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Weißenhorn

11.06.2019

Spektakel in Weißenhorn mit Hobbyrittern und Freizeitgrafen

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Einen musikalischen Eindruck vom Mittelalter bekommen die Besucher mit der Band Trollfaust zu hören. Zahlreiche Fans lassen sich auf eine Zeitreise mit Spielleuten, Rittern und Edelleuten entführen.
Bild: Andreas Brücken

Rund 400 Mittelalterfreunde besiedeln über die Pfingsttage die Hasenwiese in Weißenhorn. Hunderte Schaulustige folgen ihnen. Doch die Zukunft des Historien-Spektakels ist ungewiss.

Für drei Tage sollen Handys, Tablets und andere digitale Geräte Tabu sein. Die Mitglieder des Mittelaltervereins Armati Equites – die gewappneten Reiter – wollen auf der Hasenwiese so authentisch wie möglich die Zeit des zwölften und 13. Jahrhunderts ausleben. Doch schon beim Blick auf die Speisekarte lassen sich Fehltritte feststellen, wenn etwa „Wilde Kartoffeln“ angeboten werden, die tatsächlich rund 500 Jahre später durch Preußenkönig Friedrich II. in unseren Breitengraden verbreitet wurden. Auch dass das koffeinhaltige Erfrischungsgetränk, das an einer altertümlich aussehenden Hütte ausgeschenkt wird, erst im Jahr 1886 von einem Pharmazeuten in den Vereinigten Staaten entwickelt wurde, scheint die Freunde des Mittelalters nicht wirklich zu stören.

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Mittelalterspektakel auf der Hasenwiese
Bild: Andreas Brücken

Wer sich tatsächlich in die Zeit des Hochmittelalters versetzen will, muss sich von den Gastrohütten abwenden und in die Gassen zwischen den zahlreichen Stoffzelten gehen. Rund 400 Besucher haben sichwährend des Ritterturniers in Weißenhorn auf der Hasenwiese niedergelassen. Auch Inge Exner sitzt vor ihrem Zelt und knüpft hauchfeine Netze. Nicht nur für mittelalterliche Trachten, sondern auch bei Reitsportlern und Balletttänzern seien die Haarnetze sehr begehrt, erklärt die 54-Jährige aus Illertissen, die von ihren Freunden nur als „Netz-Inge“ bekannt ist. Vom Mittelalter sei sie von ihrer Kindheit „vorbelastet“, wie sie sagt: „Ich bin am Fuße des Vöhlinschlosses aufgewachsen und schon als kleines Mädchen immer auf Mittelaltermärkten dabei gewesen.“ Es sei eine gut gelaunte Gemeinschaft, die sich auf Veranstaltungen wie dem Weißenhorner Ritterturnier immer wieder trifft. „Am abendlichen Lagerfeuer vergisst man die Hektik des Alltags“, erklärt Exner.

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Ritter zu Pferde duellieren sich mit schwer bewaffneten Bodenkämpfern

Martialische Klänge kommen derweil von der großen Bühne: Trollfaust nennt sich die fünfköpfige Musiktruppe, die mit Pauken, Dudelsack und Schalmeien versuchen, das Volk der Neuzeit zum Tanzen und Feiern zu bringen. In Lumpen gewandet, verdreckt, grölend und brüllend vermitteln die Spielmänner einen musikalischen Eindruck vom finsteren Mittelalter. Ganz anders ein anderer Darsteller: Wie sein historisches Vorbild Graf Friedrich IV. von Leiningen steht er mit seiner Krone und Greifvögeln vor seinem prächtigem Zelt. Rasant und atemberaubend sind dagegen die verwegenen Reiter, die beim Ritterturnier Ringe stechen oder sich beim Angriff mit einen schwer bewaffneten Bodenkämpfer duellieren. Als die Sonne hinter dem nahe gelegenen Verbraucherzentrum an der Reichenbacher Straße untergeht, bieten Feuergaukler ein heißes Spektakel.

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Seit drei Jahren ist die Hasenwiese jeweils am Pfingstwochenende Treffpunkt für die Freunde des Mittelalters. Stefan Elischer, zweiter Vorsitzender der Armati Equites, ist froh, dass die Fuggerstadt die Veranstaltung wieder möglich gemacht hat. So hätten die Mitarbeiter der Verwaltung bei Fragen und Problemen immer volle Unterstützung gezeigt, sagt Elischer, der unter Seinesgleichen als „Graf Rudolf von Kronburg“ bekannt ist.

Zum Jubiläum des Vereines sind die Hobbyritter, Freizeitedelleute und Gefolge wieder 2017 von Buch bei Illertissen nach Weißenhorn zurückgekehrt, wo der Verein vor 20 Jahren gegründet wurde. Die Hasenwiese sei perfekt als Austragungsort, erklärt Elischer. Doch wo die Mittelalterfreunde im kommenden Jahr ihre Zelte aufschlagen sollen, steht noch in den Sternen. Schließlich rücken auf der Hasenwiese bald die Bauarbeiter an: Eine Wohnanlage für Senioren soll hier entstehen.

Auf der Suche nach einem neuen Standort für das mittelalterliche Spektakel stehen für die Organisatoren derweil ganz zeitgemäße Kriterien im Vordergrund: Strom, Wasser und Parkplätze sollte der neue Platz haben, sagt Elischer.

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