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Senden

06.03.2021

Stefan Hartmann aus Senden ist der Strahlemann bei "Sturm der Liebe"

Stefan Hartmann erzählt im NUZ-Interview, dass er doch manches gemeinsam hat, mit seiner Rolle in "Sturm der Liebe": Sein "Max Richter" ist ein Sonnyboy, ein Typ mit Humor.
Foto: Joachim Gern

Plus Der Sendener Stefan Hartmann spielt den Max in der ARD-Serie "Sturm der Liebe". Ein Gespräch über Marathon-Drehs, Shakespeare und schwäbische Heimat.

Ausgedreht. Der Tag am Set von "Sturm der Liebe" ist beendet, und trotzdem setzt sich Stefan Hartmann noch einmal vor eine Kamera - für ein Interview per Zoom. Stefan Hartmann, geboren 1990 in Neu-Ulm, aufgewachsen in Senden und - seit 2020 - einer der Darsteller in der Dauerbrennerserie der ARD. Lange spielte er vor allem auf der Bühne, in Ulm, am Schauspielhaus Bochum, am Landestheater Bregenz, in Shakespeares "Sommernachtstraum" oder in Brechts "Mutter Courage". Jetzt spricht er gut gelaunt über seine Wechsel vor die Kamera, den Dreh unter Corona-Bedingungen und treue "Sturm der Liebe"-Fans - wie seine Großmutter.

"Sturm der Liebe": Stefan Hartmanns Laufbahn begann am Theater Ulm

Wenn Sie an Ihre ersten Schauspielerfahrungen zurückdenkst, welche Erinnerungen kommen da hoch?

Stefan Hartmann: Es kommt ein bisschen darauf an, wie weit ich zurückdenke. Da waren die ersten Auftritte in der Grundschule in Senden, dann im Gymnasium. Aber so richtig in die Schauspielerei habe ich mich am Theater Ulm verliebt. Jeden Tag nach der Schule bin ich zu Proben oder Vorstellungen direkt mit dem 76er-Bus von Weißenhorn nach Ulm durchgefahren. Da entstanden tolle Erinnerungen.

Hatten Sie damals schon die große Bühne vor Augen? Oder hätten Sie sich schon vorstellen können, dass Sie einmal bei einer Daily Soap wie "Sturm der Liebe" mitspielen?

Hartmann: Ich habe mich schon sehr auf das Theaterspielen fokussiert, deshalb hätte ich mir das sogar vor einem Jahr noch nicht vorstellen können. Aber wie das Leben so spielt, stecke ich jetzt mittendrin und bin sehr froh. Schauspiel bedeutet, gerade auch in diesen schweren Zeiten, Leute zu unterhalten, dass sie abschalten können. Schöne Geschichten zu erzählen, dass man für 50 Minuten am Tag vergessen kann, was da draußen in der großen Welt passiert. Man fokussiert sich auf schönen Geschichten und die kleinen Intrigen im fiktiven Örtchen "Bichlheim".

Szenen aus "Sturm der Liebe": Im Beisein von Florian (Arne Löber, rechts) erfährt Max, also Stefan Hartmann (links), dass seine Flamme Jil ihm für den Abend abgesagt hat.
Foto: ARD / Christof Arnold

Wie reagieren Kollegen aus der Theaterszene auf Ihren Serien-Erfolg? Freuen die sich, dass Sie mit so einer Serie jetzt ein Millionenpublikum erreichen? Oder kriegt man doch manchmal einen fiesen Spruch gedrückt, von den Bühnenkünstlern?

Hartmann: Für die meisten Kollegen ist die Lage gerade extrem mies und kräftezehrend. Und da bin ich natürlich in einer privilegierten Position, arbeiten zu dürfen. Deshalb stehen auch wirklich alle Kollegen hinter mir. Sie wissen, dass ich hier Erfahrung sammeln und ganz viel lernen kann. Sobald man tief in der Theaterwelt steckt - und wenn ich so zurückrechne, wäre das jetzt sogar mein 15. Bühnenjahr -, ist es ganz schwierig, vor die Kamera zu wechseln. Dabei hatte ich immer den Wunsch zu drehen, wie so viele Schauspieler. Aber man hat keine Zeit, man beginnt zu proben, spielt eine Vorstellung, arbeitet parallel noch an drei weiteren Stücken. Irgendwann wissen das auch die Caster und laden dich nicht mehr ein. Ich habe mich aber vor zwei Jahren entschieden, als freier Schauspieler meinen Weg zu finden. Dass sich mir dann so eine Möglichkeit wie "Sturm der Liebe" bietet, ist fantastisch. Ich kann mich in unserer Serie ausprobieren, Menschen unterhalten, jeden Tag drehen und meine Rolle neu erleben.

Von Shakespeare zum Fürstenhof: Stefan Hartmann bei "Sturm der Liebe"

Shakespeare und "Sturm der Liebe" - sind das zwei verschiedene Sportarten? Oder doch ähnlicher als man glaubt?

Hartmann (lacht): Der Vergleich ist gar nicht dumm, weil wir doch viele Emotionen bei "Sturm der Liebe" bedienen. In der einen Szene bin ich wütend auf eine andere Figur und im nächsten Moment liebe ich sie. Es ist ein Wechselbad der Gefühle, die Bandbreite ist enorm. Ich habe aber auch eine sehr unterhaltende Rolle, die nicht in die ganz großen Intrigen der Serie verstrickt ist. Und da wären wir wieder bei Shakespeare. Er konstruiert sehr gerne Intrigen mit seinen Figuren, schafft aber auch lockere, humorvolle Rollen. Der Unterschied liegt in der Komprimierung: Shakespeare ist sehr konzentriert, in zwei Stunden ist das Drama beendet. Unser Drama wird jeden Tag weitergesponnen. Dadurch haben wir mehr Zeit, die Geschichten zu erzählen, und das spüre ich in der Arbeit. Für den Moment drehe ich in einer Gefühlslage, dann erlebe ich in der Szene Wendungen, einen Moment des Erstaunens. Und danach schmeiß ich die Szene weg. Ich muss nicht auf Reproduzierbarkeit arbeiten. Der Moment ist dann schon Teil der Story, die ich in die nächste Szene mitnehme. Bei Shakespeare spiele ich dagegen einen Abend und muss ihn am Ende wieder vergessen, um ihn neu erleben zu können.

Was haben Sie in Ihren Bühnenjahren gelernt, das Sie jetzt vor der Kamera gut gebrauchen können?

Hartmann: Geschwindigkeit im Kopf. Hohes Tempo, Angebote, für die Rolle und die Geschichte zu produzieren. Das brauche ich in der Theaterarbeit ständig. Der Regisseur sagt: Stopp, nein, finde ich nicht gut, wir machen das noch einmal ...

... nur eben anders.

Hartmann: Genau. Und dann probiere ich etwas anders. Das muss im Theater wahnsinnig schnell funktionieren - und bei "Sturm der Liebe" eigentlich noch schneller. Wir produzieren 47 Serienminuten am Tag, eine ganze Folge. Das ist eine Menge Holz, das schafft ein Spielfilmdreh in zwei Monaten.

Einer der größten Fans von "Sturm der Liebe": Stefan Hartmanns Großmutter

"Sturm der Liebe" ist ein Dauerbrenner seit 2005, die Storys vom Fürstenhof sind ein TV-Phänomen. Meine Großmutter war ein begeisterter Fan, einer von Tausenden ...

Hartmann: Ja, meine ist auch seit Jahren Fan. (lacht) Was meinen Sie, was ich jetzt erlebe, wenn ich bei meiner Großmutter zu Besuch bin? Die schaut die Serie zweimal am Tag, morgens und mittags.

Dann waren Sie darauf gefasst, dass da eine riesige Fangemeinde auf Sie wartet, mit Leidenschaft und großer Erwartung?

Hartmann: Ja, ich hatte eine Ahnung. Aber mich hat dann doch verblüfft, wie viele Menschen "Sturm der Liebe" verfolgen. Wir erreichen bis zu 1,5 Millionen Zuschauer am Tag. Das ist schon eine Hausnummer. Aber dieses Gefühl stellt sich beim Arbeiten nicht ein. Mir ist das bewusst, aber ich denke nicht: Hoppla, jetzt spiele ich mal kurz für 1,5 Millionen Zuschauer. Sonst müsste ich schreiend den Raum verlassen.

So erlebt ihn das "Sturm der Liebe"-Publikum meistens, lächelnd und immer charmant: Max (Stefan Hartmann, rechts) verwechselt Shirin (Merve Cakir) mit einem Hotelgast.
Foto: ARD/ Christof Arnold

Sie spielen in der Serie Max Richter. Typ: Charmebolzen, Sportler, der Sonnyboy vom Hotel Fürstenhof. Wie soll sich diese Figur weiterentwickeln?

Hartmann: Mich hat es überrascht, dass einige Menschen aus meinem Umfeld, die meine Rolle verfolgen, den Eindruck hatten: "Ach guck mal, da ist ja der Stefan". Und nicht: "Ach guck mal, diesen 'Max', spielt der Stefan ja toll". Tatsächlich hat die Figur viel von meinem Humor. Das Ziel ist, ihn stetig weiterzuentwickeln und ihn so facettenreich zu gestalten, dass der Zuschauer mit der Figur mitfühlen kann. Aber hinter der Rolle steht ja nicht nur meine Entwicklung, sondern auch die der Autoren und der Produzenten. Da erlebe ich jeden Tag kleine Überraschungen.

So wird "Sturm der Liebe" während Corona produziert

Wie funktioniert denn so ein Dreh unter Pandemie-Bedingungen?

Hartmann: Wir haben ein detailliertes Infektionsschutzkonzept, was sich in den letzten Monaten bewährt hat. Die Schauspielerinnen und Schauspieler sowie Komparsen werden regelmäßig getestet und bei Szenen mit näherem Kontakt - wie beispielsweise Kuss-Szenen - gilt die sogenannte Schutzstufe 3, bei der eine Schutzzeit mit Kontaktreduzierungen eingehalten werden muss. Am Set gilt eine generelle Maskenpflicht. Für den Dreh nehmen die Schauspielerinnen und Schauspieler die Masken ab.

Wie kommen Sie klar mit diesen Umständen?

Hartmann: Es ist ein zweischneidiges Schwert: Gott sei Dank können wir drehen. Uns erreichen Schreiben von Fans, die sich bedanken: "Schön, dass Ihr gerade unter diesen Bedingungen noch arbeitet, damit wir eine Stunde am Tag die Sorgen vergessen können." Andererseits operieren wir auch nicht am offenen Herzen: Es gibt gerade sehr viele Menschen, die arbeiten wollen und es nicht können und die auch gute Sicherheits- und Schutzkonzepte hätten. Es macht mich sehr traurig, dass so viele so lange jetzt schon in diesem gedeckelten Modus leben müssen. Ich merke zwar auch, wie mir das entspannte Durchatmen immer schwererfällt, aber ich habe keine Kinder, muss kein Home-schooling bewältigen, und meiner Familie geht es gut. Unseren persönlichen Frust nicht mit in die Arbeit und vor der Kamera zu transportieren, das ist auch unsere Aufgabe. Wenn man eine Geschichte erzählt, die zum Abschalten einlädt, muss man sich eben von allem freimachen.

Stefan Hartmanns Draht zu seiner Heimatstadt Senden ist eng

Wie gut ist denn noch Ihr Draht zur schwäbischen Heimat?

Hartmann: Sehr gut. Meine Oma hat jetzt ein Tablet und wir können per Videoanruf in Verbindung bleiben. So halte ich das mit meinen Eltern und meinen Geschwistern auch. Wir sind in Kontakt, und sobald das irgendwann wieder möglich ist, werden wir uns bald wieder in die Arme fallen.

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