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Politik

22.09.2020

So sieht das neue Leben des SPD-Abgeordneten Brunner aus

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl-Heinz Brunner will es noch mal wissen: Er möchte ein drittes Mal in das Hohe Haus einziehen, obwohl er das lange ausgeschlossen hat. Das Bild zeigt ihn in der Illertisser Partnerstadt Loket.
Bild: Ronald Hinzpeter

Plus Eigentlich wollte der Neu-Ulmer Wahlkreisabgeordnete Karl-Heinz Brunner nach zwei Wahlperioden nicht mehr in den Bundestag einziehen. Jetzt möchte er erneut antreten.

Eigentlich war die Ansage klar und unmissverständlich: Nach dieser Wahlperiode würde für ihn Schluss sein, ein drittes Mal wollte der Bundestagsabgeordnete Karl-Heinz Brunner ( SPD) nicht mehr für das Hohe Haus kandidieren. Jetzt liegen die Dinge anders: Er tritt doch noch einmal an. Der Kreisverband Neu-Ulm hat ihm bereits die Unterstützung zugesagt. Allerdings musste Brunner seinen Genossinnen und Genossen zur Sicherheit noch etwas sehr Privates erklären, das in seinem Wahlkreis nur wenigen bekannt war. Mit unserer Redaktion sprach Brunner über sein neues Leben und warum er jetzt doch weitermachen will.

Brunner bekennt: Ich bin schwul

Karl-Heinz Brunner, ehemals Illertisser Bürgermeister, nahm schon einmal die Gelegenheit wahr, um Farbe zu bekennen. Im August 2019 gab er bekannt, dass er sich um den Vorsitz der SPD bewerben werde – und zog seine Bewerbung knapp vier Wochen später wieder zurück. Um damals möglicherweise aufkommenden Gerüchten und Mutmaßungen vorzubeugen, bekannte er vor ausgewählten Hauptstadt-Journalisten: "Ich bin schwul". Brunner lebt seit rund 20 Monaten in Berlin mit seinem Partner zusammen.

Anders als der einstige Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, der mit seinem Satz "Ich bin schwul – und das ist auch gut so" deutschlandweit für Aufsehen sorgte, hielt sich Brunner zurück und nahm seinen Partner zunächst nur selten mit auf öffentliche Termine, mittlerweile allerdings häufiger. Er tat das auch am vergangenen Wochenende bei der alljährlichen Goethe-Wanderung in der Illertisser Partnerstadt Loket in Tschechien.

Brunner: Wo die Liebe hinfällt, da ist sie

Dass sein Privatleben einmal eine solche Wendung nehmen würde, "hätte ich mir nie vorstellen können", sagt Brunner heute. Immerhin ist der bekennende Alt-Katholik verheiratet und hat zwei Kinder. Sich einzugestehen, dass nun ein Mann in sein Leben getreten ist, sei ihm am Anfang nicht leicht gefallen. Aber dann ging es eben doch recht schnell: "Da läuft einem jemand über den Weg, es macht 'kling' – und dann ist es eben so", sagt der SPD-Mann, "wo die Liebe hinfällt, da ist sie. Und ich muss im Nachhinein sagen: Es ist schön." Brunner ist dieser Tage anzusehen, dass es ihm gut geht. Er wirkt gelöst, locker und sein explosionsartiges Lachen wirkt noch ein wenig explosiver.

Seiner Familie all das beizubringen, habe allerdings etwas länger gebraucht, räumt Brunner ein. Bei den Genossinen und Genossen ging es dagegen offenbar recht schnell. Ende Juli erklärte er dem Kreisverband Neu-Ulm seine neuen Lebensumstände – und für den war das dann keine große Sache. Wichtiger war offenbar, dass Brunner sich bereit erklärt hatte, doch noch einmal für den Bundestag zu kandidieren.

Er fühle sich körperlich und geistig fit, sagt der 67 Jahre alte Abgeordnete. Es sei eben wichtig, dass die Region mit einem sozialdemokratischen Abgeordneten in Berlin repräsentiert werde. Er wolle die Leute einfach nicht im Stich lassen – "und es macht mir immer noch Spaß". Es wäre ja auch schade, wenn all die Verbindungen, die er im Laufe von zwei Wahlperioden aufgebaut habe, abreißen würden. Vor allem in seinem Spezialgebiet internationale Beziehungen, Verteidigung und Abrüstung, seien sie oft schwierig zu knüpfen. Gerade das Thema Abrüstung dürfe in diesen Zeiten nicht aus den Augen verloren werden.

Brunner will weiter für Rechte sexueller Minderheiten kämpfen

Ein wesentliches Thema von Brunners Arbeit im Bundestag waren schon länger Rechte von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten. Im März 2019 übernahm er ganz offiziell die Aufgabe des queerpolitischen Sprechers der SPD-Bundestagsfraktion. Brunner will auch persönlich Ansprechpartner für Menschen aus seinem Wahlkreis und darüber hinaus sein, für die ihre sexuelle Orientierung schwierig ist. "Es gibt eben noch immer Leute, die meinen, dass das fürchterlich ist. Auch ich würde wahrscheinlich nicht mit meinem Partner händchenhaltend durch Neu-Ulm laufen."

Eines will Brunner möglichst noch bis zum Ende der Wahlperiode erreichen: Eine Änderung des Artikels drei des Grundgesetzes, in dem es um die Gleichheit der Menschen und um ein Verbot der Diskriminierung geht. Dort müsste nicht nur das Wort Rasse durch einen besseren Begriff ersetzt werden, sondern müssten auch die sexuellen Minderheiten untergebracht werden: "Die Mütter und Väter des Grundgesetzes haben daran 1949 einfach noch nicht gedacht." Brunner beteuert, es gehe ihm um die Gleichheit aller Menschen: "Wir brauchen eine einheitliche Gesetzgebung für alle. Es muss egal sein, ob jemand schwul, lesbisch, trans, bi oder asexuell ist."

Sein Wunsch, doch noch einmal anzutreten, habe allerdings nicht unbedingt etwas mit seinem neuen Partner zu tun, allerdings sähe der es nicht ungern, wenn er für eine weitere Wahlperiode in den Bundestag einzieht. "Dann weiß er, ich bin verräumt", sagt Brunner lachend.

Brunners Chancen hängen vom Listenplatz ab

Natürlich ist ihm auch bewusst, dass es angesichts der momentanen Lage seiner Partei nicht leicht werde, wieder eine Fahrkarte für Berlin zu lösen. Ob er das Mandat ein drittes Mal bekommt, hängt nicht nur vom Wahlergebnis ab, sondern auch ganz wesentlich davon, wie gut er auf der Landesliste platziert wird. Bis das ausgekartelt ist, wird noch einige Zeit vergehen, zunächst müssen sich die Parteimitglieder in den Kreisverbänden Günzburg und Unterallgäu ebenfalls für Brunner aussprechen.

Und wenn es mit dem Einzug in den Bundestag nicht klappen sollte? "Dann würde ich das machen, was ich jetzt schon als Steckenpferd habe und quasi als Nebentätigkeit mache: Ich kümmere mich um den West-Balkan." Sollte der Job als Bundestagsabgeordneter wegfallen, wolle er die Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung in diesem Bereich ausbauen und intensivieren.

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