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Wullenstetten/Gmünd

27.11.2018

Spätzle essen hinter alten Burgmauern

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In der Alten Burg in Gmünd haben Ula und Luk Strasser ein Restaurant eingerichtet. Dort kocht die 58-Jährige aus Wullenstetten seit 25 Jahren schwäbische Spätzle.

Plus Eine Wullenstetterin und ihr Mann betreiben seit 25 Jahren ein Restaurant in Kärnten. In das verfallene Gebäude haben sie zuvor viel Geld investiert.

Eindrucksvoll thront die Burg über der Stadtgemeinde Gmünd im österreichischen Kärnten. Ihr grob wirkendes Äußeres erinnert an mittelalterliche Zeiten, im innen liegenden Restaurant gibt es Spätzle – gekocht von einer echten Schwäbin. Ula Strasser ist in Wullenstetten aufgewachsen und hat dort 19 Jahre lang gelebt. Seitdem hat sie einen Großteil ihrer Zeit in einer Burg verbracht, die halb verfallen ist.

Den intakten Teil der Alten Burg in Gmünd haben Ula Strasser und ihr Mann Luk auf eigene Kosten saniert. „Drei Millionen Schilling haben wir reingesteckt“, erzählt die Wullenstetterin. Heute höre sich das nach wenig Geld an für das ehrgeizige Unterfangen, eine Ruine zu sanieren. Aber damals, vor 25 Jahren, sei das richtig viel Geld gewesen.

Vor allem weil Ula und Luk Strasser damals erst Anfang und Mitte 30 waren, Kinder hatten – und plötzlich mit einem Berg Schulden dastanden. „Und dann kam dazu noch die Ungewissheit, ob unsere Idee überhaupt funktioniert“, erinnert Ula Strasser sich. Das junge Ehepaar wollte die Alte Burg in Gmünd pachten, um dort ein Restaurant zu eröffnen. Im Jahr 1991 war das historische Gebäude jedoch weit davon entfernt, eine gemütliche Stube zu sein: „Es war eine Ruine, nichts war da, nicht mal mehr Fenster“, erzählt die heute 58-Jährige. In den 60ern hätte die Burg eigentlich schon abgerissen werden sollen, doch ein Verein hat sich für deren Erhalt eingesetzt. Die Ruine gehört der Stadtgemeinde Gmünd in Kärnten. „Mein Mann ist damals zur Stadt gegangen und hat den Zuständigen seine Pläne eröffnet – die haben ihn gar nicht ernst genommen.“ Doch Luk Strasser hat nicht nachgegeben. Er hat einen Antrag gestellt und musste dann erst mal warten: Denn Luk Strasser stammt aus dem Nachbarort Malta und die Gmünder hatten ein Vorrecht auf die Burg. Doch es hat sich niemand gemeldet, „es ist, als ob die Burg auf uns gewartet hat“.

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Das Restaurant in der Burg ist gemütlich eingerichtet

Und so haben die beiden jungen Eheleute alles selber bezahlt und dafür ausgehandelt, 30 Jahre lang keine Pacht für die Burg zu leisten. Neben der Sanierung haben die Strassers Zwischenstockwerke eingezogen und ihr Restaurant mit 100 Plätzen gemütlich und detailreich eingerichtet. Wer genau hinsieht, entdeckt in den Ecken und an den Wänden immer wieder besondere Gegenstände. „Eine graue Schale mit einem gemütlichen Kern“ nennt Ula Strasser die Burg.

Der Umbau war nach nur drei Monaten fertig, „ich habe selber 400 Quadratmeter Fliesen verlegt“, erinnert Strasser sich und lacht. 1992 eröffneten Luk und Ula Strasser ihr Restaurant in der Burg. Die Spezialität, die es dort geben sollte, war schnell klar: schwäbische Spätzle in allen Variationen. Mittlerweile fertig Ula Strasser in ihrer Küche rund 30 Sorten an – und hat sogar im Eigenverlag ein Kochbuch herausgegeben. „Ich wollte etwas machen, was es auf die Art sonst nicht gibt“, erinnert die 58-Jährige sich. Und Spätzle könne man sowohl als Hauptgang als auch als Beilage anbieten. „Nach 25 Jahren habe ich die Spätzle perfektioniert“, sagt sie und verrät ihr Teigrezept: 16 Eier auf ein Kilo Mehl – das war’s. Und: „Nie an den Eiern sparen.“

"Italiener kommen zu uns, um Pasta zu essen"

Mittlerweile sei das Restaurant Alte Burg Gmünd etabliert und laufe gut, „selbst Italiener kommen zu uns, um Pasta zu essen“, sagt Strasser und lacht. Doch das war nicht immer so. „Wir mussten ein paar Jahre lang richtig kämpfen und durchhalten – und es hat nur funktioniert, weil wir beide das wollten“, sagt Strasser. Neben dem Restaurant kümmern sie sich noch um größere Feiern im Rittersaal, der sich im dritten Stock der Burg befindet. Dieser beherbergt außerdem wechselnde Kunstausstellungen, denn Luk Strasser ist nicht nur Gastronom, sondern begeistert sich auch für die Kunst. Viele Ausstellende sind Bekannte der Eheleute, zudem gibt es ein Burgtheater. „Es läuft gut“, sagt Strasser.

„Aus heutiger Sicht haben wir also alles richtig gemacht“, sagt Strasser. In drei Jahren soll aber dennoch Schluss sein. Das sei schade und schön gleichzeitig, denn auf ihren Ruhestand freuen sich die 58-Jährige und ihr 63-jähriger Ehemann durchaus. Dann haben sie mehr Zeit für den Garten und das Enkelkind – und, um ab und zu Ula Strassers alte Heimat zu besuchen. Die 58-Jährige kommt etwa zweimal im Jahr in die Region. Schließlich ist sie auch Wullenstettens 999. Einwohnerin, ihr Zwillingsbruder der 1000.

Von den vier Kindern hat keines Interesse, das Restaurant zu übernehmen. Doch in Kärnten gebe es genug gut ausgebildete Leute, sagt Strasser. „Da wird sich sicher jemand finden.“ Dem Pächter müsse jedoch schon bewusst sein, dass eine Burg eine besondere Herausforderung ist – vor allem deren Instandhaltung. Da gehe es meist um die Statik, denn „die Burg ist nun mal eine Ruine und soll das auch bleiben“.

Den Link zum Restaurant finden Sie hier.

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