiches Mess-System eingebaut, dessen Funktionen vor den Tests einem großen Medienaufgebot demonstriert wurden. Die Testgeräte sind so eingestellt, dass sie automatisch Warnmeldungen herausgeben, sobald sich die Schäden gravierend ausweiten oder womöglich gar ein Einsturz zu befürchten wäre.

Die Ursache für die Schäden liegt bereits in der Konstruktion an sich: Die Gänstorbrücke wurde in einer Zeit erbaut, als die Spannbetontechnik aus heutiger Sicht noch in den Kinderschuhen steckte. Der Spannstahl wurde nur unvollständig verpresst, sodass der Zahn der Zeit genug Gelegenheit hatte, an der Substanz zu nagen – und zwar in Form von Korrosion, die vor allem durch Streusalz gefördert wurde. Die Ingenieurbüros haben nun ein „Inspektions- und Monitoringprogramm“ entwickelt und eingebaut, dessen Messwerte laufend überwacht werden. Dazu baute man im sogenannten Widerlager der Brücke auf der Ulmer Seite ein Netzwerk von Sensoren „Vandalismus-sicher“ ein.

Tonnenschwere Autokräne waren beim Belastungstest auf der Gänstorbrücke unterwegs.
20 Bilder
Belastungstest auf der Gänstorbrücke
Bild: Wilhelm Schmid


Gänstorbrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm: Zahlreiche Sensoren überwachen das Bauwerk

Die Messungen beziehen sich auf die Dehnungen der Spannstähle ebenso wie auf die Temperatur im Inneren des Betons und auf Verformungen des gesamten Brückenbauwerks, aber auch auf Schallemissionen infolge möglicher Spannstahlbrüche. Die Instrumente zur Schallmessung sind dabei so hoch empfindlich, dass sie Schallwellen, die sich im Beton bei Spannstahlbrüchen ausbreiten, bereits unterhalb des Frequenzbereiches feststellen, der vom menschlichen Ohr hörbar ist. Und trotzdem unterscheiden die Sensoren zwischen dem üblichen Verkehrslärm und einer echten Schadensmeldung.

36 Schallsensoren, 20 Dehnungs-, 71 Temperatur- und vier Verformungssensoren – alle mit insgesamt drei Kilometern Kabeln verbunden – überwachen damit ab sofort ständig das Bauwerk und schlagen Alarm, sobald es kritisch werden könnte. In einem solchen Fall müsste dann sofort über eine Sperrung der Brücke entschieden werden.

Die wichtige Verbindung zwischen Ulm und Neu-Ulm muss in absehbarer Zeit erneuert werden. Mit drei Autokränen wurde getestet, wie belastbar die Brücke noch ist.

Video: Wilhelm Schmid


Um sichere Grundwerte für die Messungen festzulegen, fanden nun Testfahrten statt: Drei große Autokräne der Firma Liebherr mit einem Eigengewicht von 36, 40 und 48 Tonnen fuhren ab Mitternacht in wechselnden Geschwindigkeiten über die Brücke, wobei die Fahrten minutiös protokolliert wurden. Die Bewegungen des Bauwerks zeichnete auch noch ein Kamerasystem unter der Brücke auf. Die Fahrten starteten auf der Münchner Straße einige hundert Meter oberhalb und die Mega-Kräne fuhren dann mit bis zu 50 Stundenkilometern von Baden-Württemberg nach Bayern. Im Verlauf der Fahrten wurden sogar Vollbremsungen mitten über der Donau eingelegt. Beim Kreisverkehr auf dem Augsburger-Tor-Platz wendeten die Fahrer – und dann ging es wieder die Münchner Straße hinauf, um Schwung für die nächste Fahrt zu holen.

Gegen sechs Uhr am Sonntagmorgen war die Brücke wieder freigegeben

Wie Gerhard Fraidel, bei der Stadt Ulm für die Verkehrsinfrastruktur verantwortlich, erklärte, soll damit geprüft werden, ob die Brücke noch ein paar Jahre lang hält, in welchem Umfang sie noch verkehrstauglich ist und in welcher Reihenfolge dann die Brückenteile abgerissen und ersetzt werden müssen. Bis die Daten alle ausgewertet sind, wird es einige Tage oder Wochen dauern, dann wird ein umfangreicher Bericht vorgelegt und in den zuständigen Gremien über das weitere Vorgehen beraten und entschieden.

Gegen sechs Uhr morgens konnten die umfangreichen Sperrungen und Umleitungen auf beiden Seiten der Donau am Sonntag wieder aufgehoben werden. Bis zur Vorlage des Untersuchungsberichtes und den daraus folgenden Entscheidungen darf der Verkehr vorläufig wieder auf je einer Spur pro Richtung über die Gänstorbrücke rollen.

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