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Senden

15.01.2020

Steht die erste grüne Wasserstoff-Fabrik bald in Senden?

Prägend für das 175 Meter lange Gebäude sind die fast 14 Meter hohen Silos. Diese kann auch der neue Besitzer nutzen.
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Prägend für das 175 Meter lange Gebäude sind die fast 14 Meter hohen Silos. Diese kann auch der neue Besitzer nutzen.

Plus Die Besitzer der Pannen-Biomasseanlage in Senden wagen einen millionenschweren Neuanfang: Alte Technik raus, neue rein. Am Ende soll der ganz große Wurf stehen.

Es wäre der Durchbruch. Nicht nur für das „Holzkraftwerk“ in Senden, sondern für eine der ganzen großen Zukunftsfragen: „Grüner“ Wasserstoff gilt als Hoffnungsträger der Energiewende, weil er viele Herausforderungen beim Klimaschutz lösen könnte. Davon ist nicht nur Jochen Sautter, der Geschäftsführer des Sendener Kraftwerkbetreibers „Blue Energy Europe“, sondern auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie überzeugt, wie aus vielen Veröffentlichungen hervorgeht.

Den Kommentar dazu lesen Sie hier
Wasserstoff ist die Chance für die Region

Sautter ist guter Dinge, dass seine Firma das Know-how habe eine Problemstellung zu lösen, an dem sich Forscher rund um die Welt die Zähne ausbeißen. Die Aufgabe: Die Produktion von Wasserstoff umweltverträglich umzustellen. Heute wird der verwendete Wasserstoffs fast ausschließlich Basis von fossilen Energieträgern – wie etwa Braunkohle – produziert. „Das bringt ja der Umwelt nichts“, sagt Sautter.

Senden aus Holzabfällen Wasserstoff erzeugen

Ansätze dafür Windenergie zu nutzen seien nicht ausreichend. Windkraft produziert bei Starkwind und schwachem Strombedarf erhebliche zwar Überschüsse, die für die Produktion von Wasserstoff verwendet werden kann. Doch der ganz große Wurf könne das angesichts des immensen bundesdeutschen Energiebedarfs nicht werden, ist Sautter überzeugt.

Deswegen will Sautter in Senden aus Holzabfällen Wasserstoff erzeugen. Holzabfälle aus Sägewerken etwa, gebe es derzeit mehr als genug. Dass es geht, wurde sogar schon in Senden bewiesen: Die Biomasseanlage produzierte bis zu Stilllegung Ende November 2018 schon zu einem bestimmten Prozentsatz Wasserstoff. Nur der sei nicht rein genug gewesen. In Zukunft werde es darum gehen, die Reinheit zu erhöhen, sodass der Energieträger beispielsweise auch von Autos getankt werden kann.

Doch erst mal will der gebürtige Ulmer das „Brot und Butter“-Geschäft seiner Firma wieder ankurbeln, sodass das Kraftwerk die Lieferverpflichtung einer Mindestmenge an Fernwärme nachkommen kann. Doch die Technik, für die die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) bis zur pannenbegleiteten Inbetriebnahme Mitte 2013 satte 35 Millionen Euro ausgaben, ist in großen Teilen offenbar eine Fehlkonstruktion. Etwa sechs Millionen Euro stecke „Blue Energy Europe“ daher in ein neues Herz der Anlage. Das Alte hat ausgedient: Der 46 Tonnen schwere und 24 Meter hohe Vergaser wurde dieser Tage abmontiert.

Über die Fehler des alten Betreibers, den SWU, möchte Sautter nicht reden. Klar ist: Die Versschwelung zur Gasgewinnung von getrockneten Hackschnitzeln bei 850 Grad im 46-Tonnen-Vergaser hat nie wirklich funktioniert, sodass die SWU-Technik mehr oder weniger komplett abgebaut wird.

Eine Umwandlung von Klärschlamm in Wasserstoff wäre eine Revolution

Als einen Fehlkauf will Sautter die Investition ungenannter Höhe in das Kraftwerk jedoch nicht bezeichnen. Es sei schließlich ein Unternehmenszweck in fehlerhafte Anlagen zu investieren. Außerdem sei noch viel auf dem Gelände an der Daimlerstraße brauchbar: Was etwa bestehen bleibe, ist die Anlage zur Einspeisung der erzeugten Wärme in das Fernwärmenetz oder auch ein Blockheizkraftwerk.

Wenn das Kraftwerk mit einem etablierten System zur thermischen Verwertung von Restholz richtig läuft, will „Blue Energy Europe“ in einem zweiten Schritt versuchen, „grünen“ Wasserstoff zu produzieren. Aus Holzabfällen (Sautter: „Wegen uns stirbt kein einziger Baum“) und möglicherweise auch Klärschlamm. Dafür sei die Firma mit 30 Mitarbeitern – davon derzeit acht in Senden – jüngst eine Kooperation mit einem chinesischen Unternehmen in Guiyang im Südwesten der Volksrepublik eingegangen. „Die Chinesen wissen nicht wohin mit ihrem Klärschlamm.“ Eine Umwandlung in Wasserstoff wäre eine Revolution. Angedacht sei, aus Klärschlamm Pellets zu produzieren.

Eine Technik, mit der „Blue Energy Europe“ Erfahrung hat: Das hessische Tochterunternehmen Prinz-Eugen-Energiepark produziert aus Sägerestholz längst nachhaltige Holz-Pellets aus. Das gibt Sicherheit für die ehrgeizigen Pläne in Senden: Aktuell werden im Prinz-Eugen-Energiepark an 365 Tagen 60000 Tonnen hergestellt, die in Säcken für kleinere Heizanlagen oder in Silozügen für Großabnehmer vertrieben werden. Und der Pelletmarkt gelte als Wachstumsmarkt.

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