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11.07.2010

Tanzender Derwisch im Ochsenhäuser Hof

Tanzender Derwisch im Ochsenhäuser Hof

Ulm Derwischtanz im Grünen Hof? Die Finissage der "Tarikat" ("Wege"-)Ausstellung des Bad Waldseer Künstlers Richard W. Allgaier macht's möglich mit der Gedankenverbindung zum ehemals christlich-klösterlichen Rahmen des Ochsenhäuser Hofes.

Saitenklänge stehen im Raum. Die Unendlichkeit des Seins wird beschworen. Bis ins Naturholz gezogene Flötenklänge ergeben ein magisches Gespinst. Plötzlich setzt die Trommel ein. Der Rhythmus wird schneller. Ein bärtiger Mann verbeugt sich vor den Musikern und beginnt sich mit ausgebreiteten Armen im Gegenuhrzeigersinn zu drehen. Sein Bewegungskreisel um die eigene Achse beginnt zwischen den Säulen im Eingangsbereich, dehnt sich erst nach links aus, wo er sich den Augen des Publikums entzieht, und schwebt schließlich durch den ganzen Raum.

Der Tänzer wirkt im Angesicht abgetreten. Seine immer wiederkehrenden Bewegungen zeugen jedoch von Präsenz. Am Schluss seiner kontrollierten Fliehkraft-Demonstration schließt sich der Kreis, der Anfang wird zum Ende. Der Mann neigt den Kopf vor dem Musiktrio - und lächelt.

Das Sufi Ensemble München erläutert dieses Tanzritual mit seiner Spanne von stiller Verinnerlichung bis zur rotierenden Leidenschaft in informativen Überleitungen. Heilige Tänze wurden in allen großen Religionen und Traditionen als Technik angewandt, um das Bewusstsein zu erweitern und den Tanzenden näher an das jeweilige Gottesideal heranzuführen. Sufismus ist der Begriff für die islamische Mystik.

Tanzender Derwisch im Ochsenhäuser Hof

Einen Anhänger des Sufismus nennt man Sufi oder auch Derwisch. Der Sufismus gilt als Botschaft der Liebe, der Harmonie und der Schönheit. Die ersten Sufis waren einzelne Asketen. Erst ab dem 12. Jahrhundert entwickelten sich die Ordensgemeinschaften (Tariqas), die teilweise noch heute existieren. Die Sufis suchen durch Askese und Meditation Gott nahe zu kommen oder mit Gott eins zu werden. Letzteres wird vom orthodoxen Islam und der ihr eigenen islamischen Rechtsprechung zumindest kritisch betrachtet, wenn nicht gar als Gotteslästerung verdammt.

Das Knarren an der Pforte zum Paradies

Die Mullahs haben mit einem sufistischen Heiligen nichts gemein", sagt der in München geborene, bayerisch parlierende Muslime Ebet Gümüsel im Grünen Hof. In einer sufistischen Legende wird diese Art von meditativer Musik als das "Knarren der Pforte vor dem Paradies" bezeichnet.

Im lautmalerisch-magischen Klangnetz des Sufi Ensembles München dreht sich der Schweizer Sufi-Tänzer Abdul Shakur in keinen Trancezustand.

Virtuoses Ensemble in einer stillen Nische

Das Publikum anerkennt die asketische Virtuosität dieses Ensembles, das beim Berufsverband Bildender Künstler im Ochsenhäuser Hof mit seinen spirituellen Ritualen als still-fremde, verblüffende Einheit aufgetreten ist.

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