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Landkreis Neu-Ulm

07.05.2020

Sparkasse Neu-Ulm-Illertissen kündigt Sparverträge

Die Sparkasse Neu-Ulm-Illertissen kündigt in den nächsten Jahren Prämiensparverträge, welche die Bank mittlerweile viel Geld kosten.
Bild: Archivfoto: Alexander Kaya

Plus Alte Prämiensparverträge sind der Sparkasse Neu-Ulm-Illertissen zu teuer geworden, deshalb werden sie aufgelöst. Der Bankvorstand beruft sich auf die Corona-Krise. Andere haben es vorgemacht.

Andere haben es schon lange vorgemacht, nun zieht die Sparkasse Neu-Ulm-Illertissen nach: Sie kündigt Prämiensparverträge. Diese werfen für die Kunden ordentlichen Ertrag ab, wenn sie vor geraumer Zeit abgeschlossen worden sind. Für die Bank stellen sie aber derzeit eine „hohe Belastung dar“, wie es Sparkassenchef Armin Brugger formuliert. Nach „gründlicher Überlegung“ sei die Entscheidung gefallen. Welche Verträge sind betroffen und um wie viel Geld geht es?

Prämiensparverträge: München und Nürnberg haben es vorgemacht

Bereits im vergangenen Jahr gab es spektakuläre Kündigungswellen bei den Prämiensparverträgen. So hatte die Sparkasse München als fünft größte in Deutschland im September 2019 bei 28 000 Kunden die Kontrakte gelöst. Es handelte sich um Verträge, die in den 90ern und frühen Nullerjahren geschlossen worden waren. Einen Monat zuvor war die Sparkasse Nürnberg vorgeprescht und hatte sich von 21000 Verträgen getrennt. Die Begründung war in beiden Fällen vergleichbar: Die Renditen seien nicht mehr zeitgemäß.

So ähnlich argumentiert auch die Sparkasse Neu-Ulm-Illertissen. Die Zinssätze seien nicht mehr zeitgemäß, sagen Brugger und Vorstandsmitglied Oliver Haecker. Durch die Corona-Krise sehe man „keine vernünftige Alternative“, als so zu handeln. Es habe viele Diskussionen gegeben, doch am Ende habe eine Entscheidung getroffen werden müssen, sagte Haecker. Die Verträge stellten eine „hohe Belastung“ dar. Vielen Sparkassen in Deutschland hätten das ja bereits gemacht.

Sparkasse Neu-Ulm-Illertissen kündigt Sparverträge

Die Sparverträge haben die höchste Prämienstaffel erreicht

Dabei geht es um Prämiensparverträge, die in den 90er Jahren abgeschlossen wurden und die höchste Prämienstaffel erreicht haben: Dabei werden 50 Prozent auf die jährliche Sparleistung von der Bank als Bonus obendrauf gelegt. Deshalb sei entschieden worden, die Verträge nach Erreichen dieses höchsten Prämiensatzes zu beenden. Betroffen davon sind 1900 Verträge, welche die Bank noch im Laufe dieses Jahres kündigt. Weitere 1700 löst die Sparkasse nach und nach in den Jahren bis 2025 auf. Dabei geht es um ein Gesamtvolumen von 90 Millionen Euro.

Brügger versicherte, man habe nicht die „erstbeste Gelegenheit ergriffen“, doch angesichts der Krise habe man sich auf Dauer dem Thema nicht verschließen können. Er beteuert, die Bank agiere dabei „rechtssicher“. Tatsächlich hatte der Bundesgerichtshof ordentliche Kündigungen solcher Sparverträge in einem Urteil vom Mai vergangenen Jahres unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.

Jetzt wollen viele Firmen Geld von der Sparkasse

Ein wenig unsicher blickt die Sparkasse auf den Geschäftsverlauf der kommenden Monate. Darüber will Brugger zwar keine Prognose abgeben, weil das dem Blick in die Glaskugel gleichkäme, doch das hänge auch davon ab, wie die Wirtschaft nach den Lockerungen wieder anspringt. Derzeit brauchen viele Firmen Geld, weshalb die Bank schon jetzt deutlich mehr Kredite vergeben hat, als sie für das gesamte Jahr geplant hatte. 72 Millionen Euro seien derzeit „in Bearbeitung“. Normalerweise weis-t die Sparkasse im Gewerbebereich durchschnittlich rund 80 Millionen Euro aus. Allerdings können etliche Unternehmen ihre bereits eingegangenen Verbindlichkeiten derzeit nicht mehr abstottern. Bei 420 Darlehen liege ein Antrag auf Tilgungsaussetzung vor, die meisten davon seien bereits genehmigt, sagte Brugger. Allerdings gebe es bisher noch keine Kreditausfälle und auch noch keine Corona-bedingte Insolvenz.

In Zeiten der Krise haben auch etliche der 370 Beschäftigten der Sparkasse zu wenig zu tun. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen will die Bank sie nicht in Kurzarbeit schicken, wie der Sparkassenvorstand versicherte: „Wir wollen das nicht.“ Deshalb wurden die zeitweilig beschäftigungslosen Angestellten wie etwa Kundenberater oder Makler in andere Bereiche versetzt.

Sparkasse macht fünf Filialen wieder auf

Wegen der Corona-Krise hatte die Bank acht ihrer 18 Filialen vorübergehend geschlossen. Fünf davon sind vom Freitag, 8. Mai an zumindest für zwei Stunden am Vormittag wieder offen: die Zweigstellen im Neu-Ulmer Stadtteil Wiley, in Pfuhl, Offenhausen, Pfaffenhofen und Bellenberg. Weiterhin geschlossen bleiben für den Kundenverkehr Au, Ay und Tiefenbach.

Eine Erkenntnis aus diesen Notzeiten hat die Bank allerdings gezogen: Sie will nach den Worten von Oliver Haecker stärker auf Bildschirmberatung setzen. Dabei telefonieren die Kunden mit einem Bankangestellten, können aber gleichzeitig auf ihrem Computerbildschirm sämtliche relevanten Zahlen gezeigt bekommen. Dieses Angebot sei auf sehr große Akzeptanz gestoßen und werde auf jeden Fall weiterverfolgt.

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