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Ulm

27.10.2020

Steuerverschwendung: Bund der Steuerzahler prangert Berblinger Turm in Ulm an

Wie hat sich Albrecht Ludwig Berblinger gefühlt bei seinem Flugversuch im Jahr 1811? Der neue Turm am Ulmer Donauufer lässt es erahnen.
Bild: Alexander Kaya

Plus Ulms neues Wahrzeichen hat es ins Schwarzbuch 2020/2021 vom Bund der Steuerzahler geschafft. Der Berblinger Turm wäre beinahe zum "Treppenwitz" geworden.

Reichlich Gegendwind hat Ulms neues Wahrzeichen bereits erfahren. Mit dem jetzt veröffentlichten "Schwarzbuch 2020/2021" des Steuerzahlerbundes kommt ein neuer Windstoß hinzu. Jahr für Jahr kritisiert der Bund darin Steuerverschwendungen in der Bundesrepublik. In diesem Jahr ist darin auch Ulm zu finden: Der Berblinger Turm wird angeprangert mit dem Titel "Turmbau mit Tücken".

"Das vermeintlich neue Ulmer Wahrzeichen kostet die Steuerzahler deutlich mehr als ursprünglich geplant", heißt es in der Begründung für diese eher unrühmliche Auszeichnung des Berblinger Turms. ",Augen zu und durch' lautete offenbar irgendwann das Motto. Ein Abbruch des Projekts hätte laut Stadt annähernd die vollständigen Kosten verursacht. Diese Blamage wollte man sich jedoch ersparen."

250 Jahre Schneider von Ulm: Veranstaltungen wegen Corona größtenteils abgesagt

Ulm wollte in diesem Jahr ein großes Jubiläum zu Ehren des berühmten Schneiders Albrecht Berblinger feiern. Der wäre heuer 250 Jahre alt geworden. Der Flugpionier wollte einst mit einem selbst gebauten Flugapparat die Donau überqueren.

Wegen Corona wurden zwar zahlreiche Veranstaltungen abgesagt, errichtet aber wurde der Turm. Das Denkmal in Form einer rot-weißen Spindeltreppe aus Stahl am Ulmer Donauufer erinnert an die Stelle, wo Albrecht Berblinger mit seinem Flugapparat absprang. Der Turm kann beleuchtet werden und ist 20 Meter hoch; als besonderes Markenzeichen können Besucher auf dem Weg nach oben einem Hörspiel lauschen.

Die Krux an der Sache beschreibt der Bund der Steuerzahler dann so: "Nach Auslobung eines Wettbewerbs und anschließendem Vertrag mit den Künstlern plante die Stadt mit Kosten von 500.000 Euro – ein Pauschalpreis. Die Stadt wies bereits im Vorfeld die Künstler darauf hin, dass aus statischen wie archäologischen Gründen ein größerer Eingriff in den Boden möglichst vermieden werden sollte. Nach einiger Zeit stellte sich jedoch heraus, dass die ursprünglichen Annahmen des durch die Künstler beauftragten Statikers unrealistisch waren. Die Folgen: eine Überarbeitung samt erheblicher Kostensteigerung, die laut Stadt auf die hohen statischen Anforderungen insgesamt und die schwierigen Baugrundverhältnisse im Besonderen zurückzuführen sind. So wurden es schließlich 750.000 Euro, für die die Steuerzahler aufkommen müssen." Viel Geld, das die Stadt Ulm laut Steuerzahlerbund auch in mehrere Kinderspielplätze hätte investieren können.

Immerhin sei der Turm jetzt doch für bis zu 30 Besucher gleichzeitig frei zugänglich. Zwischenzeitlich war schon gemunkelt worden, dass eine Besichtigung nur im Zuge einer Führung möglich oder nur eine Windung der Spindeltreppe frei begehbar sein könnte. "Dann hätte man wohl von einem Treppenwitz sprechen können", so der Bund der Steuerzahler. (mit az)

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